{"id":5016,"date":"2014-04-03T15:28:07","date_gmt":"2014-04-03T13:28:07","guid":{"rendered":"http:\/\/fifties-horror.de\/?page_id=5016"},"modified":"2017-03-08T10:12:37","modified_gmt":"2017-03-08T09:12:37","slug":"zur-soziologie-und-psychologie-des-horrorcomics-der-1950er-jahre","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/fifties-horror.de\/?page_id=5016","title":{"rendered":"Zur  Soziologie  und  Psychologie  des  Horrorcomics  der  1950er   Jahre"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"center\"><b>Gastbeitrag von Sebastiano Trebastoni<\/b><\/h3>\n<p><b>Vorbemerkung: <\/b><\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich sch\u00e4tze die Horrorcomics der 50er Jahre aufgrund ihrer Einzigartigkeit und ihrem hohen Unterhaltungswert. In meinen Augen gab es davor und danach keine anderen Comics mehr, die diese Hefte in Sachen Kreativit\u00e4t \u00fcbertroffen haben.<strong> Ihr heutiger Kultstatus liegt auch vor allem auch darin begr\u00fcndet, dass sie sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht erinnerungsw\u00fcrdig sind.<\/strong> So standen vielen guten, kunstvollen Comicgeschichten auch billige, gewaltt\u00e4tige und ekelerregende Machwerke gegen\u00fcber. Oft findet sich auch eine Mischung aus beidem. Ich pers\u00f6nlich finde, dass gerade diese Vielseitigkeit der Comics fasziniert und einl\u00e4dt, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center\"><b>Kapitel 1: Kritik an der amerikanischen Ideologie und Gesellschaft<\/b><\/h3>\n<p>Es mag seltsam klingen, dass Comicheftchen, die Geschichten mit Titeln wie <i>Terror of the Killer Plant<\/i>\u00a0 oder <i>Vampire Vengeance<\/i>\u00a0 enthielten, tats\u00e4chlich Gesellschaftskritik beinhalten sollen. Dennoch f\u00e4llt bei genauerer Betrachtung auf, dass bestimmte Motive und Handlungsmuster immer wieder auftauchen: Dazu geh\u00f6ren Dreiecksbeziehungen, wahnsinnige Wissenschaftler, Leute die einen Pakt mit dem Teufel schlie\u00dfen, Tote auf Rachefeldzug und noch vieles mehr.<\/p>\n<p>Wichtig ist jedoch vorerst nur, dass man anhand dieser Regelm\u00e4\u00dfigkeiten einige Strukturen der Comicwelt feststellen kann, sodass unter dem Strich eine eindeutige Haltung dieser Comics zu erkennen ist. Somit lassen sich Tendenzen und Meinungen zu gesellschaftlichen Themen feststellen, welche eindeutig kritischer Natur sind.<\/p>\n<p>Allgemein kann man sagen, <strong>dass in den Horrorcomics nicht nur der &#8222;<i>American Way of Life&#8220;<\/i>, sondern auch das Prinzip der Gesellschaft und der Zivilisation an sich demontiert wird<\/strong>. Hier wird schrittweise alles, was eine funktionierende Gesellschaft ausmacht zerst\u00f6rt bzw. parodiert.<\/p>\n<p>Zuerst f\u00e4llt auf, dass in den 50er Jahre Horrorcomics eine Welt gezeigt wird, in der keine Werte \u00fcberlebt haben. Der Mensch hat diese scheinbar \u00fcberwunden. Es gibt weder Moral noch Glorifizierungen irgendeiner Art. <strong>Die Menschen sind von Gier getrieben<\/strong>, f\u00fcr Geld (oft eine Versicherungssumme) sind sie bereit, jedes erdenkliche Verbrechen zu begehen, Mord eingeschlossen.<\/p>\n<p>Eine der Geschichten, welche Gier am direktesten thematisieren, ist <i>Devil&#8217;s Diamond<\/i> aus <i>Witches Tales #14<\/i>. Hier geht es um einen Juwelier, der von einer alten Frau einen Diamanten erh\u00e4lt. Auf diesem lastet jedoch ein Fluch, der jene zerst\u00f6rt, die gierig sind.<br \/>\nDaraufhin t\u00f6tet der Juwelier die alte Frau und beh\u00e4lt den Diamanten. Jeder Kunde, der den Diamanten nun betrachtet, wird schrecklich entstellt. Doch auch der Juwelier selber verf\u00e4llt langsam und stirbt letzten Endes er an dem Fluch. Doch da wird sein Laden bereits von den Menschen gest\u00fcrmt, welche den Diamanten ansahen und nun auch vom Fluch betroffen sind. Einer von ihnen nimmt den Stein an sich und der Kreislauf beginnt erneut.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Juwel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5019\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Juwel.jpg\" alt=\"Juwel\" width=\"883\" height=\"439\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Juwel.jpg 883w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Juwel-300x149.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Juwel-624x310.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 883px) 100vw, 883px\" \/><\/a>Von der Gier einmal abgesehen, scheinen die Figuren und Charaktere auch sehr schnell bereit zu sein, einen Mord zu begehen, es gibt keine sonderlich hohe moralische Hemmschwelle zu \u00fcbertreten: <strong>Morde werden fast als Selbstverst\u00e4ndlichkeit begangen.<\/strong> Auch kriegt kaum eine der Figuren im Nachhinein Zweifel an ihrer Tat.<\/p>\n<p>Des Weiteren gibt es fast keine gl\u00fccklichen Ehen oder wenn, dann werden sie im Verlauf der Geschichte zerst\u00f6rt. Eine Dreiecksbeziehung bildete die Grundlage vieler Geschichten, gerade in denen des Verlags <i>EC<\/i>. Hier kommen auch wieder die Gier und die Mordbereitschaft zum Tragen, wobei das Schmieden eines Mordplans f\u00fcr den st\u00f6renden Ehepartners obligatorisch ist.<\/p>\n<p><strong>Wahre Gutmenschen oder einfach sympathische Charaktere gibt es\u00a0 fast gar nicht<\/strong>. Und wenn doch, dann \u00fcberleben sie meist nicht allzu lange.<br \/>\nIn den Comics geht es daher auch selten um Konfrontationen zwischen Gut und B\u00f6se: Das wahre Gute scheint nicht mehr zu existieren, das B\u00f6se in den Menschen und der Welt hat alle gesellschaftlichen Normen und Ordnungen \u00fcberwunden.<\/p>\n<p><strong>Dabei werden Polizei und Staat zu jeder Zeit als machtlos und ineffektiv dargestellt.<\/strong> Der Staatsapparat wirkt in den Geschichten immer v\u00f6llig \u00fcberfordert. In einer Geschichte wird die Machtlosigkeit der Polizei besonders deutlich: In <i>Demon in Disguise<\/i> jagen zwei Polizisten einen D\u00e4mon, der seine Gestalt beliebig ver\u00e4ndern kann. Am Ende stellt sich heraus, dass einer der beiden der D\u00e4mon ist. Er t\u00f6tet seine Partnerin und kann seine Untaten ungehindert in der Gestalt eines Polizisten weiterf\u00fchren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Polizeid\u00e4mon2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7503\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Polizeid\u00e4mon2.jpg\" alt=\"Polizeid\u00e4mon2\" width=\"900\" height=\"454\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Polizeid\u00e4mon2.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Polizeid\u00e4mon2-300x151.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Polizeid\u00e4mon2-768x387.jpg 768w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Polizeid\u00e4mon2-624x315.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In dieser Geschichte f\u00e4llt nicht nur die Unf\u00e4higkeit der Polizisten auf, sondern auch <strong>der Sieg des B\u00f6sen \u00fcber das Gute<\/strong> am Schluss. B\u00f6se oder negative Enden wie dieses finden sich in vielen Horrorcomics der 50er Jahre.<br \/>\nDie alte Regel, dass auf Ordnung Chaos und dann wieder Ordnung folgt, welche heute noch in den meisten Filmen und B\u00fcchern angewendet wird, hat hier keine G\u00fcltigkeit mehr. Oftmals werden die B\u00f6sen zwar bestraft, nachdem sie die Guten umgebracht haben, doch wenn diese Bestrafung durchgef\u00fchrt ist, haben die Opfer vielleicht ihren Frieden, aber werden auch nicht wieder lebendig. Wirklich Hoffnung oder Rettung gibt es hier nicht mehr. H\u00f6chstens vielleicht Vergeltung.<\/p>\n<p>Damit positionieren sich die Horrorcomics im klaren Gegensatz zu &#8222;Heile-Welt-Comics&#8220; wie <i>Superman<\/i> und \u00e4hnlichen Produkten, die eine eher positive Grundstimmung aufzeigen, bzw. zumindest die M\u00f6glichkeit der L\u00f6sung des dramaturgischen Knotens in Aussicht stellen. Selbst die in Zynismus kaum noch zu \u00fcbertreffenden Geschichten aus den <i>Crime Does Not Pay<\/i>-Heften, welche ebenfalls einen hohen Gewaltgrad besa\u00dfen, endeten immer mit dem Sieg des Guten \u00fcber das B\u00f6se.<\/p>\n<p>Es ist aus den Horrorcomics also herauszulesen, dass das im &#8222;<i>American Way of Life&#8220;<\/i> verankerte Vertrauen in die Gesellschaft und deren Werte \u00fcberhaupt nicht mehr vorhanden ist. <strong>Das Vertrauen in irgendeine allgemeine gesellschaftliche Ordnung ist komplett verschwunden.<\/strong> Auch wenn die B\u00f6sen in den Horrorcomics meist kriegen, was sie verdienen, ist es h\u00e4ufig purer Zufall, und wir k\u00f6nnen uns nicht darauf verlassen.<\/p>\n<p>Einige der einpr\u00e4gsamsten Aspekte in den 50er Jahre Horrorcomics sind logischerweise die \u00fcbernat\u00fcrlichen Elemente, also die Monster und Antagonisten sowie deren Hintergr\u00fcnde. Dabei f\u00e4llt, unabh\u00e4ngig davon, um welche Kreatur es sich in der Geschichte handelt, eine Sache ins Auge: <strong>Die Herkunft des B\u00f6sen wird oftmals \u00fcberhaupt nicht erkl\u00e4rt.<\/strong> Vielmehr wird das B\u00f6se, als sei es selbsterkl\u00e4rend, in die Geschichte eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ein sehr sch\u00f6nes Beispiel ist <i>Gravestone for Gratis<\/i> aus <i>Fantastic #11<\/i>. Hier jagt ein Mann einen Ghoul, einen Untoten, der ein Dorf terrorisiert. Die Menschen warnen den Mann davor, es werden sogar Schilder aufgestellt, aber es gibt keine Erkl\u00e4rung, woher der Ghoul eigentlich kommt. <strong>Seine Existenz wird einfach hingenommen.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Ghulwarnung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5021\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Ghulwarnung.jpg\" alt=\"Ghulwarnung\" width=\"353\" height=\"337\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Ghulwarnung.jpg 441w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Ghulwarnung-300x286.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 353px) 100vw, 353px\" \/><\/a>Ein anderes Beispiel ist die Geschichte <i>Call me Monster <\/i>aus<i> Mysteries Weird and Strange #5<\/i>, in der sich ein Mann ohne Grund in einen Werwolf verwandelt. Es gibt zwar unterschwellige Andeutungen \u00fcber sexuelle Frustration als Ursache f\u00fcr die Verwandlung, aber keine wirkliche Erkl\u00e4rung im klassischen Sinne.<\/p>\n<p>Dieser Umgang mit \u00fcbernat\u00fcrlichen Elementen ist charakteristisch f\u00fcr die 50er Jahre Horrorcomics: Niemand wei\u00df, woher der Werwolf kommt, der nachts die Stra\u00dfen terrorisiert, wir wissen nur, dass er jetzt hier ist. Der gesamte mythologische Hintergrund, die Ereignisse, die eine solche Kreatur kreiert haben k\u00f6nnten, fehlen. Der gesamte historische und symbolische Kontext wird \u00fcbergangen.<br \/>\nOftmals geht dies so weit, dass in den Geschichten die <strong>Monster<\/strong> als normal wahrgenommen und nicht weiter hinterfragt werden, wie z.B. in <i>Gravestone for Gratis<\/i>. Sie <strong>sind ein fester Bestandteil der Gesellschaft geworden<\/strong>. Sie werden zwar gejagt und gef\u00fcrchtet f\u00fcr die schrecklichen Dinge, die sie tun, aber sie werden nicht hinterfragt. Das B\u00f6se ist zum Greifen nahe und l\u00e4ngst nicht mehr abstrakt. Viele der Monster verstecken sich sogar hinter menschlichen Fassaden, ohne dass man es merkt.<br \/>\nSo kann der Nachbar ein Marsmensch, ein Vampir oder ein Serienkiller sein, eins steht fest: Niemand ist sicher, niemand kann ruhig schlafen. <strong>Die Comics portr\u00e4tieren eine von innen zerfressene und zerst\u00f6rte Gesellschaft.<\/strong><\/p>\n<p>Selbst Satan h\u00f6chstpers\u00f6nlich lebt in der Comicwelt schon lange unter uns, auch er hat jegliche Mystik verloren. In den Comics taucht er u.a. als schlichter Passant, Friseur und auffallend oft als Casinobesitzer auf.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Stra\u00dfensatan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5022\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Stra\u00dfensatan.jpg\" alt=\"Stra\u00dfensatan\" width=\"350\" height=\"294\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Stra\u00dfensatan.jpg 500w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Stra\u00dfensatan-300x252.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Zwar hat er immer noch einige typische Charaktereigenschaften, so versucht er immer wieder Ahnungslose dazu zu \u00fcberreden, einen Pakt mit ihm zu schlie\u00dfen, bei dem sie garantiert den K\u00fcrzeren ziehen, aber er hat nur noch wenig von der symbolischen Kraft die sonst Darstellungen des Teufels innewohnt. Er mag hier vielleicht ein L\u00fcgner und Herrscher der H\u00f6lle sein, aber noch <strong>vielmehr ist er ein Gesch\u00e4ftsmann<\/strong>.<\/p>\n<p>Das ist nicht \u00fcberraschend, da es ja in der Welt der Horrorcomics keinen Gott, kein Gegenst\u00fcck f\u00fcr Satan zu geben scheint. Dies wird schon dadurch suggeriert, dass Gott im Gegensatz zu Satan in keiner Geschichte auftritt. <strong>Somit scheint der ewige Kampf von Gut gegen B\u00f6se hinf\u00e4llig zu sein.<\/strong> Wenn es nichts Gutes mehr in der Welt gibt, verlieren auch dessen Gegenspieler an Bedeutung. Dass der Teufel nicht mehr allzu mythisch ist, zeigt sich auch in den (zugegebenerma\u00dfen selten vertretenen) Geschichten, in denen ein Mensch, der einen Pakt mit ihm schlie\u00dft, es schafft, ihn zu \u00fcberlisten.<\/p>\n<p>Der Teufel hat zwar \u00fcbernat\u00fcrliche Kr\u00e4fte, aber auch er ist hier Regeln unterworfen und nicht allm\u00e4chtig. Er bewegt sich wie die Charaktere der Comics in einem Raum ohne Grenzen und Gesetze und kann daher auch nicht als b\u00f6se bezeichnet werden: <strong>Die Horrorcomics spielen in einer Welt ohne moralische Ordnung<\/strong>, gegen die demzufolge auch niemand versto\u00dfen kann, wie es der Teufel ja normalerweise tut.<\/p>\n<p>Der Teufel hat hier menschliche Z\u00fcge bekommen. <i>Amnesia<\/i> aus <i>Chamber of Chills #17<\/i> bringt dies wunderbar auf den Punkt: Hier wird ein Mann beim n\u00e4chtlichen Spaziergang vom Blitz getroffen und er wei\u00df nicht mehr, wer er ist. Am Ende der Geschichte stellt sich heraus, dass er Satan h\u00f6chstpers\u00f6nlich ist. Kaum ist ihm dies klar geworden, wachsen ihm auch gleich wieder seine H\u00f6rner.<br \/>\nIn dieser Geschichte finden wir die ultimative Verbindung der Teufelsgestalt mit Menschlichkeit, also auch Fehlern und Schw\u00e4chen und vor allem Fehlbarkeit. Somit verliert Satan einen Gro\u00dfteil der \u00fcblichen Metaebenen und tieferen Bedeutung, die eine Teufelsdarstellung au\u00dferhalb dieser Comics normalerweise besitzt. Oder mit anderen Worten: <strong>Der Teufel ist hier auch nur ein Mensch.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Amnesia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5023\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Amnesia.jpg\" alt=\"Amnesia\" width=\"800\" height=\"396\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Amnesia.jpg 800w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Amnesia-300x148.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Amnesia-624x308.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a>Die ganze Geschichte k\u00f6nnen Sie <a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/lesewiese\/the-good\/amnesia\" target=\"_blank\">HIER <\/a>lesen.<\/p>\n<p>Auch die Zivilisation an sich, also was den Menschen ausmacht, ger\u00e4t oftmals ins Visier der Horrorcomics. Die <strong>schrittweise Demontage der Zivilisation<\/strong> finden wir sehr sch\u00f6n und detailliert in <i>Blood Brothers!<\/i> aus dem <i>Atlas<\/i>-Verlag (<i>Suspense #22<\/i>). Hier entdeckt ein Wissenschaftler ein Mittel, das Schweine hochintelligent macht und wie Menschen auf zwei Beinen gehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Schon bald ger\u00e4t das Ganze au\u00dfer Kontrolle und die Schweine fangen einen Krieg gegen die Menschen an. Am Ende gewinnen die Schweine und bauen ihre eigene Zivilisation auf.<br \/>\nDie der Menschen ist jedoch zerst\u00f6rt, die wenigen \u00fcberlebenden Menschen wandern nun in die Schlachth\u00f6fe, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Schweine gedacht waren. Neben all den anderen Subtexten und Aspekten, die diese Geschichte birgt, ist sie in erster Linie eine Alptraumvision vom Untergang unserer Gesellschaft, konsequent zu Ende gedacht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schweinezyklus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5024\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schweinezyklus.jpg\" alt=\"Schweinezyklus\" width=\"883\" height=\"370\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schweinezyklus.jpg 883w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schweinezyklus-300x125.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schweinezyklus-624x261.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 883px) 100vw, 883px\" \/><\/a>Auch der Mensch im Allgemeinen, insbesondere seine Mordlust und animalischen Instinkte scheinen eine Gefahr darzustellen. Dies l\u00e4sst sich am eindeutigsten aus den unz\u00e4hligen Horrorcomics mit J\u00e4ger-Thematik herauslesen.<\/p>\n<p>In <i>The Big Game Hunter<\/i> z.B. t\u00f6tet ein J\u00e4ger seine verhasst Frau sowie deren Geliebten und h\u00e4ngt ihre K\u00f6pfe als Troph\u00e4en auf. Hier ist von Zivilisation eindeutig nichts mehr zu finden. Link zur Geschichte <a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/lesewiese\/the-ugly\/the-big-game-hunter\" target=\"_blank\">HIER<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Der Mensch ist hier nicht mehr zivilisiert, sondern steht hier mit dem Tier auf einer Stufe<\/strong>, bzw. in manchen Geschichten sogar darunter. Er raubt und mordet in den Comics, wie es ihm beliebt. Der Mensch hat seine erh\u00f6hte Stellung, seine \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber den Tieren durch eine Ideologie und die Gabe der Vernunft, aufgegeben. Er steht nicht mehr an der Spitze der Nahrungskette und ist wie die phantastischen Kreaturen in den Horrorcomics von jedem mythologischen oder, in diesem Falle passender, ideologischen Kontext befreit.<\/p>\n<p>Fasst man die gesellschaftskritischen Aspekte der Comics zusammen, so kann man sagen: Der vorherrschende Gedanke ist hier der Zweifel an praktisch allem, was wir kennen. Selbst das h\u00f6chste Gut des Menschen, die Zivilisation, ist hier nicht mehr sicher. <strong>Obgleich die Horrorcomics der 50er Jahre ohne einen k\u00fcnstlerischen Anspruch und nur f\u00fcr den schnellen Konsum geschaffen wurden, ist ein sozialkritischer Subtext in ihnen nicht von der Hand zu weisen.<\/strong> Zwar bestehen die Geschichten zum Gro\u00dfteil aus vordergr\u00fcndigen Schocks, jedoch ist in bestimmten F\u00e4llen eine Aussage zu erkennen.<\/p>\n<p>Ein sehr auff\u00e4lliges Indiz, dass die Geschichten dem Leser scheinbar etwas sagen wollen, ist auch die <strong>Erz\u00e4hlhaltung<\/strong>. So werden einige Geschichten in der <i>You<\/i>-Form (welche anscheinend haupts\u00e4chlich bei Comics dieser \u00c4ra aufzutreten scheint) und\/oder Subjektive erz\u00e4hlt. Dadurch findet eine besonders starke Identifikation des Lesers mit der handelnden Figur statt.<br \/>\nAls Beispiel diene hier die von Bob Powell <strong>aus subjektiver \u201eKamera\u201c illustrierte Geschichte<\/strong> <a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/lesewiese\/the-good\/colorama\" target=\"_blank\"><i>Colorama<\/i> <\/a>(mit Mausklick anw\u00e4hlbar).<\/p>\n<p>Ein noch h\u00e4ufiger verwendetes Stilmittel ist der<strong> Appell am Ende<\/strong> vieler Geschichten. So wendet sich oftmals, nachdem die Handlung geendet hat, der Erz\u00e4hler, der &#8222;<i>host&#8220;,<\/i> direkt an den Leser oder es wird einfach im finalen Textkasten an den Rezipienten appelliert. Nat\u00fcrlich ist auch hier die Absicht, den Leser mit einem gruseligen Gef\u00fchl zu entlassen, um die Schockwirkung hoch zu halten, aber dennoch schwingt einfach das Gef\u00fchl mit, der Comic h\u00e4tte dem Leser tats\u00e4chlich etwas zu sagen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Moral.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5025\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Moral.jpg\" alt=\"Moral\" width=\"900\" height=\"413\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Moral.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Moral-300x137.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Moral-624x286.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>Das in den Horrorcomics gezeigte Weltbild ist zynisch, depressiv und grotesk und hat mit der im &#8222;<i>American Way of Life&#8220;<\/i> propagierten Mentalit\u00e4t nichts mehr zu tun. In der Welt der Horrorcomics, die eindeutig vom B\u00f6sen dominiert wird, ist f\u00fcr Individualit\u00e4t und Freiheitsliebe kein Platz mehr.<br \/>\nDie Gutmenschen, die vom &#8222;<i>American Way of Life&#8220;<\/i> gepr\u00e4gt wurden und ihn am Leben halten, gibt es nicht mehr. Eine funktionierende Gesellschaft ebenso wenig. Und selbst der kleinste Schimmer der Hoffnung hat hier keine Existenzberechtigung mehr, das f\u00fcr die amerikanische Ideologie so wichtige, essenzielle Gl\u00fcck ist unerreichbar. Die Comics zeigen hier eine unglaublich <strong>negative Weltsicht und die absolute und vollkommene Negierung des &#8222;<i>American Way of Life&#8220;<\/i>.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center\"><b>Kapitel 2: Die Darstellung von Sexualit\u00e4t und Partnerschaft<\/b><\/h3>\n<p>Wenngleich die Horrorcomics oft im damals popul\u00e4ren Stil der<i> Good-Girl-Art <\/i>gezeichnet waren und gerne h\u00fcbsche Frauen in den Vordergrund r\u00fcckten, waren sie doch die einzigen, die diese Sexualit\u00e4t auch gleichzeitig parodierten. <strong>Spricht man von Sexualit\u00e4t in den Horrorcomics der 50er Jahre, so kommt man nicht daran vorbei, auch Perversion im selben Atemzug zu erw\u00e4hnen.<\/strong><\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zur Good-Girl-Art findet sich in den Zeichnungen der Comics eine schier unz\u00e4hlbare Menge an unterschwelligen Anspielungen, Fetischen und Perversionen, die in die Geschichten hineingeschmuggelt wurden. Teilweise lassen sich komplette Geschichten mit sexuellem Subtext erkennen, bzw. Geschichten, die lediglich eine Metapher f\u00fcr sexuelle Handlungen darstellen.<\/p>\n<p>Als Beispiel diene die Geschichte <a href=\"http:\/\/thehorrorsofitall.blogspot.de\/2008\/08\/black-candle-of-life.html\" target=\"_blank\"><i>The Black Candle of Life<\/i><\/a> aus <i>Beware! Terror Tales #4<\/i>.<br \/>\nFolgen Sie dem Link, studieren Sie die Geschichte und beachten Sie bitte die erhellenden Kommentare darunter!<\/p>\n<p>Somit nehmen die Horrorcomics auch hier eine Sonderstellung in der Comiclandschaft ein, da sie zwar wie andere Comics sch\u00f6ne Frauen und sexuelle Untert\u00f6ne besitzen, aber hier werden diese f\u00fcr den Leser eigentlich positiven Bilder auf den Kopf gestellt: Die Frau mag zwar sch\u00f6n sein, wie in den anderen Comics, doch hier kommt noch ein starker Kontrast hinzu: Sie zappelt in den Klauen eines schleimigen Monsters oder wird von einem Zombie zerfleischt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Baffling.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5027\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Baffling.jpg\" alt=\"Baffling\" width=\"288\" height=\"404\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Baffling.jpg 600w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Baffling-214x300.jpg 214w\" sizes=\"(max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/a>Auch hier kommt wieder der Aspekt zum Tragen, dass die Horrorcomics zu diesem Zeitpunkt noch keinem strikten Code unterlagen. Die bisherigen Versuche, die Inhalte der Geschichten zu regulieren, blieben mehr oder weniger ergebnislos.<br \/>\nDamit stellten die Horrorcomics ein <strong>perfektes Ventil f\u00fcr derartige sexuelle Phantasien<\/strong> dar. Diese h\u00e4tten sonst in keinem Medium zum Ausdruck gebracht werden k\u00f6nnen, da z.B. der Film zu diesem Zeitpunkt bereits einer strikten Zensur unterlag. Somit hatten die Macher der Comics einen enormen Freiraum, den sie nat\u00fcrlich auch nutzten.<br \/>\nEinmal aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden, da sie beim Schaffen eines Comics auch immer einen pers\u00f6nlichen Einfluss nicht vermeiden konnten und zum anderen, weil solche Motive auch schlicht verkaufsf\u00f6rdernd wirken konnten, da offensichtlich viele Menschen unterdr\u00fcckte perverse Neigungen besa\u00dfen. Mit der Einf\u00fchrung des <i>Comic Codes<\/i> 1955 wurden derartige Bilder schlie\u00dflich komplett unterbunden. So besagte eine der Auflagen des Codes: &#8222;<i>Passion or romantic interest shall never be treated in such a way as to stimulate the lower and baser emotions.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Die <strong>perversen Untert\u00f6ne der Comics<\/strong> wurden also auch eindeutig als gesellschaftliches Problem angesehen und riefen allgemeine Emp\u00f6rung hervor. In diesem Punkt zeigt sich erneut die subversive Kraft der Horrorcomics, welche somit scheinbar tats\u00e4chlich in der Lage waren, gegen die gesellschaftliche Ordnung zu rebellieren. Und dabei sogar so viel Erfolg zu haben, dass der Staat Gegenma\u00dfnahmen einleiten muss.<\/p>\n<p>Nun ist es im Nachhinein schwierig, die genauen psychologischen <strong>Ursachen f\u00fcr das Einbringen derartiger Bilder und f\u00fcr die Ausbildung derartiger Fetische<\/strong> zu finden.<br \/>\nDer Psychoanalytiker und Sexualforscher <strong>Wilhelm Reich<\/strong> entwickelte bereits in den 1920er Jahren in Deutschland die Theorie, dass eine unterdr\u00fcckte Sexualit\u00e4t und somit ein Mangel an Befriedigung zur Entwicklung von Fetischen und Perversionen f\u00fchren k\u00f6nnte. Im Rahmen seiner Forschungen kam Reich zu der Erkenntnis, dass ein Gro\u00dfteil der Gesellschaft an derartigen sexuellen St\u00f6rungen leiden muss.<\/p>\n<p>Auch wenn seine Theorie bis heute umstritten ist, passt sie hier hervorragend: Betrachtet man die Horrorcomics unter diesen Gesichtspunkten, scheint sie zuzutreffen. Somit w\u00e4re die Ursache f\u00fcr all die Perversionen in den Comics die Tatsache, dass <strong>die amerikanische Gesellschaft in den 50er Jahren durch ihre Normen die Sexualit\u00e4t des Einzelnen unterdr\u00fcckte<\/strong>, was somit zur Bildung von Fetischen und Perversionen f\u00fchrte. Diese wurden jedoch ebenfalls von der Gesellschaft abgelehnt, wodurch die Horrorcomics eine der wenigen M\u00f6glichkeiten waren, diese sexuelle Energie zu entladen.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist auch, dass die nach Reich durch sexuelle Unterdr\u00fcckung hervorgerufene <strong>Verbindung von Ekel, Sex und Gewalt<\/strong> in den Comics ebenfalls zu finden ist.<br \/>\nEin Paradebeispiel f\u00fcr sexualisierten Ekel findet sich in <i>Revenge so Evil <\/i>aus dem Heft<i> Journey Into Fear #15<\/i>. Hier r\u00e4cht sich eine Frau an ihrem Liebhaber, der zuvor ihren Mann umgebracht hat, indem sie sich selbst mit Akromegalie infiziert und dann auf ihn \u00fcbertr\u00e4gt, was zum Tod von allen beiden f\u00fchrt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/akro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5028\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/akro.jpg\" alt=\"akro\" width=\"330\" height=\"338\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/akro.jpg 550w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/akro-293x300.jpg 293w\" sizes=\"(max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/a>Ganz abgesehen davon, dass die Geschichte medizinisch v\u00f6llig unkorrekt und komplett an den Haaren herbeigezogen ist, wird hier eine sexuelle St\u00f6rung besonders eindeutig: Eine Frau \u00fcbertr\u00e4gt in b\u00f6ser Absicht auf einen Mann eine Krankheit, die ihn entstellt und in den Selbstmord treibt. Dies geschieht durch K\u00fcsse und wahrscheinlich auch Sex, wenngleich dies in der Geschichte, wie so oft,<strong> nicht direkt ausgesprochen wird<\/strong>.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel ist <i>Evil Intruder<\/i>. Hier geht es um einen D\u00e4mon, der auf der Suche nach der Liebe einer menschlichen Frau (das steht f\u00fcr Sex) ist und daf\u00fcr auch vor Mord nicht zur\u00fcckschreckt. Schlie\u00dflich landet er bei einer Frau, welche ihn durch einen Zauber nicht als D\u00e4mon erkennt. Nun wird er immer zudringlicher, bis die Situation schlie\u00dflich eskaliert.<\/p>\n<p>Hier findet sich auch eindeutig die von Reich festgestellte Verbindung von Sex und Gewalt. Diese Kombination ist in den Horrorcomics oft anzutreffen. Hierzu passt auch der Deutungsansatz f\u00fcr die sexuellen Motive, den Jim Trombetta feststellte. Diesen bezeichnete er als das &#8222;<i>Death and the Maiden<\/i>&#8222;-Motiv. Er kommt zu der Erkenntnis, dass <strong>Sex in den Horrorcomics<\/strong> der 50er Jahre, auch wenn er nur indirekt stattfindet,<strong> immer einen Bezug zu Gewalt und Tod hat<\/strong>. Erotik und Gewalt scheinen untrennbar verbunden:<\/p>\n<p><i>&#8222;Sex is thus associated with being buried in muck or eaten alive; with dead things and repulsive alien beings; with bayonet combat; with hideous heads either placed or growing from the bodies of beautiful women; and much, much more. There is certainly no variety of sex in horror comics, &#8217;normal&#8216; or otherwise, that does not come with a punitive punch.&#8220;<\/i><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Intruder.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5029\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Intruder.jpg\" alt=\"Intruder\" width=\"350\" height=\"354\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Intruder.jpg 500w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Intruder-297x300.jpg 297w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>(die komplette Geschichte finden Sie unter <a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/lesewiese\/the-ugly\/evil-intruder\" target=\"_blank\">DIESEM <\/a>Link)<\/p>\n<p>Trombettas Erkenntnis untermauert die Tatsache, dass Reichs Theorie hier angewandt werden kann und zutreffend ist.<br \/>\nAus den Horrorcomics ist somit herauszulesen, dass sich in der amerikanischen Gesellschaft der 50er Jahre <strong>diverse Fetische als Folge von sexueller Unterdr\u00fcckung entwickelten<\/strong>.<\/p>\n<p>Dies wird auch angedeutet dadurch, dass die weiblichen Opfer in den Comics, insbesondere auf Covern, zumeist rote Kleider tragen. Die <strong>Farbe Rot<\/strong> steht in der Psychologie auf der einen Seite f\u00fcr Erotik und Lebendigkeit, auf der anderen aber auch f\u00fcr Anspannung, Zorn und nat\u00fcrlich Blut. Es scheint auch hier keine Unterscheidung zwischen den beiden Thematiken mehr stattzufinden.<\/p>\n<p>Das wohl perfekte Beispiel stellt <i>River of Blood <\/i>aus <i>Black Cat Mystery# 48<\/i> dar. In dieser Geschichte geht es um einen Mann, der bereits seit seiner Jugend durch den Anblick von Blut fasziniert und anscheinend auch erregt wird. Diese Obsession geht so weit, dass er eine Frau im Rausch ermordet. Schlie\u00dflich bekommt er eine Stelle als Henker, wodurch seine Neigung dauerhaft befriedigt scheint.<\/p>\n<p>Diesen Comic kann man einerseits als Metapher f\u00fcr unterdr\u00fcckte Neigungen sehen, welche von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden und daher als negativ empfunden werden. Auf jeden Fall stellt er jedoch die vollendete Vereinigung von Sex und Gewalt dar.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Blutrausch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5030\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Blutrausch.jpg\" alt=\"Blutrausch\" width=\"900\" height=\"421\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Blutrausch.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Blutrausch-300x140.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Blutrausch-624x291.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>So kann man hier festhalten, dass in den Horrorcomics der 50er Jahre die<strong> Sexualit\u00e4t nichts Positives mehr an sich hat<\/strong>. Wollust oder Freiz\u00fcgigkeit stehen immer in Verbindung mit Schmerzen und Tod.<br \/>\nDies steht im Gegensatz zur restlichen Comiclandschaft der damaligen Zeit, in der es g\u00e4ngiger war, Sex ohne Gewalt zu suggerieren.<\/p>\n<p>Hier spannt sich auch wieder ein Bogen zum zynisch-depressiven Weltbild der Comics: Es gibt nichts Gutes mehr in der Welt, selbst die Sexualit\u00e4t ist verdorben. <strong>Die Fruchtbarkeit, urspr\u00fcnglich das positive Symbol \u00fcberhaupt, ist nun auch Opfer des Verfalls geworden.<\/strong><\/p>\n<p>Aber nicht nur die Sexualit\u00e4t als solche wird l\u00e4cherlich gemacht, auch das Prinzip der Ehe und die Geschlechterrollen werden in den Comics parodiert. So werden diese v\u00f6llig \u00fcberzeichnet dargestellt: Die Figuren sind sehr flach und folgen zumeist lediglich ein bis zwei Grundinstinkten, was jedoch in einem Comic aus dieser Zeit nicht sonderlich \u00fcberrascht. Es scheint naheliegend, wenn man bedenkt, dass eine Geschichte von sieben Seiten nicht viel Raum f\u00fcr Charakterzeichnung bietet.<\/p>\n<p>In einigen wenigen F\u00e4llen sind die Ehen in den Comics tats\u00e4chlich gl\u00fccklich und Mann und Frau lieben sich und ihr Zusammenleben funktioniert. Wobei Zusammenleben hier bedeutet, dass beide sich in klassische Rollenbilder einordnen. Eine gute Geschichte zur Verdeutlichung ist <i>Nightmare Merchant<\/i> aus <i>Strange Fantasy #7<\/i>.<\/p>\n<p>(Die komplette Geschichte k\u00f6nnen Sie mittlerweile <a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/lesewiese\/the-good\/nightmare-merchant\" target=\"_blank\">HIER <\/a>nachlesen)&#8230;<\/p>\n<p>Hier<strong> funktioniert das Zusammenleben von Mann und Frau, da sie sich klar ihren Rollen anpassen<\/strong>: Der Mann geht arbeiten und die Frau k\u00fcmmert sich um den Haushalt. Jeder hat seinen Zust\u00e4ndigkeitsbereich. Es ist dar\u00fcber hinaus interessant, dass obwohl die beiden sich gut verstehen und die Ehe in sich funktioniert, sie von der Gefahr nicht verschont bleiben: Der Mann hat Herzprobleme und schwebt daher in permanenter Gefahr. Dar\u00fcber hinaus taucht im Verlauf der Geschichte eine b\u00f6se Macht auf, welche die beiden schlie\u00dflich t\u00f6tet. Das Prinzip der Ehe scheint hier, obwohl es in sich funktioniert, einer andauernden Bedrohung ausgesetzt zu sein.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Merchant.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5031\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Merchant.jpg\" alt=\"Merchant\" width=\"900\" height=\"878\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Merchant.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Merchant-300x292.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Merchant-624x608.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>Auch sonst scheitern Ehen in den Horrorcomics ersch\u00fctternd oft. Um das n\u00e4her erl\u00e4utern zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen vorerst die Rollenbilder analysiert werden.<\/p>\n<p>Betrachten wir zun\u00e4chst die M\u00e4nner. <strong>Der normale Mann als Mitglied der Gesellschaft hat bestimmte Klischees in den Comics zu erf\u00fcllen.<\/strong> Nicht zu verwechseln mit anderen Horrorcomic-Stereotypen wie K\u00fcnstlern oder wahnsinnigen Wissenschaftlern, diese geh\u00f6ren in andere Schubladen. Hier geht es vorerst nur um die Darstellung des durchschnittlichen Mannes, der in Horrorcomics anzutreffen ist.<\/p>\n<p>M\u00e4nner sind meist gutaussehend und simpel gestrickt. Sie sind Mitglieder der Gesellschaft und wollen in dieser aufsteigen. Eines ihrer Hauptziele ist Reichtum. Doch beschr\u00e4nkt es sich nicht darauf, M\u00e4nner in 50er Jahren Horrorcomics <strong>ben\u00f6tigen auch stets Statussymbole,<\/strong> um die Best\u00e4tigung der Gesellschaft zu erlangen. Dazu geh\u00f6ren Dinge wie teure Autos und gro\u00dfe H\u00e4user, welche ihren Status nach au\u00dfen demonstrieren. Auch eine h\u00fcbsche Frau wird aus Perspektive des durchschnittlichen Mannes mehr als Objekt betrachtet, das man vorf\u00fchren kann, weniger als Lebewesen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist es f\u00fcr den Mann stets wichtig, St\u00e4rke und M\u00e4nnlichkeit zu beweisen. Er ist dominant und will immer der Beste sein. Durch sein Streben nach Dominanz, Geld und Macht \u00fcbt er in den Comics eine starke Anziehung auf Frauen aus. Allerdings sp\u00fcrt er keine Liebe und kennt keine Skrupel, was auch der Hauptunterschied zu jenen M\u00e4nnern mit funktionierenden Ehen ist. Diese Ehepartner k\u00f6nnen es sich noch leisten, R\u00fccksicht aufeinander nehmen. <strong>Der normale Mann jedoch denkt in erster Linie an sich selbst und ist im Notfall auch bereit, \u00fcber Leichen zu gehen.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schurke.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5032\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schurke.jpg\" alt=\"Schurke\" width=\"800\" height=\"359\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schurke.jpg 800w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schurke-300x134.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schurke-624x280.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a>Der Mann ist der <strong>Standardschurke<\/strong> in diesen Heften. Er ist eindeutig ein Produkt\u00a0 der nihilistischen und grausamen Welt, in der diese Comics spielen. Sein einziges wahres Interesse ist er selbst. Bezieht man dies auf Sexualit\u00e4t und Partnerschaft, so scheint er durch seinen Verlust von Moral auch nicht mehr in der Lage zu sein, eine funktionierende Beziehung zu f\u00fchren.<br \/>\nSomit hat hier <strong>der Verfall der Gesellschaft auch \u00fcber die Liebe triumphiert.<\/strong> Und betrachtet man, wie viele Geschichten von kaputten Ehen erz\u00e4hlen, so scheint es, als k\u00f6nnt man von einem klaren Sieg sprechen.<\/p>\n<p>Genauso oft wie M\u00e4nner sind die Frauen jedoch auch der Grund f\u00fcr das Scheitern einer Ehe. Hierf\u00fcr gibt es in den Comics zwei m\u00f6gliche Gr\u00fcnde: Entweder, weil die Frauen genauso wie die M\u00e4nner vom moralischen Verfall betroffen sind oder, weil von der Weiblichkeit an sich eine Gefahr auszugehen scheint.<\/p>\n<p>Die erste Ursache liegt ist in der Tatsache verwurzelt, dass die Horrorcomics der 50er Jahre in einer von Moral befreiten Gesellschaft spielen. Demzufolge sind die Menschen auch nicht mehr gezwungen, R\u00fccksicht aufeinander zu nehmen. Wenn nun also Mann und Frau zusammenleben, ohne auf den jeweils anderen einzugehen und nur an sich selbst denken, ist es logisch, dass das Zusammenleben der beiden nicht funktioniert.<br \/>\nDies zeigt sich in den Frauenfiguren der Comics in verschiedenen Auspr\u00e4gungen: Somit k\u00f6nnen Frauen entweder einfach nur nervig sein, Aff\u00e4ren haben oder sogar Mordkomplotte schmieden. Und nat\u00fcrlich sind sie meistens auch genauso r\u00fccksichtslos gierig wie die meisten M\u00e4nner.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Monsterfrau.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5034\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Monsterfrau.jpg\" alt=\"Monsterfrau\" width=\"420\" height=\"635\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Monsterfrau.jpg 700w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Monsterfrau-198x300.jpg 198w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Monsterfrau-676x1024.jpg 676w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Monsterfrau-624x944.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a>So finden sich in den Horrorheften auch einige Geschichten, welche den eigentlichen Horroraspekt stark vernachl\u00e4ssigen und sich vielmehr darauf konzentrieren, <strong>das Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau in offensichtlich \u00fcberzogener Art und Weise zu portr\u00e4tieren<\/strong>.<br \/>\nOftmals wird die Frau als derart herrschs\u00fcchtig und nervt\u00f6tend dargestellt, dass der sich meist anschlie\u00dfende Mord im Comic fast nachvollziehbar wirkt.<br \/>\nAm deutlichsten ausgedr\u00fcckt wird dies wohl durch eine Seite aus der Geschichte <i>Pest Control<\/i> aus <i>Black Cat Mystery #48<\/i>. Hier will die Frau ihren Mann, der Kammerj\u00e4ger ist, \u00fcberzeugen seinen Job zu wechseln, da sie ihn f\u00fcr peinlich h\u00e4lt. Das Bild stellt dies eindeutig dar.<br \/>\nMan beachte auch die nicht gerade typisch weibliche, androgyne Frisur der Frau.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist diese Darstellung nicht sonderlich subtil, aber sie verdeutlicht sehr eindringlich, welche Ausma\u00dfe der <strong>Machtkampf in der Ehe<\/strong> annehmen kann. Es ist vielleicht noch interessant zu wissen, dass der Mann am Ende der Geschichte dem Wunsch seiner Frau nachkommt und den Beruf wechselt: Er wird stattdessen Auftragskiller und sein erstes Opfer ist nat\u00fcrlich&#8230;seine Frau.<\/p>\n<p>Einige dieser Geschichten fixieren sich nicht auf die Frau als Bedrohung, sondern stellen beide Ehepartner als gleich \u00fcberzeichnet dar. Siehe hierzu z.B. <i>Family Mixup<\/i> aus <i>The Thing #15<\/i>. Hier wird eine Ehe gezeigt, in der <strong>Mann und Frau sich hassen und Mordpl\u00e4ne f\u00fcr den jeweils anderen schmieden.<\/strong><\/p>\n<p>Hier ist das Ende vom Lied, dass sich die beiden mit ihren Todesfallen gegenseitig umbringen. Das negative Bild von Ehe, welches in diesen Comics demonstriert wird, wird hier besonders deutlich.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Mordpl\u00e4ne2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7504\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Mordpl\u00e4ne2.jpg\" alt=\"Mordpl\u00e4ne2\" width=\"400\" height=\"354\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Mordpl\u00e4ne2.jpg 700w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Mordpl\u00e4ne2-300x265.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Mordpl\u00e4ne2-624x552.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>H\u00e4ufiger vertreten in den Comics sind jedoch verheiratete Frauen, die Aff\u00e4ren haben. Oftmals f\u00fchren diese <strong>Dreiecksbeziehungen<\/strong> auch zur Ermordung des st\u00f6renden Ehemannes. Obwohl an diesen Aff\u00e4ren immer logischerweise auch zwei M\u00e4nner beteiligt sind, werden die Frauen zumeist als Schuldige dargestellt, egal ob direkt oder indirekt. So verf\u00fchren sie entweder den Mann oder von ihnen geht eine starke Anziehung aus, die alles ins Rollen bringt.<\/p>\n<p><strong>Nicht die Frauen sind hier zwangsl\u00e4ufig niedertr\u00e4chtig und b\u00f6se, die Gesellschaft ist es.<\/strong> Somit betr\u00fcgen und intrigieren sie nicht, weil sie Frauen sind, sondern weil sie Menschen sind und sich nun mal an keine Regeln halten (in diesen Comics jedenfalls nicht). Das ist der Hauptgrund, warum das Zusammenleben von Mann und Frau oft nicht funktioniert.<br \/>\nDie stets mitschwingende sexuelle Komponente ist hierbei jedoch kein zentraler Aspekt, da es hier weniger um Sexualit\u00e4t und mehr um den Mangel von Moral und Treue geht. Daf\u00fcr wird diese aber im zweiten Punkt umso wichtiger:<\/p>\n<p>So scheint in einigen Geschichten oftmals eine <strong>Gefahr von Frauen auszugehen, die eindeutig mit ihrer Weiblichkeit verbunden ist und somit nur geschlechtsspezifisch auftritt.<\/strong> In diesen Comics scheint die Sexualit\u00e4t der Frau selbst zur Bedrohung zu werden. Man findet immer wieder Geschichten \u00fcber Frauen, die Unabh\u00e4ngigkeit, bzw. Emanzipation suchen und gem\u00e4\u00df den Regeln dieser Comics dabei \u00fcber Leichen gehen.<\/p>\n<p>So finden wir in <i>The Dead Are Never Lonely<\/i> (ver\u00f6ffentlicht in <i>Baffling Mysteries #14<\/i>) eine junge Frau, die ihren reichen Mann verlassen will, um in Hollywood Karriere zu machen. Sie scheint klar auf der Suche nach Eigenst\u00e4ndigkeit zu sein und sieht M\u00e4nner nur als Werkzeug an.<br \/>\nDaraufhin bringt ihr Mann sie um, doch die Frau kehrt zur\u00fcck von den Toten und macht sich auf nach Hollywood. Ihr Mann ist inzwischen auch tot, da er mit der Schuld nicht leben konnte, doch der Frau geht es nicht viel besser. Da sie eigentlich bereits tot ist, beginnt sie langsam zu altern und zu verfaulen, sodass sie sich am Ende entschlie\u00dft, ihre Tr\u00e4ume aufzugeben und in das Reich der Toten eintritt. Und das, obwohl sie wei\u00df, dass sie dann auch mit all den anderen M\u00e4nnern konfrontiert werden wird, welche sie im Verlauf ihres Lebens in den Selbstmord trieb.<br \/>\nIm Jenseits wird sie jedoch wieder mit ihrem Mann vom Anfang der Geschichte vereinigt und sie entdecken ihre Liebe wieder, wodurch die Frau auch von der Rache ihrer anderen M\u00e4nner verschont bleibt. <strong>Somit haben sind die beiden am Ende im Jenseits vereinigt, und der einzige wahre Sieger ist der Tod.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Hollymord.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5036\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Hollymord.jpg\" alt=\"Hollymord\" width=\"860\" height=\"889\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Hollymord.jpg 860w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Hollymord-290x300.jpg 290w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Hollymord-624x645.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 860px) 100vw, 860px\" \/><\/a>Obgleich diese Geschichte sehr wendungsreich und schwer einzuordnen ist, so pr\u00e4sentiert sie letzten Endes dennoch eine einfache Moral: <strong>W\u00e4re die Frau beim Mann geblieben und h\u00e4tte eine normale Ehe gef\u00fchrt, so h\u00e4tte es keine Probleme gegeben.<\/strong> Es scheint so, als seien Mann und Frau sogar daf\u00fcr bestimmt, diese Verbindung einzugehen, da sie erst am Ende der Geschichte durch diese Verbindung tats\u00e4chlich erl\u00f6st werden. Auch der Textkasten im drittletzten Bild deutet darauf hin:<\/p>\n<p>&#8222;<i>In the world of the dead you will both learn the lessons you did not learn in life&#8211;but you will learn them together&#8211;and when you have learned them, perhaps you will earn peace.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Offensichtlich hat hier die Frau mit ihrem <strong>Drang nach Selbstst\u00e4ndigkeit<\/strong> den Frieden zerst\u00f6rt und alle ins Ungl\u00fcck gerissen. Deswegen muss sie nun im Jenseits lernen, dass dies falsch war. Somit spricht sich auch diese Geschichte klar f\u00fcr die Geschlechterrollen aus.<\/p>\n<p>Eine Steigerung finden wir in der Geschichte <i>Snakes Alive! <\/i>aus<i> Baffling Mysteries #15<\/i>: Hier geht es um eine Frau, die sich durch Magie in eine Schlange verwandeln kann. Ihre Eigenst\u00e4ndigkeit demonstriert sie durch willk\u00fcrliche Morde. Abgesehen davon, dass die Schlangenthematik der Geschichte einen exotischen Touch gibt, kann man die Handlung auch als <strong>Parabel<\/strong> verstehen, <strong>die vor vermeintlichen Gefahren der Weiblichkeit warnen soll<\/strong>. Dies f\u00e4llt besonders auf, da die Frau sehr attraktiv ist und Menschen klar manipuliert, wodurch sie den M\u00e4nnern \u00fcberlegen scheint.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Pythoness.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5037\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Pythoness.jpg\" alt=\"Pythoness\" width=\"900\" height=\"451\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Pythoness.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Pythoness-300x150.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Pythoness-624x312.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>Das jedoch auff\u00e4lligste an dieser Geschichte ist zweifellos die Tatsache, dass die b\u00f6se Schlangenfrau am Ende erst den eigentlichen, m\u00e4nnlichen, Helden der Geschichte t\u00f6tet und danach schlie\u00dflich auch noch triumphiert und davonkommt. Man kann die Schlangenfrau oder &#8222;<i>Pythoness<\/i>&#8222;, wie sie im Comic genannt wird, als <strong>Metapher f\u00fcr die Angst vor starken Frauen und deren Bedrohung der M\u00e4nnlichkeit interpretieren<\/strong>.<br \/>\nBevor die &#8222;<i>Pythoness<\/i>&#8220; am Ende entkommt, landet sie noch bei einem m\u00e4nnlichen Psychiater, dem sie ihre gesamte Geschichte erz\u00e4hlt. Dieser glaubt ihr jedoch nicht, bis sie sich vor ihm verwandelt und ihn t\u00f6tet, was nochmal eine zus\u00e4tzliche ironische Pointe darstellt. Sozusagen als Hinweis darauf, dass die Gefahr l\u00e4ngst erkennbar sei, jedoch die Menschen trotzdem ihre Augen davor verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Derartige Geschichten sind jedoch bei weitem noch nicht der Gipfel\u00a0 der auf absurde Weise ge\u00e4u\u00dferten M\u00e4nner\u00e4ngste, die in diesen Comics zum Ausdruck gebracht werden. Eine noch eindeutigere Aussage hat <i>Partners in Horror <\/i>aus dem Heft<i> <\/i><i>Journey into Fear #20<\/i>. Hier geht es um einen Mann, der von einer Frau verfolgt wird, die nur er sehen kann. Bald wir klar, dass sie der Tod ist und gekommen ist, um ihn zu holen. Um seinem Ableben zu entgehen, willigt der Mann ein, sie zu heiraten.<\/p>\n<p>Doch mit der Zeit h\u00e4lt er es einfach nicht mehr aus, <strong>mit dem Tod verheiratet<\/strong> zu sein und versucht zu entkommen oder sich sogar letzten Endes umzubringen. Doch sie verhindert es jedes Mal. Durch nichts schafft er es,\u00a0 sie zu verlassen. Am Ende verk\u00fcndet sie, dass sie ihn noch lange leben lassen wird und sie noch viel gemeinsame Zeit haben werden. In seiner unglaublichen Verzweiflung verliert der Mann schlussendlich den Verstand.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Todeskuss.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5038\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Todeskuss.jpg\" alt=\"Todeskuss\" width=\"360\" height=\"362\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Todeskuss.jpg 600w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Todeskuss-150x150.jpg 150w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Todeskuss-298x300.jpg 298w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a>(unter <a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/lesewiese\/the-good\/partners-in-horror\" target=\"_blank\">DIESEM <\/a>Link k\u00f6nnen Sie die ganze Geschichte einsehen)<\/p>\n<p>Nicht allzu oft sieht man Horrorcomics der 50er Jahre, in der eine Figur durch etwas anderes bestraft wird als durch den Tod. Hier scheint noch nicht einmal die Tatsache ausschlaggebend zu ein, dass seine Frau der Tod ist, sondern vielmehr, dass die Frau <strong>die absolute Kontrolle \u00fcber die Beziehung<\/strong> hat und sehr dominant gegen\u00fcber dem Mann ist. Neben dem morbiden Horroraspekt finden wir hier also eine weitere m\u00e4nnliche Alptraumphantasie \u00fcber den Verlust von Kontrolle und M\u00e4nnlichkeit.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel ist <i>Vampires? <\/i><i>Don&#8217;t make me laugh!<\/i> aus <i>The Clutching Hand #1<\/i>. In dieser Geschichte geht es im Kern nur um eine junge Vampirin, die durch nichts zu besiegen ist und deren Blutdurst sie immer wieder die Kontrolle \u00fcber sich verlieren l\u00e4sst. Dabei ist diese Geschichte so mit sexuellen Untert\u00f6nen angereichert, dass man den Vampirismus auch als Metapher f\u00fcr die entfesselte, nicht zu b\u00e4ndigende Sexualit\u00e4t der Frau deuten kann.<\/p>\n<p>Die wohl absolute <strong>Kr\u00f6nung des Subgenres &#8222;B\u00f6se Frauen&#8220;<\/strong> finden wir in <i>Susan and the Devil (<\/i>ver\u00f6ffentlicht in<i> <\/i><i>Crime Mysteries #9<\/i>). Diese Geschichte handelt von einer gutaussehenden und komplett gewissenlosen b\u00f6sartigen Frau. Ihr gesamtes Leben lang manipuliert sie M\u00e4nner zu ihrem Vorteil und begeht schlie\u00dflich sogar einen Mord.<br \/>\nSie kommt immer davon. Doch irgendwann t\u00f6tet einer ihrer ehemaligen Liebhaber sie aus Rache. Sie landet daraufhin in der H\u00f6lle und macht sich keine Sorgen, da der Teufel ja auch nur ein Mann ist. Doch da kommt die \u00fcberraschende Wendung: <strong>Der Teufel ist eine Frau!<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich trifft hier auch die M\u00e4nner eine Mitschuld, da sie so leicht beeinflussbar sind. Dennoch geht die Gefahr eindeutig von der gewissenlosen Hauptfigur aus. Und wohl kaum ein Bild aus der Comicgeschichte symbolisiert so eindeutig Angst vor Frauen wie das Schlusspanel aus <i>Susan and the Devil<\/i>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Teufelsweib.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5039\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Teufelsweib.jpg\" alt=\"Teufelsweib\" width=\"900\" height=\"444\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Teufelsweib.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Teufelsweib-300x148.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Teufelsweib-624x307.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>Die Horrorcomics der 50er Jahre dokumentieren eine Vielzahl von psychosexuellen St\u00f6rungen und Komplexen, welche auf eine unterdr\u00fcckte Sexualit\u00e4t zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Somit dienten die Horrorcomics auch als Ventil f\u00fcr durch Unterdr\u00fcckung aufgestaute sexuelle Energie.<br \/>\nHinzu kamen noch andere gesellschaftliche Themen wie die <strong>heraufd\u00e4mmernde Emanzipation<\/strong> und der damit in Verbindung stehende Kastrationskomplex vieler Menschen. All dies f\u00fchrte dazu, dass subversive sexuelle Bilder ihren Weg in die Comics fanden.<br \/>\nBilder, die gegen jegliche gesellschaftliche Normen rebellierten und alle Grenzen des guten Geschmacks hinter sich lie\u00dfen. Damit zeigten sie die Psychosen der amerikanischen Gesellschaft in den 50er Jahren auf, was einmal mehr best\u00e4tigt, dass diese Comics wichtige Zeitdokumente darstellen und vielleicht auch erkl\u00e4rt, warum so viele Menschen \u00fcber diese Comics emp\u00f6rt waren: <strong>Manch ein Amerikaner hat wahrscheinlich sich selbst in ihnen wiederentdeckt.<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center\"><b>Kapitel 3: Die Horrorcomics als Katharsis des Krieges<\/b><\/h3>\n<p>Das Amerika der 50er Jahre war gezeichnet von zwei Kriegen, dem zweiten Weltkrieg, der 1945 ein Ende fand, und dem Koreakrieg, der 1950 begann und bis 1953 andauern sollte. Insbesondere der letztere besch\u00e4ftigte die Menschen in dieser Zeit. Auch hier ist ein eindeutiger Einfluss in den Horrorcomics zu bemerken, welcher in diesem Kapitel n\u00e4her erl\u00e4utert werden soll. Jetzt stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, wie dieser im Detail aussah, zumal es vor allem gleichzeitig richtige Kriegscomics gab, welche eigentlich wie geschaffen f\u00fcr die Materie sein sollten.<\/p>\n<p>Hier m\u00fcssen noch einmal ganz klar die Unterschiede zwischen Horror- und Kriegscomics festgehalten werden: <strong>Krieg war ein festes Comicgenre, welches es bereits seit den 40er Jahren gab und haupts\u00e4chlich Propagandazwecke erf\u00fcllte.<\/strong> Sie stellten in ihren Geschichten den angeblichen Kriegsalltag dar und glorifizierten ihn mal mehr oder weniger. Dabei zeigten die Charaktere schlichte Emotionen wie Freude, Trauer und Hass.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Kriegspropaganda.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5041\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Kriegspropaganda.jpg\" alt=\"Kriegspropaganda\" width=\"950\" height=\"612\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Kriegspropaganda.jpg 950w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Kriegspropaganda-300x193.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Kriegspropaganda-624x401.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><\/a>Tiefere Psychologie oder Denkanst\u00f6\u00dfe, welche \u00fcber die Seitenzahl hinausgingen, insbesondere bez\u00fcglich der Folgen der Kriegserlebnisse nach der Heimkehr, finden sich hier nicht. Ein Gro\u00dfteil dieser Comics entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als oberfl\u00e4chlich. Nicht, dass die Horrorcomics sich als tiefenpsychologische Abhandlungen oder Charakterstudien verstanden, dennoch gingen sie anders mit diesem Thema um. Der essenzielle Unterschied zwischen den beiden Genres ist, dass sich die Kriegscomics im Allgemeinen <strong>nicht mit den Traumata und Emotionen der Kriegsheimkehrer<\/strong> befassten.<\/p>\n<p>Bei der Lekt\u00fcre bekommt der Leser oftmals das Gef\u00fchl, dass noch etwas zu fehlen scheint. Man betrachte hierzu einmal das Cover von <i>Horrific #3<\/i>, gezeichnet von Don Heck.<\/p>\n<p>Zugegeben, dabei handelt es sich um einen Horrortitel, doch Jim Trombetta entdeckte, dass der Kopf des Mannes eigentlich eine <strong>Vergr\u00f6\u00dferung vom Kopf des toten Soldaten von<\/strong> <i>War Fury #1 <\/i>ist.\u00a0 Wodurch es einerseits als Kriegscover gesehen werden kann, andererseits noch einmal verdeutlicht, dass die Grenzen zwischen diesen Genres flie\u00dfend sind. Jim Trombetta bemerkte zur Darstellung auf dem Cover: &#8222;<i>Heck&#8217;s portrait opens a mirror into not exactly an inner life but an inner dying, one that never reaches death.<\/i>&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Horrific3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5042\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Horrific3.jpg\" alt=\"Horrific#3\" width=\"350\" height=\"518\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Horrific3.jpg 500w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Horrific3-202x300.jpg 202w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Der Soldat auf dem Cover scheint <strong>weder lebendig noch tot zu<\/strong> sein, sondern dazwischen festgehalten. Die aufgerissenen Augen und der Mund deuten auf einen anhaltenden Schock hin, eine <strong>niemals endende Angststarre<\/strong>. Doch was genau hat er gesehen und vor allem: Wie hat dieses Erlebnis seine Wahrnehmung beeinflusst und ihn ver\u00e4ndert (ehe er verstarb)?<\/p>\n<p>Diese schwer fassbaren Empfindungen finden wir in den Kriegscomics nicht. Die Kriegscomics zeigen uns mehr oder weniger nur, was ihm wiederfahren ist, nicht <strong>was das mit ihm gemacht hat.<\/strong><br \/>\nWenn wir nun tats\u00e4chlich wissen wollen, was er anstarrt, seine Wahrnehmung auf h\u00f6herer Ebene nachvollziehen wollen, m\u00fcssen wir einen Horrorcomic aufschlagen. Diese gehen \u00fcber\u00a0 die der reinen Darstellung des Erlebten hinaus und zeigen, <strong>welche Folgen der Krieg auf den menschlichen Geist<\/strong> hat: den wahren Horror. Zu diesem Schluss kommt auch Jim Trombetta:<\/p>\n<p>&#8222;<i>One function that horror comics served during the Korean War era was to portray the experiences that war comics were too delicate to show. [&#8230;]The mainstream war comics [&#8230;] attempted to provide an inoculation or escape from a horror that was all too real.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Somit waren die Horrorcomics eine Art <strong>Ventil<\/strong> um die Dinge auszudr\u00fccken, die sonst keinen Platz fanden. Durch die Thematik der Comics boten diese den Zeichnern und Autoren die M\u00f6glichkeit, ihre dunklen inneren Gedanken und Gef\u00fchle zu verarbeiten, lediglich verschl\u00fcsselt und im Horrorgewand. So stellten diese Comics<strong> nicht den Krieg an sich dar, sondern dessen Auswirkungen auf das Innenleben der Menschen.<\/strong><br \/>\nDie Horrorcomics stellen somit eine Katharsis des Krieges dar. Sie boten die M\u00f6glichkeit, Dinge darzustellen, die Kriegscomics nicht zeigen durften. Diese Themen konnten jedoch nur in abstrakter Form dargestellt werden, da sonst mit Zensuren durch McCarthy o.\u00e4. zu rechnen war.<\/p>\n<p>Im ersten Moment wirkt diese These eventuell haltlos. Doch scheint die Interpretation der Horrorcomics als abstrakte Darstellung des Innenlebens der Kriegsheimkehrer schl\u00fcssig, angesichts der teilweise doch sehr seltsamen und d\u00fcsteren, fast surrealen Geschichten, welche sich in diesen Heften finden. Die<strong> Kriegserlebnisse g\u00e4ren unausgesprochen unter der Oberfl\u00e4che dieser Comics<\/strong> und k\u00f6nnen lediglich indirekt thematisiert werden. Dinge, auf welche die Comics nur hindeuten, sie aber nicht direkt behandeln oder aussprechen k\u00f6nnen. Somit w\u00e4re es auch nachvollziehbarer, warum Zeichner Comics wie die folgenden anfertigen: Wenn ein Mensch etwas erlebt hat, das alles \u00fcbertraf und ver\u00e4nderte, was er bisher kannte, braucht es auch neuartige besondere Bilder um diese Empfindungen auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Warfury.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5043\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Warfury.jpg\" alt=\"Warfury\" width=\"350\" height=\"521\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Warfury.jpg 500w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Warfury-201x300.jpg 201w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Zun\u00e4chst muss man sich einiger Zahlen bewusst werden: Allein im Koreakrieg wurden 38.000 Amerikaner get\u00f6tet, etwa doppelt so viele verwundet. Es ist erwiesen, dass Kriegserlebnisse zu <strong>posttraumatischen Belastungsst\u00f6rungen<\/strong> f\u00fchren k\u00f6nnen. Doch was ist das eigentlich? Eine <strong>PTBS<\/strong> ist eine psychische Erkrankung, die auftreten kann, wenn ein Mensch einer au\u00dfergew\u00f6hnlich starken Belastung oder Bedrohung ausgesetzt war, wobei gerade bei z.B. Soldaten dieses Risiko besonders hoch ist.<\/p>\n<p>Durch die traumatischen Gefechtserlebnisse leiden die Betroffenen an Schlaf- und Konzentrationsst\u00f6rungen, Alptr\u00e4umen sowie Depressionen. Hinzu kommen wiederkehrende Erinnerungsfragmente, Flashbacks, die das Ereignis, welches die posttraumatische Belastungsst\u00f6rung ausl\u00f6ste, wieder ins Bewusstsein rufen. Dies kann mitunter auch zu Halluzinationen f\u00fchren. Es kann zur <strong>Beeintr\u00e4chtigung der Lebenslust<\/strong> kommen und Betroffene neigen zu Wutausbr\u00fcchen, Entfremdung und Nervosit\u00e4t.<\/p>\n<p>Auch eine allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsver\u00e4nderung kann stattfinden. Studien mit Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg belegen, dass mindestens 15% von ihnen, tendenziell eher mehr, an PTBS litten. Hinzu kam noch, dass viele der Soldaten drogenabh\u00e4ngig waren, da ihnen auf dem Schlachtfeld unter anderem Amphetamine zur Leistungssteigerung verabreicht wurden. Somit hatten die Kriegsheimkehrer nicht nur mit der Gesellschaft, sondern vor allem auch mit sich selbst zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Stellt man sich nun einmal vor, dass eine Person mit diesen Problemen als Autor oder Zeichner in einem Comicverlag t\u00e4tig wird, verwundern die teilweise v\u00f6llig wahnsinnigen Geschichten nicht mehr ganz so sehr. Da es thematisch passte, war es f\u00fcr die Veteranen nur naheliegend, ihre <strong>Kriegsimpressionen<\/strong>, Tagtr\u00e4ume, Gef\u00fchle und Psychosen <strong>in Horrorcomics zu verarbeiten<\/strong>. Hierbei ist im Nachhinein nicht mehr zu entscheiden, ob es vielleicht als Ma\u00dfnahme zur Selbsttherapie gedacht war, oder ob es nur an der Ermangelung einer besseren Idee lag.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall sind viele Dinge, mit denen sich ein PTBS-Betroffener auseinandersetzen musste, in den 50er Jahren Horrorcomics wiederzuerkennen. <strong>Oftmals gehen sie jedoch im Horrorkontext unter.<\/strong> Dennoch sind diese Comics somit in gewisser Weise &#8222;ehrlicher&#8220; und &#8222;authentischer&#8220; als die Kriegscomics jener Zeit. Es lassen sich einige mehrfach vorkommende Handlungsmuster und Motive erkennen, welche man als Darstellung von posttraumatischen Belastungsst\u00f6rungen deuten kann.<\/p>\n<p>So findet sich einmal <strong>Todessehnsucht<\/strong> in den Horrorcomics. Es gibt eine Reihe von Geschichten, in denen Charaktere um jeden Preis sterben wollen, es ihnen aber nicht verg\u00f6nnt wird. Hier wird die Situation der <strong>Kriegsheimkehrer<\/strong> dargestellt. Diese konnten durch ihre psychischen Probleme, insbesondere der Entfremdung, kaum am normalen Leben teilhaben und f\u00fchlten sich somit in gewisser Weise <strong>innerlich tot<\/strong>: Durch ihre charakterlichen Ver\u00e4nderungen und psychische Labilit\u00e4t distanzierten sie sich ungewollt von ihren Mitmenschen, sie waren mit ihren Problemen alleine.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus stellte die Wiedereingliederung in die Gesellschaft eine zus\u00e4tzliche Belastung f\u00fcr die Menschen dar. Dadurch kann man das Leben als so unertr\u00e4glich empfinden, dass man ihm entfliehen will. <strong>Alles, selbst der Tod, scheint besser zu sein als das momentane Leben.<\/strong> Zu diesem Schluss kommen auch einige Figuren in den Horrorcomics dieser Zeit.<\/p>\n<p>So auch in der passend betitelten Geschichte <i>Doomed to Live <\/i>aus dem Heft<i> Strange Mysteries #6<\/i>. Hier geht es um einen H\u00e4ftling, der aus dem Gef\u00e4ngnis ausbricht und auf der Flucht schrecklich entstellt wird. Er versteckt sich in einem Haus auf dem Land, nachdem er dessen Besitzer umgebracht hat. Im weiteren Verlauf verzichtet die Geschichte fast vollkommen auf klassische Horrorelemente und portr\u00e4tiert stattdessen die<strong> wachsende Verzweiflung des Mannes<\/strong>. Durch sein nun deformiertes Gesicht und seine Einsamkeit verliert er nach und nach jeglichen Lebenswillen, bis er sich nur noch w\u00fcnscht, zu sterben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Lebensm\u00fcde2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7505\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Lebensm\u00fcde2.jpg\" alt=\"Lebensm\u00fcde2\" width=\"900\" height=\"415\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Lebensm\u00fcde2.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Lebensm\u00fcde2-300x138.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Lebensm\u00fcde2-768x354.jpg 768w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Lebensm\u00fcde2-624x288.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach einigen vergeblichen Versuchen wird er am Ende der Geschichte schlie\u00dflich erl\u00f6st. Heute ist nicht mehr nachzuweisen, woher der Autor dieses Comics seine Inspiration nahm. Doch es ist nicht abzustreiten, dass, wenn man die Kriegsfolgen bedenkt, dieser Comic wie ein <strong>Einblick in das Seelenlebens eines PTBS-Kranken<\/strong> wirkt. Es wurde lediglich mit einigen beliebigen Horrormotiven vermengt, um es als Geschichte auf dem Comicmarkt verkaufen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche, jedoch weitaus phantastischere Geschichte ist <i>The Man Who Could Not Die (<\/i>ver\u00f6ffentlicht in<i> Adventures Into Darkness #10)<\/i>. Hier geht es um einen \u00fcber 5.000 Jahre alten Pharao, der seinerzeit einen Pakt mit dem Tod schloss: Er lie\u00df seine Pyramide \u00fcber 10.000 Arbeitern einst\u00fcrzen und daf\u00fcr erlangte er Unsterblichkeit. Jedoch wird er weiterhin von den <strong>Schreien seiner Opfer verfolgt<\/strong> und will nun nur noch sterben, um diesen zu entkommen. So beauftragt er einen Killer, dies zu erledigen.<\/p>\n<p>Dieser scheitert jedoch im Verlauf der Geschichte, und der Pharao schlurft am Ende seinem ungewissen weiteren Schicksal entgegen. Hier finden sich zwar auch typische Horrorcomicmotive wie der Auftragskiller und das Streben nach ewigem Leben, doch wieder l\u00e4sst die Geschichte eine PTBS-Interpretation zu: Darauf deuten die Todessehnsucht, die Stimmen, die den Pharao verfolgen und die ausbleibende Erl\u00f6sung hin. <strong>Das Leben selbst scheint in diesem Comic zur schlimmsten Bestrafung geworden zu sein.<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Comic, der diese Thematik aufgreift, ist <i>The Scourge of the Undead <\/i>aus<i> The Beyond #18<\/i>. Hier geht es um einen Kriminellen, der zum Tode verurteilt wurde. Jedoch schlie\u00dft er mit einem seltsamen Mann einen Pakt, der ihm ewiges Leben verspricht. Dadurch \u00fcberlebt er seine Hinrichtung und beginnt wieder zu rauben und zu morden.<\/p>\n<p>Nach diesem formelhaften Start nimmt die Geschichte eine ungewohnte Wendung: Auch wenn der Mann nicht sterben kann, so beginnt sein K\u00f6rper dennoch zu verrotten und zu faulen. So wirkt er absto\u00dfend auf sein Umfeld und verliert\u00a0 allm\u00e4hlich seinen Lebenswillen. Am Ende der Geschichte st\u00fcrzt er sich auf einer M\u00fcllkippe in den <strong>Tod, welcher nun wie eine Erl\u00f6sung<\/strong> erscheint.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/M\u00fcllkippe2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7506\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/M\u00fcllkippe2.jpg\" alt=\"M\u00fcllkippe2\" width=\"900\" height=\"458\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/M\u00fcllkippe2.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/M\u00fcllkippe2-300x153.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/M\u00fcllkippe2-768x391.jpg 768w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/M\u00fcllkippe2-624x318.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>(Die ganze Geschichte finden Sie <a href=\"http:\/\/aces-of-ace.de\/stories\/the-scourge-of-the-undead\" target=\"_blank\">HIER<\/a>)<\/p>\n<p>In der w\u00fcsten Geschichte <i>Cycle of Horror<\/i> (aus <i>Chamber of Chills #16<\/i>) geht es um zwei Gangster, welche sich nach einem Raubmord in einem abgelegenen Haus verstecken. Es entbrennt ein Streit um die Beute. Vantucci ersticht seinen Partner, dieser schie\u00dft ihm jedoch noch eine Kugel in den Bauch. Danach zieht der Angeschossene seinen toten Partner aus und legt die Leiche aufs Bett, damit sich die Ratten um ihn k\u00fcmmern.<br \/>\nEr flieht und macht sich auf die Suche nach einem Bett f\u00fcr die Nacht. Erst geht er in ein Hotel. Als Vantucci jedoch sein Zimmer betritt, liegt die Leiche seines Partners im Bett. Er flieht und sucht eine andere Unterkunft. Doch dort erwartet ihn wieder der Leichnam. Er flieht erneut. Beim dritten Mal erhebt sich die Leiche und erkl\u00e4rt Vantucci, dass er am Anfang durch die Kugel get\u00f6tet wurde und sich nunmehr <strong>in der H\u00f6lle befindet, wo er auf ewig diese Szene wieder und wieder durchleben muss.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Horrorzyklus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5046\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Horrorzyklus.jpg\" alt=\"Horrorzyklus\" width=\"900\" height=\"538\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Horrorzyklus.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Horrorzyklus-300x179.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Horrorzyklus-624x373.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>In <i>Cycle of Horror<\/i> finden wir nicht nur das oft verwendete Motiv der Verfolgung durch etwas \u00dcbernat\u00fcrliches: eine fast schon kafkaeske Situation, aus der es kein Entkommen gibt.<br \/>\nAuch die Schlusswendung, dass der Protagonist die ganze Zeit bereits tot ist, findet h\u00e4ufig Verwendung. Beides kann, wie zuvor erkl\u00e4rt, als Metapher f\u00fcr eine PTBS gedeutet werden. Die albtraumartige Qualit\u00e4t dieser Geschichte stellt keine Seltenheit dar bzw. entspricht sogar dem Stil und der Atmosph\u00e4re vieler Horrorcomics der 50er Jahre: Das Unterbewusstsein, Wahnsinn und der \u00dcbergang von Traum zu Realit\u00e4t werden oft thematisiert.<\/p>\n<p>In vielen der Comics wurde auch das infrage gestellt, was wir als real annehmen und surreale Elemente werden eingeflochten. Auch in <i>Cycle of Horror<\/i> ist <strong>keine klare Grenze zwischen Realit\u00e4t und Jenseits<\/strong> zu erkennen, die \u00dcberg\u00e4nge sind flie\u00dfend. Wir sind also beim Lesen dieser Geschichten auch gezwungen, uns in gewisser Weise mit dem Unterbewusstsein des Autors auseinander zu setzen. Die komplette Geschichte erscheint unter <a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/lesewiese\/the-ugly\/cycle-of-horror\" target=\"_blank\">DIESEM <\/a>Link.<\/p>\n<p>Das Unterbewusstsein und die Einbildungskraft sind also ebenfalls zentrale Themen in den Horrorcomics der 50er Jahre. Seitdem sie so starken Schaden durch die Kriege genommen haben, scheint in ihnen ebenfalls ein gro\u00dfes Gefahrenpotenzial zu lauern. Auch dass viele der Veteranen<strong> Probleme mit ihrem sozialen Umfeld<\/strong> hatten, sich entfremdeten und von ihren Mitmenschen abgewiesen wurden, zieht sich als Teil der Grundstimmung durch einen Gro\u00dfteil der Horrorcomics der 50er Jahre.<\/p>\n<p>Hier wird auch die allgemeine Depression der Menschen sp\u00fcrbar: In den Comics gibt es praktisch keine Hoffnung, Happy-Ends sind eher die Ausnahme als die Regel. Auch der f\u00fcr die damalige Zeit sehr hohe Grad der Gewaltdarstellung in den Horrorheften l\u00e4sst sich nur mit den traumatischen und vor allem brutalen Kriegserlebnissen der Zeichner erkl\u00e4ren. <strong>Noch nie zuvor wurde dieser grafische Gewaltgrad in irgendeinem Medium erreicht.<\/strong> Der erste Splatterfilm der Filmgeschichte, Herschell Gordon Lewis&#8216; <i>Blood Feast<\/i> sollte erst 1963 erscheinen.<\/p>\n<p>Zwar pr\u00e4sentierten Hefte wie <i>Crime Does Not Pay<\/i> bereits seit den 40ern zynische und grausame Geschichten mit hohem Gewaltgrad, jedoch ohne derartige drastische \u201eSplatterszenen\u201c. In der Comiclandschaft vor den Horrorcomics der 50er Jahren gab es derartige Szenen nicht oder zumindest nicht in diesem Ausma\u00df. Es muss also etwas vorgefallen sein, das derartige Bilder in das Bewusstsein der Menschen brachte, sodass diese sich sp\u00e4ter in den Comics wiederfanden.<\/p>\n<p>Es ist daher nur naheliegend, den enormen Gewaltgrad auf die Kriege zur\u00fcckzuf\u00fchren. Hier \u00e4ndert sich der Bezugsrahmen der Handlungen der Soldaten, und die Geschehnisse werden anders wahrgenommen als unter normalen Umst\u00e4nden. Soldaten scheinen sich schnell an die neuen Umst\u00e4nde im Krieg gew\u00f6hnt zu haben und sahen sie bald als Job oder sogar als Spa\u00dferlebnis an. Es gilt sogar als erwiesen, dass Soldaten w\u00e4hrend Feuergefechten Erektionen bekommen konnten. Hinzu kam, dass w\u00e4hrend der Ausbildung der Soldaten, die in den Koreakrieg ziehen sollten, ganz gezielt auf eine Abwertung des Gegners hingearbeitet wurde.<\/p>\n<p>Das hatte zum Ziel, dass die Soldaten diesen nicht mehr als Mensch ansahen. Durch diese <strong>Abstumpfung<\/strong> wurden viele Dinge, die in einer normalen Gesellschaft dem Standard entsprachen, von den Soldaten \u00fcberwunden. Dazu geh\u00f6ren <strong>Moral<\/strong>, Respekt vor den Leichen der get\u00f6teten Gegner und schlicht und einfach <strong>Menschlichkeit<\/strong>. Wenn man nun diese emotionalen und psychologischen Ver\u00e4nderungen, die der Krieg in den Betroffenen ausl\u00f6ste, bedenkt, so sind die Gewaltszenen aus den Horrorcomics auch nicht sch\u00f6ner anzusehen. Aber es scheint nachvollziehbarer, wenn man wei\u00df, woher die <strong>Faszination f\u00fcr das Morbide<\/strong> in diesen Heften kommt.<\/p>\n<p>Neben diesen Versuchen, die abstrakten Gef\u00fchle des Unterbewusstseins zu verbildlichen, finden sich auch eindeutige Bilder in den Comics, welche auf Impressionen des Krieges zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schrumpflachen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5047\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schrumpflachen.jpg\" alt=\"Schrumpflachen\" width=\"360\" height=\"271\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schrumpflachen.jpg 450w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schrumpflachen-300x226.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a>Eines dieser h\u00e4ufig wiederkehrenden Bilder sind <strong>Schrumpfk\u00f6pfe<\/strong>. Sie sind Gegenstand unz\u00e4hliger Geschichten. Der Grund, warum sie bei Comicautoren so beliebt waren, liegt weniger in ihrer mystischen Hintergrundgeschichte und der rituellen Bedeutung f\u00fcr Amazonasv\u00f6lker, f\u00fcr die sie eigentlich stehen, sondern bei den konkreten Kriegserfahrungen der Amerikaner.<br \/>\n<strong>Amerikanische Soldaten betrieben im zweiten Weltkrieg eine regelrechte Kopfjagd,<\/strong> Unmengen an japanischen Sch\u00e4deln wurden ihren Besitzern abgetrennt und als Troph\u00e4en mit nach Hause gebracht. Auch andere makabere Andenken wie Brief\u00f6ffner aus Rippen o.\u00c4. wurden dokumentiert. Der scheinbar erste, thematisch \u00e4hnliche Fall im zweiten Weltkrieg war der KZ-Leiter Karl Otto Koch, welcher sich einen Briefbeschwerer aus einem Menschenkopf anfertigen lie\u00df.<br \/>\nNoch vor Ende des Krieges 1945 veranstaltete der britische Offizier Tom Harrisson auf Borneo mit amerikanischen Truppen und Unterst\u00fctzung durch die Eingeborenen tats\u00e4chliche Kopfjagden auf japanische Soldaten. Dabei dekorierte er auch gerne seinen Unterschlupf mit den Sch\u00e4deln get\u00f6teter Feinde.<\/p>\n<p>Bei diesen bestialischen Grausamkeiten ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Bild des Schrumpfkopfes in das kollektive Bewusstsein der Soldaten eingebrannt wurde. Beim Schreiben der Comics wurden diese Impressionen dann wieder aufgegriffen. Jedoch wurden sie <strong>mit einem Horrorkontext versehen<\/strong>, einerseits um sie dem Markt anzupassen, andererseits da es zu Zeiten des Kalten Krieges bzw. der allgemeinen Angst vor dem Kommunismus nicht erw\u00fcnscht war, derartige kritische Reflexionen des Kriegsgeschehens und damit Zweifel am Vorgehen der Amerikaner laut zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schrumpfgrauen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5048\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schrumpfgrauen.jpg\" alt=\"Schrumpfgrauen\" width=\"350\" height=\"286\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schrumpfgrauen.jpg 500w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schrumpfgrauen-300x245.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Viele der Soldaten sch\u00e4mten sich bald nach der Heimkehr f\u00fcr diese Souvenirs und versteckten sie, Reue oder Ekel stellten sich ein. Die K\u00f6pfe gerieten in Vergessenheit und wurden verdr\u00e4ngt.<br \/>\nDiese direkte oder indirekte Reue, das allm\u00e4hliche Bewusstwerden der Soldaten, was sie getan hatten, kann man auch aus den Horrorcomics herauslesen: An den Stellen, <strong>wenn Schrumpfk\u00f6pfe aktiv Rache begehen.<\/strong> Unz\u00e4hlige dieser Comics zeigen Szenen, in denen Menschen von Schrumpfk\u00f6pfen attackiert oder get\u00f6tet werden: Hier wollen die Schrumpfk\u00f6pfe immer Rache f\u00fcr ein Unrecht. Es ist also eindeutig ein <strong>Schuldbewusstsein<\/strong>, ein Zweifel an der Tat sowie unterbewusste Angst vor Vergeltung vorhanden. Somit sind die Schrumpfk\u00f6pfe sozusagen das Gewissen, das die Menschen darauf aufmerksam macht, dass sie einen Fehler gemacht haben. Nur dass es bereits zu sp\u00e4t ist, ihn wieder gutzumachen, wenn der Schrumpfkopf zuschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Somit hat der Schrumpfkopf in den Horrorcomics der 50er Jahre eine neue Bedeutung erhalten, er symbolisiert Vergeltung und <strong>Angst vor der Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit<\/strong>. Er fungiert nicht als tats\u00e4chlich b\u00f6sartige Bedrohung wie z.B. ein Werwolf oder Vampir, sondern vielmehr als eine h\u00f6here Macht, die, wenn auch h\u00e4ufig auf unn\u00f6tig grausamen und undiplomatischen Wegen, f\u00fcr Gerechtigkeit sorgt.<\/p>\n<p>Doch dies war noch nicht der gesamte Einfluss, den der Krieg auf die Gruselhefte hatte.<\/p>\n<p>Eine der Kreaturen, welche die 50er Jahre Horrorcomics pr\u00e4gte wie keine zweite, war der <strong>Zombie<\/strong>. Der Grund f\u00fcr die Popularit\u00e4t und dadurch implizierte Verankerung des Zombies im Bewusstsein der Gesellschaft liegt wieder im Krieg. Zwar gab es diese Figur schon lange zuvor, sie wurde jedoch mit bestimmten Hintergrundgedanken wieder aufgegriffen.<\/p>\n<p>So ist der Zombie einmal ein Todesbote, der in Anbetracht der Leichen auf dem Kriegsschlachtfeld, den Kriegserfahrungen und dem allgegenw\u00e4rtigen Tod genau dem Zeitgeist entsprach. Er steht also f\u00fcr die Konfrontation der Menschen mit dem Tod. Er erinnert aber gleichzeitig auch an die eigene Sterblichkeit, und daran, dass niemand vor dem Verfall sicher ist. <strong>Der Zombie stellt die paradoxe Verbindung bzw. Vereinigung von Leben und Tod dar.<\/strong><\/p>\n<p>Eine weitere Interpretation, die der Zombie zul\u00e4sst, ist die Angst vor dem <strong>Identit\u00e4tsverlust<\/strong>: Zombies haben keine Gef\u00fchle, keine Gedanken und ihre fr\u00fchere Identit\u00e4t oder Pers\u00f6nlichkeit ist nicht mehr feststellbar.<\/p>\n<p>Jetzt stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, welche Geschehnisse diese Angst hervorgerufen haben k\u00f6nnten. Jim Trombetta nennt einige konkrete <strong>Kriegsereignisse<\/strong>, die die damit in Verbindung gebracht werden k\u00f6nnen: Zum einen die <strong>&#8222;human-wave attacks&#8220;<\/strong> der Chinesen im Koreakrieg. Es handelt sich hierbei um einen offensiven Frontalangriff, bei dem der Gegner mit einer gro\u00dfen, dichten Menge an Soldaten (&#8222;Welle&#8220;), teilweise sogar unbewaffnet, ohne R\u00fccksicht auf Verluste attackiert. Diese Taktik war zwar wenig effektiv, hatte jedoch eine starke psychologische Wirkung.<\/p>\n<p>Ein anderes Ereignis war das <strong>Massaker von No Gun Ri<\/strong>. Hier fl\u00fcchteten ca. 400 s\u00fcdkoreanische Zivilisten vor nordkoreanischen Truppen in Richtung einer von amerikanischen Soldaten bewachten Grenze. Die Amerikaner er\u00f6ffneten das Feuer auf die Zivilisten, da sie unter ihnen nordkoreanische Agenten vermuteten. Das Massaker von No Gun Ri ging als eines der schlimmsten amerikanischen Kriegsverbrechen in die Geschichte ein.<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen, bei den &#8222;<i>human-wave attacks<\/i>&#8220; und beim Massaker von No Gun Ri, sahen sich Soldaten mit gro\u00dfen, vorr\u00fcckenden <strong>Menschenmassen<\/strong> konfrontiert, <strong>in denen es keine Individuen mehr gab<\/strong> und die Masse sich wie von einem kollektiven Bewusstsein gesteuert bewegte. Sp\u00e4testens wenn sich die Soldaten am Ende des Gefechts von Leichenbergen umringt sahen, dr\u00e4ngt sich der Gedanke einer Zombieinvasion auf: <strong>Umringt von Toten, die wie eine gewaltige Einheit wirken.<\/strong><br \/>\nHier gibt es keine Menschlichkeit und keine Gesellschaft mehr. Somit wurde der Zombie als Bedrohung etabliert, weil er durch sein v\u00f6llig unsoziales Verhalten und seine Entmenschlichung ein Gegenst\u00fcck zu Gesellschaft und Menschlichkeit darstellt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Darkness8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5049\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Darkness8.jpg\" alt=\"Darkness8\" width=\"360\" height=\"551\" \/><\/a>Es gibt noch einen letzten Aspekt des Zombieph\u00e4nomens, der wahrscheinlich auch der zentralste ist: In unz\u00e4hlige Geschichten aus 50er Jahre Horrorcomics <strong>kehren Zombies aus dem Grab zur\u00fcck und \u00fcberwinden somit den Tod.<\/strong> Hierbei sind sie meist <strong>auf der Suche nach Rache f\u00fcr ein erlittenes Unrecht.<\/strong> Dadurch sind sie in Geschichten und auf Covern zu einem regelrechten Symbol f\u00fcr Vergeltung geworden.<br \/>\nEs geht im Kontext mit Zombies also auch immer um Schuld und S\u00fchne. Betrachten wir z.B. das Cover von <i>Adventures into Darkness #8<\/i>.<\/p>\n<p>Abgesehen davon, dass dieses Cover k\u00fcnstlerisch nett gestaltet ist, f\u00e4llt eine Sache auf: Es ist nicht genau zu erkennen, wovor sich der Mann tats\u00e4chlich erschreckt.<br \/>\nSind es alle Zombies, oder vielmehr nur der vorderste Zombie, der dem Mann mit dem Finger andeutet zu kommen. Diese Wesen wirken nicht, als w\u00e4ren sie von b\u00f6sartiger Mordlust gepackt, sondern als k\u00e4men sie mit einem ganz bestimmten <strong>Hintergedanken<\/strong>. Zwar wirken sie ganz klar b\u00f6sartig, dennoch scheinen sie es genau auf den Mann im Vordergrund abgesehen zu haben. Und er scheint dies zu wissen: Er erschrickt weniger davor, dass die Toten sich erheben, sondern dass sich die <strong>Probleme, die er f\u00fcr begraben hielt,<\/strong> ebenfalls erheben.<\/p>\n<p>Zombies stehen somit f\u00fcr Dinge, die man loswerden will, aber nicht kann. F\u00fcr Dinge, die man vergessen will, die jedoch nicht vergessen werden wollen. Oftmals suchen sie in den Comics Rache an einer bestimmten Person, manchmal scheint ihre Wut einfach gegen alle Menschen gerichtet zu sein. <strong>Der Zombie kann nicht ruhen, solange das Unrecht, das ihm angetan wurde, nicht ges\u00fchnt ist.<\/strong><\/p>\n<p>Bedenkt man, wie selbstverst\u00e4ndlich Auferstehungen in Horrorcomics teilweise dargestellt werden, kommt man zu dem Schluss, dass diese Comicwelt voll von Schuld und S\u00fcnde ist. So voll von Schuld, dass Tote immer ausreichend Gr\u00fcnde haben, um zur\u00fcckzukehren. Der Zombie ist somit auch ein Zeichen daf\u00fcr, dass die <strong>Welt nicht mehr im Gleichgewicht<\/strong> ist.<\/p>\n<p>Bezieht man dies nun auf die realen Kriege der 50er Jahre, so kann man den Zombie-Gedanken eindeutig als Reaktion darauf deuten. Jim Trombetta fand den Interpretationsansatz, dass die Toten durch den sinnlosen Tod durch Kriege, Kriegsverbrechen, Konzentrationslager und Atombombenz\u00fcndungen von einer Art <strong>Neid auf die Lebenden<\/strong> erf\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>Die Katharsis dieser Ereignisse, welche f\u00fcr Vergeltung und einen Ausgleich sorgen k\u00f6nnte, w\u00e4re die Auferstehung der Toten. Dies w\u00e4re dann einen Angriff auf die gesamte Menschheit, der keine pers\u00f6nlichen Motive mehr enth\u00e4lt: &#8222;<i>Now it is not personal guilt but personal innocence that attracts the zombie&#8217;s vengeance.<\/i>&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Zombiegrab.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5050\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Zombiegrab.jpg\" alt=\"Zombiegrab\" width=\"900\" height=\"415\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Zombiegrab.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Zombiegrab-300x138.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Zombiegrab-624x287.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>Es scheinen die Toten des Krieges zu sein, denen Unrecht widerfahren ist und die Vergeltung verdient haben. In der realen Welt wirkt es, als w\u00fcrden sie diese Vergeltung nur selten bekommen (so \u00e4u\u00dferte sich die amerikanische Regierung offiziell zu dem Vorfall in No Gun Ri erst im Jahr 2001!). In den Comics wird damit der Wunsch nach klaren Verh\u00e4ltnissen und somit auch nach einem gerechten Krieg ge\u00e4u\u00dfert. Ein Versuch, mithilfe der Fiktion der Sinnlosigkeit des Krieges zu entkommen.<\/p>\n<p><strong>Der Zombie war in den Horrorcomics in den 50er Jahren so beliebt und popul\u00e4r, da er, wenn auch mit brachialen Mitteln, f\u00fcr Gerechtigkeit und Gleichgewicht in den Comics sorgte.<\/strong> Ein Wunsch, den die Realit\u00e4t zu diesem Zeitpunkt nicht erf\u00fcllen konnte. Der Zombie ist somit also eine Art Racheengel f\u00fcr die Toten des Krieges, die keine Ruhe finden.<\/p>\n<p>Eine weitere Impression des Krieges, welche in den Comics Verwendung fand, ist <strong>Gehirnw\u00e4sche<\/strong>. Das Wort Gehirnw\u00e4sche stammt vom englischen &#8222;<i>brainwashing<\/i>&#8222;, welches wiederum von den Chinesen im Koreakrieg gepr\u00e4gt wurde. Hierbei handelt es sich um eine Form psychischer Manipulation, die auf eine\u00a0 Ver\u00e4nderung der Pers\u00f6nlichkeit abzielt. Im Idealfall dient Gehirnw\u00e4sche dazu, einem Gegner die eigene Ideologie einzupflanzen und somit dazu zu bringen, die Seiten zu wechseln.<br \/>\nVersuche dieser Art sind von den Chinesen im Koreakrieg mit Erfolg an Gefangenen durchgef\u00fchrt worden: Etwa ein Drittel der amerikanischen Kriegsgefangenen waren geistig zu den Kommunisten \u00fcbergelaufen.<\/p>\n<p>Dies stellte nicht nur eine Bedrohung dar, sondern zeigte auch, dass die Ideologie der Amerikaner, die auch ihre Identit\u00e4t ausmachte, keineswegs unantastbar war. Somit war nun nicht nur ein Verlust des Lebens m\u00f6glich, sondern auch ein Verlust der Identit\u00e4t und der M\u00f6glichkeit, frei zu denken. <strong>Der Mensch war nun scheinbar nicht einmal mehr in seinen Gedanken sicher.<\/strong> Der Kampf der Ideologien, der in den 50ern begann und im Kalten Krieg noch lange weitergehen sollte, wurde hier bereits klar herausgestellt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/BrainBat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5051\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/BrainBat.jpg\" alt=\"BrainBat\" width=\"350\" height=\"340\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/BrainBat.jpg 500w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/BrainBat-300x291.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Auch in den Comics zeigte sich diese Angst vor dem Pers\u00f6nlichkeitsverlust. So unterst\u00fctzte sie einerseits die Popularit\u00e4t des Zombies und schuf jedoch auch gleichzeitig eine ganz neue Handlungspr\u00e4misse f\u00fcr die Comics.<br \/>\nSo finden wir Geschichten, in denen fremde Kreaturen, meist Au\u00dferirdische, <strong>den K\u00f6rper der Menschen \u00fcbernehmen oder ihren Geist beeinflussen<\/strong> und sie damit in eine andere Art Zombie verwandelten.<\/p>\n<p>Basil Wolverton war ein Zeichner, der sich auf derartige Thematiken spezialisiert hatte und teilweise wirklich beeindruckende Geschichten schuf. Zu diesen geh\u00f6rt auch <i>Brain-Bats of Venus (<\/i>ver\u00f6ffentlicht in<i> Mister Mystery #7<\/i>). Hier geht es um zwei Astronauten, die auf die titelgebenden <i>Brain-Bats<\/i> treffen, au\u00dferirdische Parasiten, die die K\u00f6rper anderer Lebewesen unter ihre Kontrolle bringen.<\/p>\n<p>Es ist hierbei auch bezeichnend f\u00fcr die Hoffnungslosigkeit der Menschen, dass am Ende der Geschichte der Held unterliegt und die B\u00f6sen gewinnen. Im Schlusspanel wird der Mann, der nun unter der Kontrolle eines Au\u00dferirdischen ist, sogar direkt <strong>als Zombie bezeichnet<\/strong>. Hier wird klar, wie sehr die Ereignisse des Krieges die Menschen gepr\u00e4gt haben: Die <i>Brain-Bats<\/i> stellen eine der eindeutigsten Metaphern f\u00fcr &#8222;<i>brainwashing<\/i>&#8220; in diesen Comics dar und verdeutlichen einmal mehr, dass die <strong>Horrorcomics die \u00c4ngste und Bef\u00fcrchtungen der amerikanischen Gesellschaft in den 50er Jahren in verschl\u00fcsselter Weise wiedergeben.<\/strong><\/p>\n<p>Das letzte Motiv aus den Comics, welches mit Krieg in Zusammenhang gebracht werden kann, um diesen Themenkomplex abzurunden, ist das sogenannte &#8222;<i>Injury-to-the-Eye-Motif<\/i>&#8222;. Dieses Motiv umfasst alle Arten von <strong>Verletzungen, welche das Auge betreffen<\/strong>. Der Psychiater und Comicgegner Fredric Wertham entdeckte und pr\u00e4gte diesen Begriff erstmals in seinem Buch <i>Seduction of the Innocent<\/i>. Und zumindest in dieser Hinsicht hatte er Recht: Erlangt man einmal einen groben \u00dcberblick \u00fcber die Horrorcomics der 50er Jahre, so f\u00e4llt auf, dass es sich dabei um ein \u00fcberaus popul\u00e4res und, unabh\u00e4ngig vom Kontext, h\u00e4ufig verwendetes Motiv handelt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Eyemotif.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5052\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Eyemotif.jpg\" alt=\"Eyemotif\" width=\"300\" height=\"446\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Eyemotif.jpg 500w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Eyemotif-201x300.jpg 201w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Auch bei diesem Motiv ist der Krieg der am n\u00e4chsten liegende Interpretationsansatz. Gerade wenn man die zuvor erw\u00e4hnten Befunde beachtet: <strong>Die Soldaten sahen im Krieg schreckliche Dinge,<\/strong> die bleibende Sch\u00e4den hervorriefen.<br \/>\nDinge, von denen man sich im Nachhinein w\u00fcnscht, man h\u00e4tte sie nicht gesehen. Die Verletzung oder Zerst\u00f6rung des Auges in den Comics kann also als Metapher daf\u00fcr gesehen werden, Zeuge von etwas Schrecklichem zu werden, das den Betrachter regelrecht sch\u00e4digt.<br \/>\nGleichzeitig ist dies eine <strong>menschliche Urangst<\/strong>, welche besonders dadurch so furchteinfl\u00f6\u00dfend ist, da sie einen der wichtigsten Sinne des Menschen betrifft, dessen Verlust eine starke Einschr\u00e4nkung bedeuten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Angst vor dem gewaltsamen Verlust des Augenlichts ist jedoch nichts neues, sie wird bereits 1817 in E.T.A. Hoffmanns <i>Der Sandmann<\/i> behandelt, in dem der Sandmann als Monster auftritt, das Kindern die Augen herausrei\u00dft: &#8222;[&#8230;] <i>der Sandmann? <\/i>[&#8230;] <i>der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen, und wirft ihnen H\u00e4ndevoll Sand in die Augen, dass sie blutig zum Kopf herausspringen [&#8230;].<\/i>&#8220;<\/p>\n<p>Auch sp\u00e4ter wurde diese Angst noch oft aufgegriffen, z.B. in den <strong>Horrorfilmen<\/strong> von Lucio Fulci finden sich viele derartige Szenen. Man denke nur an die bekannte Szene aus <i>Woodoo &#8211; die Schreckensinsel der Zombies<\/i>, in der eine Frau einen Holzsplitter ins Auge gerammt bekommt.<\/p>\n<p>Somit bedienten sich die Comiczeichner und -Autoren jener Metapher, da sie ihre inneren Empfindungen sowie deren Wichtigkeit ausdr\u00fcckte und auch f\u00fcr Au\u00dfenstehende begreifbar machte. Die Soldaten hatten schreckliche Dinge erlebt. Dinge, die sie sehr stark ver\u00e4nderten, die sie aber auch an der\u00a0 Gesellschaft und der Menschheit zweifeln lie\u00dfen. Sie hatten ihre gesamte Wahrnehmung und Weltbild zerst\u00f6rt. Jedoch waren diese Dinge nicht direkt greifbar und wurden auch von der Allgemeinheit nicht zur Sprache gebracht.<\/p>\n<p>Daher funktionieren die Horrorcomics dieser Zeit, wenn man in der Lage ist, ihre symbolische und metaphorische Art der Darstellung zu entschl\u00fcsseln, auch als <strong>psychologische Studie \u00fcber die amerikanischen Kriegsheimkehrer<\/strong>.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center\"><b>Kapitel 4: Die diffuse Angst vor Technik, dem nuklearen Holocaust<br \/>\nund der Rationalisierung<\/b><\/h3>\n<p>Das Leben der Menschen im Amerika der 50er Jahre war gepr\u00e4gt von einer <strong>Vielzahl an technischen Neuerungen<\/strong>, welche die Grenzen des bisher als machbar Geltenden sprengten. Es gab nun Dinge wie Mikrowellenherde, Langspielplatten und Sofortbildkameras. Ebenfalls in Amerika erfunden wurden in diesem Zeitraum: ein Transistor, der erste elektronische Computer, die Kreditkarte sowie die Herz-Lungen-Maschine. Gleichzeitig etablierte sich der Fernseher als Massenmedium. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die amerikanische Industrie einen Aufschwung, was die erh\u00f6hte Produktion und Entwicklung von Technik erkl\u00e4rte. In dieser Hinsicht hatten Technik und Fortschritt also einen sehr <strong>positiven Einfluss auf das Leben der Menschen in Amerika<\/strong>, welchem man sich kaum entziehen konnte.<\/p>\n<p>Dies alles stand jedoch im <strong>Schatten der atomaren Bedrohung<\/strong>. Am 6. und 9. August 1945 warfen die Amerikaner die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ab. Die Sowjets stellten 1949 die Atombombe fertig. Gleichzeitig arbeiteten amerikanische Wissenschaftler an der Wasserstoffbombe, welche 1952 erstmals gez\u00fcndet wurde. Seit 1947 dauerten nun bereits der Kalte Krieg und das damit verbundene Wettr\u00fcsten an, wodurch ein Angriff mit Atomwaffen, sollte die Situation eskalieren, theoretisch jederzeit m\u00f6glich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Auch wenn die Gefahr offiziell heruntergespielt wurde, z.B. durch attraktive Werbungen f\u00fcr Atomschutzbunker und optimistische Prognosen f\u00fcr den Ernstfall, und ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung demzufolge einmal genau wusste, was radioaktive Strahlung tats\u00e4chlich bewirken konnte, machten sich dennoch Skepsis und Ungewissheit in der Bev\u00f6lkerung breit. <strong>Dadurch, dass es sich beim Kalten Krieg um einen totalen Krieg handelte und er alle Bereiche des t\u00e4glichen Lebens okkupierte und sich dadurch sogar auf die vermeintlich unpolitischen Bereiche wie Musik und Film auswirkte, war der Ernst der Lage f\u00fcr jeden eindeutig zu erkennen.<\/strong> Dadurch wurden die Menschen in ihrer diffusen Angst best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>So entstand ein spezielles Klima in der Bev\u00f6lkerung, deren Bezug zu Technik und Fortschritt einerseits von Unwissenheit, andererseits von der Furcht vor dem nuklearen Holocaust gepr\u00e4gt war. Die Menschen hatten auch schlicht Angst davor, weil sie es nicht komplett verstanden. Die Einstellung zu Technik war nun tendenziell feindselig und <strong>von Furcht erf\u00fcllt<\/strong>. Dadurch kam die Frage auf, was f\u00fcr <strong>Folgen oder Nebenwirkungen die Technologie<\/strong> mit sich bringen kann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/LastMan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5054\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/LastMan.jpg\" alt=\"LastMan\" width=\"360\" height=\"522\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/LastMan.jpg 600w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/LastMan-206x300.jpg 206w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a>Selbst die Regierung gab sich Fantasien hin, wie z.B. der Idee eines Weltraumkrieges gegen die Sowjetunion mithilfe eines Raumschiffes, ein &#8222;<i>star war&#8220;<\/i> also. Es machte den Eindruck, dass Technik alle T\u00fcren \u00f6ffnen k\u00f6nnte und nun alles m\u00f6glich sei, alle Tr\u00e4ume der Menschen machbar.<br \/>\nWenn man dies auf die Auswirkungen von Radioaktivit\u00e4t bezog, bedeutete es jedoch auch, dass <strong>alle Alptr\u00e4ume und \u00c4ngste der Menschen nun Realit\u00e4t werden konnten. <\/strong><\/p>\n<p>Die Technik, insbesondere die Atomenergie und ihre Auswirkungen, regte die Fantasie an, sch\u00fcrte zugleich jedoch surreal-abstrakte Furcht.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Bedrohung wurde nun auch die Frage nach dem Sinn des Ganzen bzw. in religi\u00f6ser Hinsicht nach Gott laut. Als Konsequenz wurde somit auch die Ideologie der Menschen von dieser Ver\u00e4nderung ergriffen: <strong>Eine Rationalisierung fand statt.<\/strong><br \/>\nBetrachtet man das Amerika in den 50er Jahren, wirkte die Vorstellung eines Gottes, insbesondere des christlichen, \u00fcberholt. Einerseits ist es schwer, an einen g\u00fctigen Gott zu glauben, wenn man st\u00e4ndig am Rande der totalen Vernichtung steht. Andererseits schien der Mensch nun mittels seiner Technologie zu allem f\u00e4hig zu sein, er selbst ist an den Platz des Sch\u00f6pfers getreten.<\/p>\n<p><strong>Der Mensch hat Gott \u00fcberwunden und gibt nun in Eigenregie den Weg an,<\/strong> selbst Dinge wie Raumfahrt schienen nun zum Greifen nahe. Damit verbunden war auch ein Verlust von Ethik und Moral, bzw. eine ver\u00e4nderte Betrachtungsweise dieser. <strong>In einer Welt ohne Gott verschwindet zwangsl\u00e4ufig auch das damit verbundene Prinzip von S\u00fcnde, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit.<\/strong> Das Gewissen wird ebenfalls hinf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Jedoch sollte man nicht davon ausgehen, dass mit dem Beginn der Technologiesierung schlagartig alle Menschen zu Atheisten wurden. Vielmehr ist die Tendenz gemeint, dass das Handeln von dieser neuen Ideologie bestimmt wird und dabei die Ethik vor der technischen Notwendigkeit verschwindet. Der Fortschritt k\u00f6nnte unter Umst\u00e4nden mehr z\u00e4hlen als ein Menschenleben.<\/p>\n<p>Jedoch war es damals kaum m\u00f6glich, diese doch sehr<strong> &#8222;unamerikanischen&#8220; Gedanken<\/strong> direkt zur Sprache zu bringen: Der Grund daf\u00fcr lag im Kalten Krieg, bei dem es sich auch um einen Krieg der Ideologien handelte. So stand in den Augen der Amerikaner die USA f\u00fcr Freiheit und Demokratie, w\u00e4hrend die kommunistische Sowjetunion Diktatur und Konformit\u00e4t verk\u00f6rperte. Der Kommunismus war nun der offizielle Feind Amerikas.<\/p>\n<p>Man war der Meinung, jegliches kommunistische Gedankengut k\u00f6nne zur Gefahr werden, was zu politischen und sozialen Spannungen und Verfolgungen f\u00fchrte. Als Spionage der Sowjets in Amerika aufgedeckt wurde, verst\u00e4rkte sich die <strong>Paranoia<\/strong> nur noch. <strong>&#8222;Kommunistenj\u00e4ger&#8220; wie McCarthy veranstalteten eine regelrechte Hexenjagd, um jedes antiamerikanische Gedankengut im Keim zu ersticken.<\/strong> Jeder B\u00fcrger, der nicht die typisch amerikanischen Ideale zu verk\u00f6rpern schien oder sich gar der Gegenseite ann\u00e4herte, machte sich gleich verd\u00e4chtig und konnte sich gravierende Probleme einhandeln.<\/p>\n<p>Es ist also naheliegend, dass man Gedanken wie das Eskalieren des Ost-West-Konfliktes oder <strong>Zweifel am aktuellen Kurs der amerikanischen Industrie und Politik<\/strong> nicht direkt zur Sprache bringt, sondern sie <strong>in Fiktion verpackt<\/strong>, wie z.B. Horrorcomics. Dieses Medium bot sich, wie in den vorherigen Kapiteln bereits dargelegt, aus verschiedenen Gr\u00fcnden an, um die Tagtr\u00e4ume, Bef\u00fcrchtungen und Phantasien der Amerikaner in den 50er Jahren auszudr\u00fccken. Einer war schlicht, dass sie einen passenden d\u00fcsteren Ton besa\u00dfen. Und auch wenn man um seine Existenz angesichts des m\u00f6glichen nuklearen Holocausts f\u00fcrchtete, so war es doch nicht verkehrt, noch eine unterhaltsame Comic-Story daraus zu schlagen.<\/p>\n<p>So sind in den Horrorcomics diese Themen eindeutig wiederzufinden, jedoch oftmals in Form von verschl\u00fcsselten Symbolen. Diese Auffassung, dass starke Einfl\u00fcsse in den Comics zu bemerken sind, teilt auch Jim Trombetta: &#8222;<i>Horror comics offer a privileged glimpse into the Age of Nuclear Terror.<\/i>&#8220;<\/p>\n<p>Die <strong>Angst vor der atomaren Bedrohung<\/strong> ist eine h\u00e4ufig verwendete Thematik in den Comics, jedoch meistens erst auf den zweiten Blick zu erkennen. So ist meistens nicht die Atombombe Gegenstand der Geschichte, sondern sie wird <strong>durch eine Metapher ersetzt<\/strong>. Diese besitzt dann jedoch noch immer die Eigenschaften, die die Menschen damals der Atombombe zuschrieben. Das k\u00f6nnen z.B. Schleimmonster oder Au\u00dferirdische oder weitaus abstrusere Metaphern, wie eine Wolke oder \u00e4hnliches sein.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/B\u00f6seWolke2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7507\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/B\u00f6seWolke2.jpg\" alt=\"B\u00f6seWolke2\" width=\"400\" height=\"392\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/B\u00f6seWolke2.jpg 450w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/B\u00f6seWolke2-300x294.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Stets haben sie jedoch einiges gemeinsam: Sie sind gef\u00e4hrlich, t\u00f6dlich und f\u00fcr den Menschen schwer zu begreifen. Oftmals kommen sie aus einer anderen Welt oder unsere Naturgesetze haben f\u00fcr sie keine G\u00fcltigkeit. Hierin manifestiert sich deutlich die <strong>Angst vor dem Unbekannten<\/strong>.<\/p>\n<p>Gelegentlich wird auch Radioaktivit\u00e4t direkt erw\u00e4hnt, dann meistens als Ursache f\u00fcr die Entstehung eines Monsters oder \u00e4hnliches. Hier sind es auch stets negative Folgen, was erneut zeigt, dass die Menschen unsicher waren, was diese Strahlung bewirkt. Es ist zwar abwegig, dass sie Monster erschafft, aber immerhin theoretisch m\u00f6glich, da keiner es besser wusste.<\/p>\n<p>Auf die Idee des <strong>nuklearen Holocausts<\/strong>, der totalen Vernichtung allen Lebens, wird nur in einigen Geschichten oder auf einigen Covern mehr oder weniger direkt angespielt. Diese Seltenheit d\u00fcrfte einmal mit der Angst vor Zensur und Repressalien zusammenh\u00e4ngen. Noch naheliegender ist es jedoch, dass es schlicht einfacher war, eine\u00a0 Geschichte um ein Monster oder eine Kreatur, die durch Radioaktivit\u00e4t geschaffen wurde aufzubauen, als um eine so derma\u00dfen gewaltige Bedrohung wie die Detonation einer Atombombe.<\/p>\n<p>Auch eine <strong>Skepsis<\/strong> Technik und Wissenschaft gegen\u00fcber \u00e4u\u00dfert sich in recht krasser Form in den Comics. Allerdings bilden die Comics nicht wirklich Wissenschaft ab, <strong>auf Realismus wird hier nicht geachtet<\/strong>, es werden munter jegliche Gesetze der Natur ignoriert, und die Wissenschaftler selbst wirken allesamt mehr als fragw\u00fcrdig.<\/p>\n<p><strong>Die Wissenschaft ist hier zu einer Parodie verkommen.<\/strong> Der Begriff &#8222;<i>mad science&#8220;<\/i>, der auch in vielen B-Filmen dieser \u00c4ra Verwendung fand, ist hier passender. Die Wissenschaftler erinnern hier mehr an Hexenmeister oder Alchemisten.<\/p>\n<p>Allgemein kann gesagt werden, dass Technik und Wissenschaft <strong>immer zur Katastrophe f\u00fchren.<\/strong> Egal, ob K\u00f6pfe in Reagenzgl\u00e4sern am Leben erhalten werden, Mutanten entstehen oder Tore in andere Dimensionen ge\u00f6ffnet werden. Immer gibt es fr\u00fcher oder sp\u00e4ter Probleme, und auf ungute Weise eskaliert die Situation.<br \/>\nHier wird auch wieder der Aspekt der Beherrschbarkeit erkennbar, eine Angst, die auch in der Ungewissheit bez\u00fcglich der Radioaktivit\u00e4t begr\u00fcndet liegt. Eine oft auftretende Wendung ist ein Wissenschaftler, der die <strong>Kontrolle \u00fcber seine Sch\u00f6pfung verliert<\/strong> und dadurch get\u00f6tet wird. Der Gedanke, sich mit etwas anzulegen, das man nicht beherrschen kann, kommt auch hier zur Sprache.<\/p>\n<p>Ein weiterer typischer Aspekt, der in dieser Geschichte auftaucht, ist der <strong>Missbrauch von technischen Errungenschaften<\/strong>: Kaum wird in den Horrorcomics eine Entdeckung gemacht, denkt augenblicklich jemand dar\u00fcber nach, wie man diese am besten zum pers\u00f6nlichen Vorteil nutzen kann. In <i>Nightmare <\/i>aus <i>Chamber of Chills #15<\/i> kontrolliert ein b\u00f6ser Wissenschaftler ein von ihm erschaffenes Schleimmonster und bringt damit Tod und Zerst\u00f6rung \u00fcber die Welt \u2013 bis er am Ende der Geschichte zusammen mit seiner Sch\u00f6pfung besiegt wird und somit die gerechte Strafe bekommt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schleimmonster.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5056\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schleimmonster.jpg\" alt=\"Schleimmonster\" width=\"900\" height=\"436\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schleimmonster.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schleimmonster-300x145.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Schleimmonster-624x302.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>Wissenschaft und Technik symbolisieren St\u00e4rke und verleihen Macht \u00fcber andere Menschen. Fortschritt dient hier nicht dem Wohl der Menschheit, wie er eigentlich sollte, sondern lediglich dem<strong> pers\u00f6nlichen Vorteil<\/strong>.<\/p>\n<p>Interessant sind hierbei auch die in den Comics gezogenen <strong>Parallelen zwischen Wissenschaft und Okkultismus<\/strong>. Es gibt \u00e4hnliche Geschichten \u00fcber Menschen, die mit schwarzer Magie experimentieren und denen diese \u00fcber den Kopf w\u00e4chst, nur hier ist es anstelle des Wissenschaftlers ein Satanist und anstelle der Technik die schwarze Magie.<br \/>\nIn beiden F\u00e4llen vollbringt er auf f\u00fcr den Leser unverst\u00e4ndliche Wege scheinbar Unm\u00f6gliches. Es sind beides M\u00e4chte, die man nicht herausfordern sollte und deren Strafe der Tod ist. Es ist also eindeutig, dass die Comics eine negative Haltung Wissenschaft und Technik gegen\u00fcber haben, wenn sie dort im Endeffekt <strong>die gleichen Konsequenzen haben wie Satanismus.<\/strong><\/p>\n<p>Ein sehr eindeutiges Beispiel daf\u00fcr ist <i>Death Is my Hobby<\/i> aus <i>Journey into Fear #7<\/i>.\u00a0 Hier geht es um einen Mann, der ein altes Buch findet, mit dessen Hilfe er einen D\u00e4mon beschw\u00f6ren kann. Der Mann nutzt den D\u00e4mon, um &#8222;b\u00f6se&#8220; Menschen wie z.B. Diktatoren zu ermorden. Hier vollbringt er noch scheinbar &#8222;gute&#8220; Taten, auch wenn er fragw\u00fcrdige Moralvorstellungen besitzt.<br \/>\nBald jedoch verf\u00e4llt die Hauptfigur dem Wahnsinn und verlangt vom D\u00e4mon, seine Frau zu t\u00f6ten, da er f\u00fcrchtet, diese k\u00f6nne ihn verraten. Der D\u00e4mon hat jedoch \u00fcberraschenderweise klare Prinzipien und weigert sich eine Unschuldige zu t\u00f6ten. Er wendet sich gegen seinen Meister und bringt ihn um, auch wenn dies seinen eigenen Tod bedeutet.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/D\u00e4monen2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7508\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/D\u00e4monen2.jpg\" alt=\"D\u00e4monen2\" width=\"900\" height=\"895\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/D\u00e4monen2.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/D\u00e4monen2-150x150.jpg 150w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/D\u00e4monen2-300x298.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/D\u00e4monen2-768x764.jpg 768w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/D\u00e4monen2-624x621.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>Auch wenn die Geschichte nat\u00fcrlich enorm abstrus ist, finden wir hier viele Elemente, die sich auch in Horrorcomics mit Wissenschafts-Thematik entdecken lassen: Die fremde Macht, die herausgefordert wird; die Hauptfigur, die allm\u00e4hlich die Moral ablegt und etwas, das f\u00fcr das Gute h\u00e4tte genutzt werden k\u00f6nnen, f\u00fcr das B\u00f6se einsetzen will.<\/p>\n<p>Nur eines sticht an dieser Geschichte heraus: Die moralischen Prinzipien des D\u00e4mons, welche er auch im Schlusspanel in einem Appell an den Leser noch einmal klar macht. Auch hier ist diese direkte Ansprache nat\u00fcrlich nur ein Versuch, den Leser mit einem Schauern zu entlassen. Dennoch bietet die Geschichte somit eine klare Moral: <strong>Es gibt Kr\u00e4fte, die man nicht herausfordern sollte.<\/strong> Und geht man davon aus, dass im letzten Panel mit &#8222;<i>demons<\/i>&#8220; vielleicht die Atomenergie gemeint ist, so scheint der Ratschlag des D\u00e4mons im Amerika der 50er Jahre mehr als angebracht.<\/p>\n<p>Die eingangs erw\u00e4hnte, in den 50er Jahren omnipr\u00e4sente \u00dcberschreitung des bisher Vorstellbaren und der damalige Machbarkeitswahn waren auch f\u00fcr die Horrorcomics pr\u00e4gend. Denn wenn alles machbar ist, gilt dies auch f\u00fcr die Alptr\u00e4ume der Menschen. Die Pr\u00e4misse, dass <strong>Alptr\u00e4ume real werden k\u00f6nnten<\/strong>, verfolgen sehr viele Geschichten. Das w\u00fcrde auch die seltsame traumartige Atmosph\u00e4re und v\u00f6llig unrealistischen und absurden Inhalte einiger dieser Comics erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne Beispielgeschichte ist hier <i>A Death for a Death<\/i>, die passenderweise tats\u00e4chlich Elemente aus Kafkas <i>Die Verwandlung<\/i> enth\u00e4lt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Verwandlung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5058\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Verwandlung.jpg\" alt=\"Verwandlung\" width=\"900\" height=\"411\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Verwandlung.jpg 900w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Verwandlung-300x137.jpg 300w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Verwandlung-624x284.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>(die komplette Geschichte k\u00f6nnen Sie <a href=\"http:\/\/charm-of-charlton.de\/stories\/a-death-for-a-death-fawcett\" target=\"_blank\">HIER <\/a>lesen)<\/p>\n<p>Wie die meisten dieser<strong> traumartigen Comics<\/strong> l\u00e4sst auch diese als Interpretationsansatz die Verarbeitung der PTBS von Kriegsheimkehrern zu.<\/p>\n<p>Diese und andere Geschichten finden sich h\u00e4ufig in den Comics. Geschichten, die teilweise einfach nur noch grotesk sind und sich jeder Klassifizierung entziehen. Sie lassen den Leser nur erahnen, wie immens die Fantasie der Amerikaner in den 50er Jahren durch den Gedanken, dass nun alles m\u00f6glich, angeregt worden sein muss. <strong>Nichts schien mehr zu fantastisch, um es zu Papier zu bringen.<\/strong> Aber es konnte auch alles ins Bedrohliche umschlagen.<\/p>\n<p>Es ist also in den Horrorcomics insgesamt eine \u00fcberaus negative Sicht auf Technik zu erkennen, sie scheint brandgef\u00e4hrlich und unz\u00e4hmbar zu sein. Es gibt in den Comics anscheinend keine M\u00f6glichkeit, sie zum Guten einzusetzen, egal ob die Gefahr jetzt von der Erfindung an sich oder von den Menschen, die sie missbrauchen ausgeht.<br \/>\nDamit positionieren sich die Horrorcomics ganz klar <strong>im Gegensatz zu anderen Comics ihrer Zeit, die ein eher positives Licht auf Wissenschaft und Technik werfen<\/strong>. Gerade in Superhelden- und Science-Fiction-Comics ist Technik stets ein n\u00fctzliches Hilfsmittel. Das wohl popul\u00e4rste Beispiel ist Batmans <i>Batmobil<\/i>, welches besonders durch dessen fortschrittliche Technik auff\u00e4llt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Batmobil.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5059\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Batmobil.jpg\" alt=\"Batmobil\" width=\"350\" height=\"251\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Batmobil.jpg 500w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/Batmobil-300x214.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Somit verweigern sich die Horrorcomics klar der Technikaffinit\u00e4t, welche in der amerikanischen Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt zumindest offiziell vorherrscht und sich auch in diversen Comics niederschl\u00e4gt.<br \/>\nSie\u00a0 zeigen die <strong>Kehrseite der Medaille<\/strong> auf. Auch wenn ihre Aussagen extrem sind, so scheinen sie dennoch eine gewisse Sorge auszudr\u00fccken, wohin die Atomenergie und all die andere Technik noch f\u00fchren k\u00f6nnen. Doch liegt die Furcht hierbei nicht nur in den direkten Folgen des Fortschritts, sondern auch in jenen, die er auf das Innenleben der Menschen haben k\u00f6nnte, n\u00e4mlich vor allem die Rationalisierung.<\/p>\n<p>Rationalisierung ist weniger ein zentrales Thema von 50er Jahren Horrorcomics als vielmehr ein Bestandteil ihrer Atmosph\u00e4re, des Weltbildes, welches diese Comics enthielten. So f\u00e4llt die Haltung zur Religion und \u00e4hnlichem in diesen Geschichten im ersten Moment wenig auf, ist bei genauerer Betrachtung jedoch eindeutig zu erkennen.<\/p>\n<p>Die Rationalisierung ist in den Comics nicht zwangsl\u00e4ufig mit Technik verbunden, jedoch tauchen diese beiden Themen oft gemeinsam auf. Man betrachte die vielen <i>mad scientists<\/i> der Horrorcomics: Sie haben die Rationalisierung und damit eine der gr\u00f6\u00dften \u00c4ngste der Amerikaner verinnerlicht. Sie haben keine Achtung mehr vor dem menschlichen Leben, die Wissenschaft und der Fortschritt rechtfertigen die Opfer. <strong>Die Technik ist hier wichtiger als der Mensch.<\/strong><\/p>\n<p>So auch in <i>The Ressurected Head (<\/i>aus dem Heft<i>\u00a0 <\/i><i>Worlds of Fear #4<\/i>), wo ein b\u00f6ser Wissenschaftler namens Dr. Alpha K\u00f6pfe von Tieren und Menschen abtrennt und im Labor mithilfe von Maschinen am Leben erh\u00e4lt, ohne sich um das Leiden seiner Versuchsobjekte zu k\u00fcmmern. Er arbeitet mit Gangstern zusammen und schreitet auch nicht ein, als diese einen seiner &#8222;Patienten&#8220; brutal foltern, um Informationen zu erlangen.<br \/>\nMan beachte hierbei besonders die stark negative Beschreibung der Experimente in den Textk\u00e4sten der Geschichte. Es ist eine eindeutig ablehnende Haltung zu erkennen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/ResurrectedHead.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5060 aligncenter\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/ResurrectedHead.jpg\" alt=\"ResurrectedHead\" width=\"600\" height=\"372\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/ResurrectedHead.jpg 600w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/ResurrectedHead-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a>Trotz ihrer \u00dcberspitztheit kann man diesen und \u00e4hnliche <i>mad scientists<\/i> eindeutig interpretieren. Sie stehen f\u00fcr die amerikanischen Wissenschaftler der 50er Jahre, die regelm\u00e4\u00dfig <strong>Grenzen \u00fcberschritten und immer wieder v\u00f6llig Neuartiges schufen.<\/strong> Somit zeigen die Horrorcomics nicht, wie diese Wissenschaftler tats\u00e4chlich waren. Jedoch zeigen sie eindeutig das dar, wovor sich die Amerikaner f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p>Die <i>mad scientists <\/i>stellen das Schlimmste dar, was aus einem Wissenschaftler werden k\u00f6nnte, wenn er allm\u00e4hlich seine Moral ablegt. Somit war die Angst der Menschen auch, dass die Rationalisierung irgendwann vielleicht einmal so weit voranschreitet, dass die realen Wissenschaftler der USA <strong>von denen in den Comics nicht mehr zu unterscheiden sind.<\/strong> Dies f\u00e4llt besonders auf, da <i>The Ressurected Head<\/i>, um bei diesem Beispiel zu bleiben, durch das Fehlen von Moral und Mitgef\u00fchl fast mehr schockt als durch die kranken Experimente.<\/p>\n<p>Die Comics zeigen eindeutig, wie die amerikanische Bev\u00f6lkerung diese Wissenschaftler und Forscher wahrnahm: Als <strong>b\u00f6sartig und moralbefreit<\/strong>. So w\u00e4re die Darstellung nur noch eindeutiger, wenn Dr. Alpha in der Geschichte eine Atombombe bauen w\u00fcrde. Man ist bereit, f\u00fcr den Fortschritt jedes Opfer zu bringen.<br \/>\nHier sieht man, wie eng diese beiden \u00c4ngste, vor Technik und Rationalisierung, im Kern miteinander verbunden sind. Und wie sehr sich die Amerikaner zu dieser Zeit vor dem Verlust der Moral, des Gewissens und der Menschlichkeit f\u00fcrchteten. Dies erkl\u00e4rt auch, warum Rationalisierung im Bezug zum Kalten Krieg ein so wichtiges Thema ist und warum es die Menschen besch\u00e4ftigte. Aber nat\u00fcrlich bedeute Rationalisierung noch viel mehr, vor allem im Bezug auf Glauben, ein Thema im Horrorcomic, dessen Betrachtung sich auch eindeutig lohnt.<\/p>\n<p>Als allererstes f\u00e4llt auf, dass <strong>Religion in den Horrorcomics<\/strong> mehr oder weniger <strong>nicht existiert<\/strong>. Die katholische Kirche oder gar ein Pfarrer tauchen \u00fcberhaupt nicht auf. Jim Trombetta sprach daher auch von einer &#8222;<i>pre- and\/or post-Christian era<\/i>&#8222;. Wenn z.B. einige Eingeborene eine Rolle in der Geschichte spielen oder okkulte Rituale stattfinden, wird das <strong>spirituelle Potenzial<\/strong> dieser Geschichte in dieser Hinsicht <strong>niemals genutzt<\/strong>. Viel ausf\u00fchrlichere Erl\u00e4uterungen als die folgende aus <i>Chamber of Chills #5<\/i> gibt es nur selten:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/GodsAreAngry.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-5061\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/GodsAreAngry.jpg\" alt=\"GodsAreAngry\" width=\"315\" height=\"330\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/GodsAreAngry.jpg 450w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/GodsAreAngry-286x300.jpg 286w\" sizes=\"(max-width: 315px) 100vw, 315px\" \/><\/a>Es scheint offensichtlich, dass der Autor kein gro\u00dfes Interesse an der fremden Kultur hat, sondern tats\u00e4chlich nur schnell seine Geschichte erz\u00e4hlen will. Der Grund daf\u00fcr k\u00f6nnte auch einfach Unwissenheit sein.<\/p>\n<p>Aber auch innerhalb der Geschichte hat diese Herangehensweise an spirituelle und okkulte Praktiken einen weiteren Grund: Derartige Dinge werden hier stets rational gesehen, man \u00fcberlegt, wie sie zum pers\u00f6nlichen Vorteil genutzt werden k\u00f6nnen, bzw. was f\u00fcr einen Nutzen sie \u00fcberhaupt haben. Alles Weitere spielt dabei keine Rolle. Die Rationalisierung ist sowohl in den K\u00f6pfen der Autoren als auch in den K\u00f6pfen der Protagonisten der Comics zu erkennen.<\/p>\n<p>Hierbei tritt eines besonders deutlich hervor: In ann\u00e4hernd keiner Geschichte wird ein <strong>Vampir mit einem Kreuz<\/strong> abgewehrt. Eine Szene, die gerade in Vampir-Filmen davor und danach bis heute fast obligatorisch wirkt, findet in Horrorcomics der 50er Jahre so gut wie nie Verwendung. Hier scheint das Christentum<strong> jegliche Macht verloren<\/strong> zu haben, es ist eine gottlose Welt.<\/p>\n<p><strong>Wenn in den Horrorcomics eine h\u00f6here Macht auftaucht, ist sie fast ausschlie\u00dflich b\u00f6se:<\/strong> H\u00f6here Wesen, die Menschen manipulieren und in keinster Weise dem Bild eines g\u00fctigen Gottes entsprechen, wie es die christliche Mythologie gepr\u00e4gt hat.<br \/>\nEine Geschichte, die dieses Weltbild auf den Punkt bringt, ist <i>The Greatest Secret on Earth <\/i>(ver\u00f6ffentlicht in<i> <\/i><i>This Magazine Is Haunted #14<\/i>). Hier findet ein Mann heraus, dass alle Menschen in Wirklichkeit Marionetten von h\u00f6heren gottgleichen Wesen sind, die die Menschen mit F\u00e4den steuern und zu ihrer pers\u00f6nlichen Belustigung die schrecklichsten Dinge tun lassen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/H\u00f6hereM\u00e4chte2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7509\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/H\u00f6hereM\u00e4chte2.jpg\" alt=\"H\u00f6hereM\u00e4chte2\" width=\"400\" height=\"380\" srcset=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/H\u00f6hereM\u00e4chte2.jpg 500w, http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2014\/04\/H\u00f6hereM\u00e4chte2-300x285.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>(die vollst\u00e4ndige Geschichte k\u00f6nnen Sie <a href=\"http:\/\/charm-of-charlton.de\/stories\/the-greatest-secret-on-earth-fawcett\" target=\"_blank\">HIER <\/a>einsehen)<\/p>\n<p>Im Allgemeinen sind diese Comics daher im Kern klar atheistisch. Selbst in <i>The Greatest Secret on Earth<\/i> gibt es zwar m\u00e4chtige und manipulative Wesen, doch eine tats\u00e4chliche h\u00f6here Ordnung oder ein g\u00fctiger Gott existiert nicht.<br \/>\nNicht einmal eine Bedeutung oder Symbolik der h\u00f6heren Wesen ist vorhanden: Sie existieren einfach. Trotz dieser eigentlich <strong>atheistischen und auch nihilistischen Grundhaltung<\/strong> finden sich in vielen Geschichten christliche Symbole und Motive. Der christliche Glaube scheint also einmal existiert zu haben, anscheinend wurde er jedoch abgeschafft. Demzufolge scheint Trombettas Aussage, es handle sich um eine &#8222;nachchristliche \u00c4ra\u201c, zuzutreffend.<\/p>\n<p>Wie bereits in den anderen Kapiteln dargelegt, zeigen die Horrorcomics eine Welt, in der nichts Positives oder Gutes mehr existiert, die Gesellschaft ist verdorben, genau wie das Innere der Menschen. Doch hier, durch die Impressionen des Kalten Krieges,<strong> negieren sie auch jegliche Hoffnung auf Besserung in der Zukunft<\/strong> und erreichen somit den Gipfel der Demontage der amerikanischen Gesellschaft und deren Ideologie.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center\"><b>Schlusswort: <\/b><\/h3>\n<p>Bei der Analyse dieser Comics f\u00e4llt auf, dass sie eine stark satirische Auspr\u00e4gung haben. Sie besitzen einen tats\u00e4chlichen Realit\u00e4tsbezug, welcher jedoch von Symbolen und Metaphern kaschiert wird. Dies \u00e4u\u00dfert sich dahingehend, dass in diesen Comics nichts heilig ist und sie vor nichts Respekt haben. Die dort dargestellte Welt ist zynisch, grotesk, grausam und hoffnungslos. Hier wird <strong>gegen jegliche gesellschaftlichen Normen rebelliert<\/strong>. Dabei entwickelten sich die Horrorcomics, parallel zum eigentlichen Horroraspekt, auch zu einer <strong>bissigen Realsatire<\/strong>.<\/p>\n<p>Somit \u00fcben diese Comics, auf ihre eigene Art und Weise, tats\u00e4chlich Gesellschaftskritik. Man kann sie als Prognose f\u00fcr den Verfall von Gesellschaft und Werten interpretieren. Doch damit nicht genug. Die Horrorcomics gehen noch weiter, indem sie das<strong> Prinzip von Zivilisation als solches diskutieren<\/strong>. Dabei gehen sie der Frage nach, was die menschliche Kultur eigentlich wert ist und was es braucht, um sie zu zerst\u00f6ren. Und was f\u00fcr einen Sinn eine Zivilisation macht, wenn niemand mehr zivilisiert sein will.<\/p>\n<p>Durch die Art, wie diese Themen in den Comics behandelt wurden, wird einiges klar: Die Horrorcomics wurden von ihren Machern tats\u00e4chlich genutzt, um <strong>unterschwellige Gesellschaftkritik<\/strong> zu \u00fcben. Hierbei ist im Nachhinein nicht mehr festzustellen, inwieweit dies beabsichtigt war, was jedoch f\u00fcr ihre schlussendliche Aussage unerheblich ist.<br \/>\nDabei wird sowohl die amerikanische Gesellschaft, Kultur sowie Zivilisation im Allgemeinen enorm negativ dargestellt. Somit findet sich in diesen Comics eine <strong>Demontage des Amerika der 50er Jahre<\/strong> und eine verzerrte Version dessen, wodurch eine klar antiamerikanische Einstellung erkennbar ist. Diese kann unter Betrachtung der damaligen, von politischen und gesellschaftlichen Spannungen gepr\u00e4gten Zeit ihres Erscheinens als <strong>absolut subversiv<\/strong> bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Doch die Ergebnisse verraten uns noch mehr. So war es der vorherrschenden Kommunismus-Paranoia wegen in der \u00d6ffentlichkeit verp\u00f6nt, Amerika gegen\u00fcber kritische Meinungen zu \u00e4u\u00dfern. Die Horrorcomics boten daher auch eine einzigartige M\u00f6glichkeit, derartige Themen anzusprechen und waren somit in gewisser Weise eine <strong>M\u00f6glichkeit der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung.<\/strong><\/p>\n<p>Auch in humoristischer Hinsicht waren die Horrorcomics wegweisend. Sp\u00e4tere Comics wie <i>MAD<\/i> (welches 1952 in der Hochphase der pre-code Horrorcomics von EC gegr\u00fcndet wurde, jedoch auch nach Einf\u00fchrung des Codes bis heute weitererscheint) und Robert Crumbs <i>Zap<\/i> <strong>sind den Horrorcomics in Sachen b\u00f6sartiger Humor und Realsatire sehr \u00e4hnlich.<\/strong> Somit etablierten die Horrorcomics jenes humoristische Konzept, das ernsthafte Themen aus der Gesellschaft aufgreift und mit scheinbar trivialer Unterhaltung eine Aussage dazu trifft. Hier zeigt somit sich auch klar der <strong>Einfluss der Horrorcomics auf die Popkultur<\/strong>, welcher ihre Bedeutung noch einmal untermauert.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><b>Quellen:<br \/>\n<\/b><i>Kleiner Auszug aus den meistbenutzten B\u00fcchern und Materialien: <\/i><\/p>\n<p>Hajdu, David: The Ten-Cent Plague: The great Comic-Book Scare and how it Changed America, Picador 2009, 1. Auflage<\/p>\n<p>Trombetta, Jim: The Horror! The Horror!: Comic Books the Government didn&#8217;t Want you to Read, Abrams ComicArts 2010, 1. Auflage<\/p>\n<p>Wertham, F.: Seduction of the Innocent, Main Road Books 1953, 3. Auflage (im Internet einsehbar unter <a href=\"http:\/\/www.dreadfuldays.net\/soti.html\" target=\"_blank\">DIESEM <\/a>Link).<\/p>\n<p>ZEIT Geschichte 3 (2012): Der Kalte Krieg, Zeitverlag Gert Bucerius GmbH &amp; Co. KG, 1.Auflage<\/p>\n<p>&#8222;<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GqqZzpdSF_E\" target=\"_blank\">Mengeles Erben &#8211; Menschenexperimente im kalten Krieg<\/a>&#8222;: Dirk Pohlmann, Deutschland 2010 (auf YouTube)<\/p>\n<p>&#8222;<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4du3_mAHTWY\" target=\"_blank\">Wer hat Angst vor Wilhelm Reich?<\/a>&#8222;: Antonin Svoboda &amp; Nicolas Dabelstein, \u00d6sterreich 2009 (auf YouTube)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>\u201eZur Soziologie und Psychologie des Horrorcomics der 1950er Jahre\u201c<br \/>\nist die komprimierte und gek\u00fcrzte Fassung der \u201eBesonderen Lernleistung\u201c (BLL)<br \/>\nvon Sebastiano Trebastoni.<br \/>\nEine BLL ist eine Schularbeit zu einem thematischen Interesse, die der Verfasser<br \/>\nin sein Abitur einbringen kann.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastbeitrag von Sebastiano Trebastoni Vorbemerkung: Ich pers\u00f6nlich sch\u00e4tze die Horrorcomics der 50er Jahre aufgrund ihrer Einzigartigkeit und ihrem hohen Unterhaltungswert. In meinen Augen gab es davor und danach keine anderen Comics mehr, die diese Hefte in Sachen Kreativit\u00e4t \u00fcbertroffen haben. 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