Cadaver

(aus “Weird Terror” Nr. 5, im Mai 1953 von Comic Media veröffentlicht)

Vorab sei gesagt, dass diese Geschichte auf dem schmalen Grat zwischen „Crazy“ und „Ugly“ balanciert. Und wieder stammt sie aus der Feder von Mannie Banks, ein total unbedeutender Zeichner, der jedoch schon den ebenfalls haarsträubenden „The Bone-Man“ in die Annalen des Pre-Code-Horrors hämmerte.

Die Handlung ist komplett Banane: Ein Bestatter umwirbt eine hässliche alte Jungfer – in der Hoffnung, ihr Erbe anzutreten. Er heuchelt Zuneigung und versorgt sie mit Leichenteilen (!), welche die Alte genüsslich wegfuttert (!). Hätten’s da nicht auch Blumen getan?!
Kaum hat die Alte ihr Testament aufgesetzt, wird sie auch um die Ecke gebracht. Doch der stete Menschenfleischkonsum hat in ihr offenbar übernatürliche Kräfte entfesselt.

„Cadaver“ (Verlag Comic Media operiert sehr schön mit fett gesetzten Schlagworten) erleben Sie in einer FIFTIES HORROR-Weltpremiere. Mein anonymer deutscher Sammler ließ mich das ganze (bislang online nicht zugängliche) Heft fotografieren.

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Das hat man irgendwie kommen sehen, macht aber nichts. Das Schlussbild zeigt die kannibalistische Horrorhexe vor einem Spinnennetz, in welchem sich der schnöselige Bestatter schon längst verfangen hatte. Zudem scheint eine sexuelle Drohung mitzuschwingen: „Und sooo einsam bin ich gewesen…“.

Der Tod hat sie bedeutend selbstbewusster gemacht. Anna Mord (immer diese sprechenden Namen im Horror-Genre!) kehrt zurück als Frau, die weiß was sie will – und sich das auch nimmt. Darin liegt wohl der Horror für den männlichen Betrachter…

Seite 2 ist mit das Kurioseste, was mir je begegnet ist. Der Bestatter säbelt einer Leiche eine komplette Hand ab, packt sie ein, nimmt sie mit und übergibt sie einer drolligen alten Dame. Die bedankt sich artig und will sich mit einem Küsschen revanchieren. Was den Herren total ausflippen lässt. Dann versöhnen sich beide wieder, und die Dame offenbart ein Gebiss, in dem die Zähne lose herumzuschwimmen scheinen. Der Bestatter hat tolle Haare und ist überhaupt „ein hinreißender Bursche“. Holla! Fühle mich irgendwie an die Filme von David Lynch erinnert…

Seite 5 präsentiert ein ungewöhnlich brutales Bild: Der Hammerschlag ins Gesicht, der die seltsamen Zähne splittern lässt.
Top 20 der grafischen Grausamkeiten. Hach, den Begriff hab ich lange nicht benutzt. Und irgendwann muss ich diese Hitparade des Horrors mal veröffentlichen…

 


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