One of Our Graveyards Is Missing!

(aus “Journey into Unknown Worlds” Nr. 14, im Dezember 1952 von Atlas Comics veröffentlicht)

Der Friedhofswärter ist verzweifelt: Sein schöner Friedhof ist weg! Über Nacht verschwunden! Loch im Boden! Wie konnte das geschehen?!
Ein geheimnisvoller Fremder wurde am Ort des Geschehens beobachtet. Die Polizei findet und verhört ihn. Der Fremde tischt eine fantastische Geschichte auf.

Legen Sie bitte jetzt Ihre Hände auf die Scrolltaste und … alle Friedhöfe fliegen … hooooch!

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„One of Our Graveyards Is Missing!“ ist eine herrlich plakative Überschrift (das hatten sie drauf bei Atlas!) – und nimmt Bezug auf den Titel eines englischen Kriegsfilms von 1942: „One of Our Aircraft Is Missing!“. Die Phrase wurde öfter in der Popkultur verwendet, manche mögen den Thomas Dolby-Song „One of Our Submarines (Is Missing)“ im Ohr haben.
Was ich sagen will: Dieser lockere (hier auch paradoxe) Umgang mit Zitaten belegt, wie spielerisch die Atlas-Autoren ihre Stories zusammenstrickten.

Redaktionssitzung (imaginiert): „Hey, mir schießt grad ein komischer Satz in den Schädel: One of Our Graveyards Is Missing, hahahah.“ – „Klingt doch knorke, können wir nicht was draus machen?“ – „Okay, für eins der Horror- oder Science Fiction-Hefte, ist eh dasselbe.“ – „Also, über Nacht ist ein Friedhof verschwunden, einfach so, komplett weg…“ – „Puh, ich weiß nicht, wer soll das denn gewesen sein? Höchstens Aliens…“ – „Bingo! Aliens haben einen Teil der Stadt weg teleportiert!“ … usw. usf.

So funktioniert die Kulturindustrie, liebe Kinder. Artwork natürlich vom fabulösen Basil Wolverton. Und wenn es auch keine reine Horrorstory ist, ist sie zu schön, um nicht gezeigt zu werden. Ich hab sie auch zuvor noch nie gesehen …

Achten Sie auch auf folgendes Detail auf Seite 3 – den Close-Up, den Kamerazoom in vier Schritten auf das Gesicht.

OneOfOurGraveyardsCloseUpDieses Stilmittel war im Atlas-Verlag äußerst beliebt und begegnet einem in vielen Geschichten dieser Jahre. Ich vermute fast, das war redaktionell eine mögliche Anweisung an die Zeichner. Bill Everett hat diesen Trick wahrscheinlich bei Atlas etabliert, gleich mehrfach zu bewundern beispielsweise in „Box of Doom“ aus VENUS Nr. 19 (klicken zur Kontrolle).
Aber wer hat’s erfunden, frage ich mich? Ich weiß, dass Harvey Kurtzman bei EC (na klar, mal wieder) schon früh mit grafischem Layout experimentierte und rekurrierende Kamerazooms benutzte (und seinen Zeichnern auch vorschrieb). Aber schon vor 1952?
Ich belasse  den Credit aber auch gerne bei Everett (wenn Sie mehr wissen, bitte per Kommentarfunktion unten melden).

Und was ist bitteschön im vorletzten Bild mit der Farbgebung passiert? Wieso hat der Friedhoswärter rot-weiße Streifen im Gesicht als wäre er ein fleischgewordener Barbershop-Mast?! Da hat der Kolorist Sekundenschlaf gehalten!


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