Dead Man’s Chest

(aus “Dark Mysteries” Nr. 8, im August 1952 von Master Comics veröffentlicht)

Zeit, den Aua-Aua-Regler auf die 11 zu drehen: eine Perle des groben, ja grotesken Unfugs erwartet uns. Hereinspaziert, hereinspaziert.

Im Skiurlaub will der Draufgänger Ted seiner frisch eroberten Flamme imponieren und saust nachts eine gefährliche Piste hinunter. Marva will ihn noch warnen („You won’t be able to see“), da ist Ted auch schon („Whizz, Whizz, Crash!“) in einen Fels gebrettert.
Der „sound of broken bones and smashed skis“ begleitet ihn ins Krankenhaus. Dort erwacht er und ist entsetzlich entstellt (schiefes Gesicht, buckliger Körper).
Meines Wissens nach wachsen Knochen ohne Deformationen wieder zusammen.

Drei Wochen später lässt er noch immer niemanden zu sich. Vor der Türe kräht Marva schon seit längerem: „Let me in, Ted!“.
DeadMans1Ted aber sucht einen Knochenspezialisten auf und überredet den, ihm fremde Knochen zu transplantieren (häh?), auf dass er wieder normal aussähe (Mediziner bitte ab hier ganz weghören). Fehlt ein Knochenspender.

Wo findet man einen solchen im Horrorcomic? Richtig, auf dem Friedhof. Am besten greift man zur Leiche des frisch exekutierten Massenmörders. Natürlich. „Lefty“ wird zur Organbank, Ted wieder gut aussehend, und Marva tritt wieder in sein Leben. Achtung, Freunde des griechischen Dramas, es naht die Peripetie (der Umschwung von Glück zu Unglück). Denn aus der Brust des guten Ted wächst („I don’t believe it…“, wir auch nicht) der Kopf von Killer Lefty!

DeadMans2Was aber tut Ted? Er schließt sich wieder ein und glaubt das Problem aussitzen zu können. Während von draußen vor der Türe Marvas vertraute Stimme erschallt („Let me in, Ted!“), nimmt in der Stube drinnen das Grauen seinen Lauf.
Auch das weiß jeder erfahrene Leser: Lefty übernimmt die Kontrolle, als Ted einschläft. Er rennt auf die Straße, fällt spontan Menschen an („the urge to kill“) und vergreift sich beinahe auch an Marva. Im letzten Moment greift Ted zur Notbremse: Er hackt sich den Kopf von der Brust und verbrennt ihn im Kaminfeuer.
Als er im Krankenhaus wieder zu sich kommt, erklärten ihn die kopfschüttelnden Ärzte für wahnsinnig und stecken ihn in die Klapsmühle. Immerhin glauben ihm die Verrückten.

DeadMans3Das unbeholfene Artwork stammt (wie so oft bei den Volltomaten) von Unbekannt und steigert die Krudität der Geschichte enorm.

Noch dazu zähle ich in sechs Bildern hineingemalte Totenköpfe oder Zombiefratzen (rein zur Dekoration!), die mit der Geschichte nichts zu tun haben, die keinen Kommentar abgeben, die auch niemand der handelnden Personen imaginiert.
Solche „Ornamente“ finden sich immer gern in minderwertigen Stories, wohl um den Grusel in Gang zu halten. Ein nahezu kindisches Stilmittel, das kein gutes Licht auf die Zeichner oder Redakteure wirft. Wieder einmal wird klar, dass oft mit Hilfskräften am Fließband produziert wird. Allerdings muss ich gestehen, dass gerade solche Geschichten mich am meisten begeistern.

Anmerkung zum Jahresende 2014:

Dieser Beitrag stammt aus den frühen Tagen von FIFTIES HORROR. Damals habe ich noch keine vollständigen Geschichten hochgeladen. Im Zuge einer Auffrischung meiner Webseite werden manche Beiträge in sogenannten „Re-Uploads“ komplettiert, andere werden verlinkt. Diese Geschichte können Sie UNTER DIESEM LINK auf Karswells gigantischem Blog „The Horrors of It All“ einsehen.

 


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