HORROR-HISTORIE: „The Old Witch“ in HIT COMICS (1940/1941)

HitComics1July1940

HIT COMICS Nr. 1 vom July 1940, vom Start weg mit Horror-Feature!

Comic-Archäologen graben gerne nach den ersten Vorkommen von Figuren oder Themen.
Die Horrorforschung beispielsweise entdeckt erste übernatürliche Geschichten schon VOR den bekannten Meilensteinen wie dem ersten kompletten Gruselheft (Avons EERIE von 1947).
Bekannt sind die wenigen Erzählungen unter dem Label „Tales of Terror“ im Comic YELLOWJACKET Mitte der 1940er-Jahre (Artikel dazu siehe HIER).

Ebenso in Betracht ziehen kann man das langlaufende Feature “Ghost Gallery” aus den Serien des Verlags Fiction House (im Herbst 1942 aufgelegt). Diese Storys handelten jedoch fast immer von der Aufdeckung und Entlarvung geschickt inszenierten Spuks.
Näher dran waren da die Geschichten aus dem Schwester-Feature „The Werewolf Hunter“ (ab 1943). Beispiele und nähere Betrachtungen finden Sie unter diesem LINK bei Besprechung dieser Comics als Nachdruckfassungen in den GHOST COMICS.

Deshalb war ich kaum überrascht, dass sich noch älterer Stoff finden lässt. Erstaunlich ist nur, dass meines Wissens nach noch niemand darüber geschrieben hat. Ich rede von dem Feature „The Old Witch“, das sich ab Sommer 1940 in Qualitys Anthologietitel HIT COMICS finden lässt.
In HIT COMICS Nr. 1 heißen die Gruselseiten noch „Weird Tales“, Erzählerin ist jedoch schon hier eine „old crone“, die den Leser direkt anspricht: „Come in out of the night, and I will tell you tales to freeze the marrow in your bones“.
Klassisches ‚Hosting‘ also, wie es EC zehn Jahre später aufgreift und populär macht!

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Erster Auftritt unserer Hexe, die hier jedoch noch respektvoll als „altes Weib“ tituliert wird, naja, was heißt schon respektvoll?

In HIT COMICS Nr. 2 heißt das Feature dann regulär „The Old Witch“ und behält dies bei bis Ausgabe Nr. 14 (im Herbst 1941)! Als Zeichner/Autor wird ein „Pierre Winter“ angegeben; solche ‚bylines‘ waren seinerzeit pure Fantasienamen, die Seriosität verströmen sollten. Man nimmt an, dass sich hinter diesem Pseudonym die Künstler Bob Hebberd, John Celardo, George Appel und selbst Reed Crandall (erscheint aber nur in Nr. 10) verborgen haben. Ansonsten ist das grauenvolle Artwork typisch 1940er-Jahre: flach, statisch, einfallslos.

Die Inhalte sind tatsächlich gültige Gruselgeschichten: Hexer, Dämonen, Geister, Piraten, entsprungene Mörder treiben ihr Unwesen. Auch handelte es sich hier nicht um „Happy-End-Händchenhalte“-Geschichten wie meist bei den  Precoders von ACG (ADVENTURES INTO THE UNKNOWN et al.), die deswegen von vielen Lesern nicht ernst genommen werden. Gut, manchmal sind es auch bei „The Old Witch“ händchenhaltende GEISTER, die den Schlusspunkt der Geschichte setzen…

Als Beispielgeschichte präsentieren wir (viele dieser alten Comics liegen in Netz nur als unscharfe Mikrofiche-Repro vor) die meiner Meinung nach schmissigste aus der Reihe.
Die unbetitelten fünf Seiten stammen aus HIT COMICS Nr. 6 vom Dezember 1940:
Die Waise Toni möchte ihrem brutalen Pflegeonkel entkommen – und gerät vom Regen in die Traufe!
Die Geschichte bietet einiges an Schauwert auf (Gruselwald, Panther, Höhlen, Gehängte) und stammt angeblich von John Celardo (den ich in den 1950er-Jahren sehr verehre).
Vorhang auf für frühesten Horror!

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