{"id":3600,"date":"2013-08-06T11:42:57","date_gmt":"2013-08-06T09:42:57","guid":{"rendered":"http:\/\/fifties-horror.de\/?page_id=3600"},"modified":"2013-09-04T14:53:47","modified_gmt":"2013-09-04T12:53:47","slug":"was-ist-ein-horror-comic","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/fifties-horror.de\/?page_id=3600","title":{"rendered":"Was ist ein Horror-Comic?"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage erscheint \u00fcberfl\u00fcssig, ist jedoch durchaus angebracht. Es geht um Trennsch\u00e4rfe. Betrachten wir nur einmal die Hefttitel: \u201eAdventures Into Terror\u201c klingt nach einem Gruselheft, ebenso \u201eDark Mysteries\u201c, \u201eHaunted Thrills\u201c oder \u201eJourney Into Fear\u201c. Wie verh\u00e4lt es sich aber bei \u201eAventures Into The Unknown\u201c? Ist \u201eBlack Cat Mystery\u201c ein Horrorcomic? Worunter fallen die \u201eTales Of The Unexpected\u201c? Der Titel allein markiert nicht unbedingt das Genre.<\/p>\n<p>Zudem gibt es einige \u201e<strong>Hybridhefte<\/strong>\u201c, die Horror mit <a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/HybridHeft2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-349 alignright\" title=\"HybridHeft2\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/HybridHeft2.jpg\" width=\"202\" height=\"293\" \/><\/a>Science Fiction (s. Abb. rechts), mit Humor oder mit Gangstergeschichten vermischen. Die Verleger haben auch immer mal wieder mit Inhalten experimentiert und zum Beispiel eine Gruselstory in ein gruselfremdes Heft gepackt.<br \/>\nDies waren Testballons f\u00fcr die Nachfrage bei der Leserschaft. Als Horrorcomic k\u00f6nnen wir ein Heft bezeichnen, deren Geschichten erstens auf einen gewissen G\u00e4nsehaut-Effekt aus sind, die zweitens \u00fcbernat\u00fcrlichen Ph\u00e4nomenen oder dem B\u00f6sen im Menschen verpflichtet sind, und die drittens nicht anderen Genres zugerechnet werden k\u00f6nnen (haupts\u00e4chlich Verbrechen, Science Fiction und Humor).<br \/>\n\u201eCrime\u201c-Comics waren ein Riesending schon in den 40er Jahren. Besonders brutale oder entgrenzende Handlungen werden ab und zu dem Horrorgenre angekreidet.<\/p>\n<h2>Warum die 50er Jahre?<\/h2>\n<p>Das Genre der Gruselcomics entsteht erst Ende der 40er Jahre. Im Jahr 1947 landet der Gruseltitel &#8222;Eerie&#8220; am Kiosk &#8211; ein einmaliger Versuch und seiner Zeit offenbar voraus. 1948 legt die American Comics Group die Serie \u201eAdventures Into The Unknown\u201c auf. Diese Reihe l\u00e4uft durch bis zum Jahr 1967 und bringt es auf 174 Ausgaben.<br \/>\nAtlas, der heutige Marvel-Verlag, zieht 1949 nach: die \u201eAmazing Mysteries\u201c bleiben ein kurzlebiger Versuch, erst 1950 steigt Atlas gro\u00df ein und ver\u00f6ffentlicht im Laufe von nur vier Jahren sage und schreibe 13 (!) nennenswerte Horrorserien (von ein paar weiteren Experimenten mal ganz abgesehen\u2026).<br \/>\n<strong>Im Jahre 1950 setzt der Goldrausch ein.<\/strong> Gleich sieben Verlage starten Gruselserien, auf dem H\u00f6hepunkt 1953\/54 tummeln sich ca. zwei Dutzend Herausgeber mit \u00fcber 100 Titeln an den Kiosken. Die Comics erscheinen monatlich oder zwei-monatlich, manche Verleger wechseln diesen Rhythmus auch munter hin und her. Sammler beziffern die Zahl der produzierten Hefte mit etwa 1.500.<\/p>\n<h2>Was bedeutet \u201epre-Code\u201c?<\/h2>\n<div id=\"attachment_351\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/CoverWild1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-351\" class=\"size-full wp-image-351 \" title=\"CoverWild1\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/CoverWild1.jpg\" width=\"230\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/CoverWild1.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/CoverWild1-205x300.jpg 205w\" sizes=\"(max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-351\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Pre-Code&#8220;-Horrorheft der Reihe DARK MYSTERIES: Hier hat der Schrecken noch Hand &#8211; und Fu\u00df&#8230;<\/p><\/div>\n<p>Der sogenannte \u201e<strong>Comics Code<\/strong>\u201c ist eine Wegmarke, eine Markierung in Davor und Danach. Man spricht von \u201epre-Code\u201c und \u201epost-Code\u201c. Der Code ist die freiwillige Selbstkontrolle, die Hauszensur der Comicverleger. Sie reagiert auf die emp\u00f6rte \u00d6ffentlichkeit, die diesen \u201eSchund\u201c nicht mehr an \u201eKinder\u201c verkauft sehen will und tritt zum Jahreswechsel 1954\/55 in Kraft.<\/p>\n<p>Der Code verbietet die Benutzung von Reizworten (\u201eHorror\u201c und \u201eTerror\u201c, auch der Begriff \u201eCrime\u201c darf nicht mehr gro\u00df ausgestellt werden) und Darstellung von Gewalt. Fast alle Gruselheftserien werden eingestellt, ein paar wenige schleppen sich \u201ecode-approved\u201c noch ein halbes Jahr \u00fcber die Runden. Ab dem Jahr 1955 pappt ein briefmarkengro\u00dfes Siegel prominent oben rechts auf allen Comictiteln.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-352 alignright\" title=\"Code-Siegel\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/files\/media\/\/2011\/04\/Code-Siegel-247x300.jpg\" width=\"110\" height=\"134\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/Code-Siegel-247x300.jpg 247w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/Code-Siegel.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 110px) 100vw, 110px\" \/><\/p>\n<p>Das Verlagshaus von \u201eSuperman\u201c, DC, setzt ihr \u201eHouse of Mystery\u201c fort, und den l\u00e4ngsten Atem beweist Marktf\u00fchrer Atlas, der gleich neun Serien erfolgreich ummodelt.<br \/>\nDank des Comics Code kennen wir einen klaren Endpunkt: die \u201epre-Code-Horrorcomics der 50er Jahre\u201c sind ein handlich definiertes Fachgebiet.<\/p>\n<h2>Weshalb US-amerikanische Ware?<\/h2>\n<p>Die (\u00fcbrigens meist in New York ans\u00e4ssigen) US-amerikanischen Verleger waren die ersten, die besten, die eifrigsten. Comics gelten nicht zu Unrecht als DIE ureigene Kunstform der USA.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnenswerte Ausnahme ist der kanadische SUPERIOR-Verlag, der 53 pre-code-Horrorhefte beisteuerte. Deren Inhalte allerdings wurden von Zeichenstudios in den USA best\u00fcckt.<\/p>\n<h2>Was ist \u201eEC\u201c?<\/h2>\n<p>Immer wieder werden Sie bei der Lekt\u00fcre \u00fcber die Initialen \u201eEC\u201c stolpern. Gemeint ist damit der Verlag \u201e<strong>Entertaining Comics<\/strong>\u201c. Urspr\u00fcnglich stand EC einst f\u00fcr \u201eEducational Comics\u201c (wer Interesse an der genaueren Geschichte hat, lese die separate Abhandlung \u00fcber die EC Comics).<br \/>\nEC ist ein kleines, aber feines Haus. 1950 ruft das Management den \u201enew trend\u201c aus. Sie wollen ihren Lesern die besten Geschichten illustriert von den besten Zeichnern bieten. <strong><br \/>\nEine Qualit\u00e4tsoffensive, die tats\u00e4chlich gelingt.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_353\" style=\"width: 212px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/CoverZahm1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-353\" class=\"size-full wp-image-353  \" title=\"CoverZahm1\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/CoverZahm1.jpg\" width=\"202\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/CoverZahm1.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/CoverZahm1-207x300.jpg 207w\" sizes=\"(max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-353\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Post-Code&#8220;-Horrorheft, beachten Sie das Siegel am rechten oberen Bildrand.<\/p><\/div>\n<p>EC steigt mit drei Serien in den Gruselmarkt ein: TALES FROM THE CRYPT, VAULT OF HORROR und HAUNT OF FEAR. EC zahlt die besten Geh\u00e4lter in der Branche und behandelt seine K\u00fcnstler wie Stars.<br \/>\nJohnny Craig, Graham Ingels, Jack Davis, Al Feldstein, Wallace Wood und Harvey Kurtzman werden zu Giganten der Comicszene. Eine internationale Fangemeinschaft verehrt sie bis heute.<br \/>\nEC Comics sind unbestritten die besten ihrer Zeit, gelten als Sammlerobjekte und wurden tats\u00e4chlich komplett nachgedruckt. <strong>\u00dcber diesem \u201eHype\u201c ist der komplette Rest der Comicproduktion dieser Jahre total vernachl\u00e4ssigt worden<\/strong>.<br \/>\nDie Nachahmer und Konkurrenten von EC erfahren erst seit den fr\u00fchen 90er Jahren eine W\u00fcrdigung. Inzwischen sind auch die Hefte von Verlagen wie Harvey, Story, Fawcett, Superior, Ajax, Charlton und Gillmor begehrte und teure Sammlerware.<\/p>\n<p>Um EC aber hat sich ein Mythos gesponnen, der auch damit zu tun hat, dass die Macher Bill Gaines und Al Feldstein kompromisslos Haltung bewiesen haben. Sie legen sich wiederholt und heftig mit der Comics Code Authority an und schmei\u00dfen am Ende mit gro\u00dfer Geste den Krempel hin.<br \/>\nGute Hefte, gute Publicity und treue Fans sichern EC einen Ruf wie Donnerhall. Dass viele Geschichte Rohrkrepierer sind und einige nicht gut gezeichnet, wird gn\u00e4dig unter den Teppich gekehrt. Im Endeffekt aber gilt: EC produzierte einfach weniger Ausschuss als all die anderen.<\/p>\n<p>Nicht zu untersch\u00e4tzen, ja wahrscheinlich sogar entscheidend f\u00fcr die Qualit\u00e4t von EC ist die dauerhafte Pr\u00e4senz der \u201e<strong>horror hosts<\/strong>\u201c Crypt Keeper, Vault Keeper und Old Witch. Jede EC-Horrorgeschichte wird eingerahmt von diesen Erz\u00e4hlern. Der Leser wird nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern wie ein Freund empfangen. Es wird eine explizite Vereinbarung geschlossen:<br \/>\nDer Erz\u00e4hler nimmt den Leser bei der Hand und f\u00fchrt ihn durch eine spannende, aber streng fiktive Handlung. Am Ende wird er verabschiedet und in die Obhut des n\u00e4chsten Erz\u00e4hlers entlassen.<\/p>\n<p>In den Horrorcomics des EC-Verlags waren stets s\u00e4mtliche Hosts vertreten, die sich im Erz\u00e4hlen ihrer M\u00e4rchen abwechselten. Auch auf den Leserbriefseiten der Hefte wird ein scherzhafter Ton gepflegt. Leser schicken ihre Kalauer-Ideen ein, die drei Hosts versuchen, diese noch zu \u00fcberbieten oder kess zu kommentieren.<br \/>\nSehr sch\u00f6n zum Beispiel der Leserbrief zweier Jungs aus Missouri, die stolz behaupten, fast alle EC-Hefte zu besitzen \u2013 und gerne Kontakt zu anderen Sammlern aufnehmen m\u00f6chten. Trockener Kommentar der Redaktion: \u201eThis sounds like a trap\u201c.<\/p>\n<p>Es geht um nichts Weiteres als die Verk\u00f6stigung des Betrachters mit \u201e<strong>Lesefutter<\/strong>\u201c. Die Old Witch in der Serie \u201eHaunt Of Fear\u201c fordert den Leser im Er\u00f6ffnungsmonolog auf, sich wie auf den Empfang einer Speise vorzubereiten: Tritt ein, nimm Platz, du bist bestimmt hungrig, binde dein L\u00e4tzchen um, klemm dir die Sabbertasse (\u201edrool cup\u201c!) unters Kinn, labe dich an meinem Men\u00fc f\u00fcr heute\u2026<\/p>\n<div id=\"attachment_354\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-354\" class=\" wp-image-354    \" title=\"OldWitch2\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/OldWitch2-890x1024.jpg\" width=\"320\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/OldWitch2-890x1024.jpg 890w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/OldWitch2-260x300.jpg 260w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/OldWitch2-624x717.jpg 624w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/OldWitch2.jpg 1032w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><p id=\"caption-attachment-354\" class=\"wp-caption-text\">Die \u201cOld Witch\u201d aus dem Hause EC<\/p><\/div>\n<p>All das schafft Distanz zur bevorstehenden Erz\u00e4hlung, es ironisiert sie. Die \u00fcber zwei Dutzend Konkurrenzverlage sind diesen Weg (meist) nicht gegangen.<br \/>\nEigentlich r\u00e4tselhaft, warum man dieses erfolgreiche Konzept nicht kopiert hat (vielleicht aber auch gerade deswegen \u2013 kopiert wurde in diesen Jahren schon zuviel, oft auch mit gerichtlichen Konsequenzen).<\/p>\n<p>Es gibt Versuche und Ans\u00e4tze, sich mit Erz\u00e4hlerfiguren ganz anderer Natur abzugrenzen.<br \/>\nDer titelgebende \u201eMister Mystery\u201c der Comicprodukte von Stanley Morse (der seine eigenen Hefte \u00fcberhaupt nie gelesen haben will) ist ein maskierter Gentleman im Kost\u00fcm eines B\u00fchnenzauberers und wartet mit \u00fcberaus zynischen Kommentaren auf. Ein Unsympath ersten Ranges.<\/p>\n<p>\u201eThe Mummy\u201c aus dem Hause Fawcett ziert die Reihe \u201eBeware! Terror Tales\u201c. Und der leichenblasse Kollege \u201eDoctor Death\u201c versucht sich als Conferencier der Ausgaben von \u201eThis Magazine Is Haunted\u201c.<\/p>\n<p>Und der Charlton Verlag etabliert in der Heftserie \u201eThe Thing\u201c einen unsichtbaren und k\u00f6rperlosen Erz\u00e4hler namens (aha!) \u201eThe Thing\u201c, der sich den Meta-Spa\u00df erlaubt, im Text vorkommende Wortverbindungen mit \u201e\u2026thing\u2026\u201c (auch in Sprechblasen!) in anderer Typographie hervorzuheben. Eine \u00e4u\u00dferst merkw\u00fcrdige und ziemlich sinnlose Alleinstellungsma\u00dfnahme.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich fehlt all diesen Epigonen die dem Humanismus entspringende Ironie.<br \/>\nEntweder sind sie langweilig, beliebig, \u00fcberfl\u00fcssig oder bewirken Eskalation des schlechten Geschmacks.<\/p>\n<h2>Wie grausig ist der Horror?<\/h2>\n<p>Es ist nicht so, dass in den Horrorcomics der 50er Jahre das Blut spritzt. Ich habe \u00fcberhaupt wenig Blut in diesen Heften gesehen. Wenn Gewalt vorkommt (und das tut sie oft), dann meistens im \u201eOff\u201c und nicht im direkten Blickfeld. Oder wir erleben den Moment, bevor Objekt und K\u00f6rper zusammentreffen.<br \/>\nDie Bluttaten spielen sich also in der Phantasie des Betrachters ab. Deswegen sind die Handvoll Geschichten, die das Resultat einer Gewalttat zeigen, auch schon der Gipfel der grafischen Grausamkeit. Mir fallen da mehrere Comics ein, die bluttriefende abgeschlagene K\u00f6pfe darstellen. Unappetitlich sind nat\u00fcrlich die zahlreichen \u201erotting corpses\u201c, die halbverwesten Leichen, die untot durch die Gegend tattern. Mal realistischer, mal harmloser gezeichnet.<\/p>\n<div id=\"attachment_3957\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2013\/08\/FoulPlayDetail.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3957\" class=\" wp-image-3957\" alt=\"FoulPlayDetail\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2013\/08\/FoulPlayDetail.jpg\" width=\"700\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2013\/08\/FoulPlayDetail.jpg 700w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2013\/08\/FoulPlayDetail-300x146.jpg 300w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2013\/08\/FoulPlayDetail-624x304.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3957\" class=\"wp-caption-text\">Das ber\u00fcchtigte Baseball-Spiel mit K\u00f6rperteilen<\/p><\/div>\n<p>EC-Chefredakteur Albert Feldstein hat dargelegt, dass in den Entertaining Comics reale Gewalt, wie sie im Leben vorkommt (erschie\u00dfen, erstechen, erw\u00fcrgen) immer ins Bild-Abseits verlagert wurde \u2013 phantastische Gewalt jedoch, wie sie niemals in der Wirklichkeit auftritt, sehr wohl den H\u00f6hepunkt der Geschichte markierte und somit auch dargestellt wurde.<\/p>\n<p><strong>Wie die Pointe eines Witzes tauchen also groteske Geschmacksverletzungen im Bild auf.<\/strong><\/p>\n<p>Zum Beispiel der Mensch, mit dessen K\u00f6rperteilen ein Baseballspiel abgehalten wird (\u201eFoul Play\u201c, illustriert von Jack Davis in HAUNT OF FEAR Nr. 19).<\/p>\n<p>Das ist einfach krass und (hoffentlich) so unrealistisch, dass es niemand ernst nimmt. Dennoch bleibt ein Schock. Und damals wie heute denken wahrscheinlich nicht wenige Menschen, dass solche Darstellungen bei Kindern und Jugendlichen mehr als nur einen Schock ausl\u00f6sen k\u00f6nnten. Interessant ist allerdings, dass solche <strong>\u201eVerrohungs\u201c-Diskussionen<\/strong> nach wie vor gef\u00fchrt werden, sich aber von Comics auf Splatter-Filme und die so genannten \u201eBallerspiele\u201c verschoben haben.<\/p>\n<div id=\"attachment_356\" style=\"width: 215px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/MisterMystery1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-356\" class=\"size-full wp-image-356  \" title=\"MisterMystery1\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/MisterMystery1.jpg\" width=\"205\" height=\"302\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/MisterMystery1.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/MisterMystery1-203x300.jpg 203w\" sizes=\"(max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-356\" class=\"wp-caption-text\">Gro\u00dfartiges Titelmotiv, aber auch grenzwertig<\/p><\/div>\n<p>Der schlechte Ruf, den sich die Comics in den 50er Jahren verdient haben, d\u00fcrfte zum gro\u00dfen Teil allerdings in der Covergestaltung begr\u00fcndet sein. Viele Titel sind l\u00e4cherlich, viele Titel sind nicht der Rede wert, aber genauso viele Titel lassen den Betrachter zusammenzucken.<br \/>\nSie bieten einen Schl\u00fcsselreiz, auf den man nur mit Beunruhigung oder gar innerem Aufruhr reagieren kann. Die w\u00fcsten Cover aus dem Hause Gillmor\/Stanley Morse sind sicher die Speerspitze \u2013 ein Schrei nach medialer Aufmerksamkeit, der nicht ungeh\u00f6rt blieb.<\/p>\n<p>Soll man Horrorcomics von Kindern fernhalten? Unbedingt. Kinder sind nicht gut in Ironie. Ohne Ironie sind die Gruselhefte der 50er Jahre nicht goutierbar.<br \/>\nIronie ist etwas, was man sich als Jugendlicher aneignet. Fragt sich nur, wo (damals wie heute) die Grenze verl\u00e4uft zwischen \u201eKind\u201c und \u201eJugendlicher\u201c. Irgendwo zwischen 12 und 16 Jahren, nehme ich an. Kein 16-J\u00e4hriger wird mehr Schaden nehmen an diesen Horrorcomics.<\/p>\n<p>Im heutigen Splatter-Genre ist die Ware mittlerweile so hart, dass man sich als Betrachter eine Ironie dazu erfinden muss, um untraumatisiert zu bleiben. Zu Recht gilt hier eine Freigabe erst ab 18 Jahren.<\/p>\n<h2>Nochmal zur\u00fcck zur Ironie: Es geht nicht ohne.<\/h2>\n<p>Schon die g\u00e4ngigen \u201eAnmoderationen\u201c der meisten Geschichten strotzen vor \u00dcbertreibungen, die niemals einl\u00f6sbar sind. Ich habe mal spa\u00dfeshalber die monotonen Gruselversprechen der Redakteure versammelt:<\/p>\n<p>\u201eYour blood will freeze\u201c \u2013 Dein Blut wird gefrieren<br \/>\n\u201eYour skin will crawl\u201c \u2013 Dich packt die G\u00e4nsehaut<br \/>\n\u201eYour spine will tingle\u201c \u2013 Dir l\u00e4uft es kalt \u00fcber den R\u00fccken<br \/>\n\u201cYour knees will quake\u201d \u2013 Deine Knie werden schlottern<br \/>\n\u201eYour hair will stand on end\u201c \u2013 Dir werden die Haare zu Berge stehen<\/p>\n<p>Das einzige was mir \u00f6fters passiert ist, ist folgendes: Meine Zehenn\u00e4gel haben sich aufgerollt. Und zwar vor ungl\u00e4ubigem Staunen, welcher Unfug mir pr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em><strong>Nachtrag zum Thema Comics Code:<\/strong><\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center\">Stan Lee vs. Dr. Wertham<\/h3>\n<p>Nicht nur die Macher von EC haben sich in ihren Heften gegen den Vorwurf gewehrt, die Jugend zu verderben\u2026 Auch die Marvel-Comics (bzw. in jener Zeit als Atlas oder Timely bezeichnet) unter Redakteur Stan Lee haben einen klaren Standpunkt zur drohenden Zensur eingenommen.<\/p>\n<p>Marvel-Fachmann Michael Vassallo wie auch der Blogger Karswell haben im Internet eine h\u00f6chst interessante Geschichte ver\u00f6ffentlicht: In \u201eThe Raving Maniac\u201c illustriert Joe Maneely auf vier k\u00f6stlichen Seiten, wie ein Wertham-Adept das B\u00fcro von Stan Lee st\u00fcrmt und sich \u00fcber die Comics emp\u00f6rt.<br \/>\n<strong>Stan Lee bl\u00e4st ihm den Marsch mit sachlichen Argumenten.<\/strong> Am Ende wird der tobende Besucher in die Klapsm\u00fchle verbracht, Stan Lee geht nach Hause zu Frau und Kind und erz\u00e4hlt seiner Tochter als Gutenachtgeschichte eine wirklich fantastische M\u00e4r &#8211; dass es Menschen gibt, die nichts Besseres zu tun haben als sich \u00fcber Comichefte aufzuregen.<\/p>\n<p>\u201eThe Raving Maniac\u201c erschien schon im April 1953 (in SUSPENSE Nr. 29). Hut ab!<br \/>\nDiese \u201eRealsatire\u201c steht den deftigen Statements von Feldstein &amp; Gaines in nichts nach. Je mehr ich mich mit pre-code-Horrorheften besch\u00e4ftige, desto gr\u00f6\u00dfer wird mein Respekt vor Timely\/ Atlas\/ Marvel (ich nenne den Verlag auf dieser Website \u201eAtlas\u201c \u2013 wie auch andere Comicforscher, wenn auch nicht alle).<\/p>\n<p>Allerdings hasse ich sie immer noch daf\u00fcr, dass sie den Markt in den 50er Jahren mit Dutzenden von austauschbaren Titeln \u00fcberschwemmt haben. Mit derselben Strategie haben sie 20 Jahre sp\u00e4ter den zweiten Horror-Boom plattgemacht. Aber das ist nicht mehr mein Fachgebiet\u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1701\" title=\"RavingManiac1\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac1.jpg\" width=\"1000\" height=\"1506\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac1.jpg 1000w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac1-199x300.jpg 199w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac1-679x1024.jpg 679w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac1-624x939.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1702\" title=\"RavingManiac2\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac2.jpg\" width=\"1000\" height=\"1493\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac2.jpg 1000w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac2-200x300.jpg 200w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac2-685x1024.jpg 685w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac2-624x931.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1703\" title=\"RavingManiac3\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac3.jpg\" width=\"1000\" height=\"1491\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac3.jpg 1000w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac3-201x300.jpg 201w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac3-686x1024.jpg 686w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac3-624x930.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1704\" title=\"RavingManiac4\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac4.jpg\" width=\"1000\" height=\"1493\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac4.jpg 1000w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac4-200x300.jpg 200w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac4-685x1024.jpg 685w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/RavingManiac4-624x931.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage erscheint \u00fcberfl\u00fcssig, ist jedoch durchaus angebracht. Es geht um Trennsch\u00e4rfe. Betrachten wir nur einmal die Hefttitel: \u201eAdventures Into Terror\u201c klingt nach einem Gruselheft, ebenso \u201eDark Mysteries\u201c, \u201eHaunted Thrills\u201c oder \u201eJourney Into Fear\u201c. Wie verh\u00e4lt es sich aber bei \u201eAventures Into The Unknown\u201c? Ist \u201eBlack Cat Mystery\u201c ein Horrorcomic? Worunter fallen die \u201eTales Of [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":3802,"parent":3594,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page-wissen.php","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3600"}],"collection":[{"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3600"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3600\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3594"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3802"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}