{"id":3602,"date":"2013-08-06T11:43:54","date_gmt":"2013-08-06T09:43:54","guid":{"rendered":"http:\/\/fifties-horror.de\/?page_id=3602"},"modified":"2013-09-03T09:38:29","modified_gmt":"2013-09-03T07:38:29","slug":"aufbau-eines-50er-jahre-comicheftes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/fifties-horror.de\/?page_id=3602","title":{"rendered":"Aufbau eines 50er Jahre Comicheftes"},"content":{"rendered":"<p>Zeitgen\u00f6ssische Leserinnen und Leser stutzen wom\u00f6glich \u00fcber die Struktur eines alten Comicheftes. Wer nur europ\u00e4ische Comicalben wie \u201eAsterix\u201c oder die \u201eLustigen Taschenb\u00fccher\u201c kennt, mag befremdet sein vom US-amerikanischen Look. Deshalb hier ein paar Hinweise:<\/p>\n<p>Das <span style=\"color: #ff0000;\">Cover<\/span> ist <strong>so rei\u00dferisch wie nur irgend m\u00f6glich<\/strong>. Am besten sogar rei\u00dferischer als es der gute Geschmack erlaubt. Ein Teil der Faszination f\u00fcr 50er Jahre Horror geht vom \u201eshocking\u201c-Faktor der Titelbl\u00e4tter aus. Grell, bunt, geheimnisvoll, wenn es geht wird eine sch\u00f6ne Frau hineinkomponiert, gerne sp\u00e4rlich bekleidet und in einer Notsituation dargestellt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/MisterMystery5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-370\" title=\"MisterMystery5\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/MisterMystery5.jpg\" width=\"280\" height=\"415\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/MisterMystery5.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/MisterMystery5-202x300.jpg 202w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>All das strapaziert auf Dauer die moralischen Sensoren einer Gesellschaft. Weshalb der Comics Code (die Selbstzensur der Verleger, auf die \u00f6ffentliche Emp\u00f6rung hin eingerichtet) dem Treiben zum Jahresanfang 1955 auch ein Ende bereitet.<\/p>\n<p>Manche Serien scheinen mehrere Titel zu f\u00fchren. Die Reihe \u201eAstonishing\u201c gibt sich den dar\u00fcber laufenden Spruch \u201eTerror Tales In The Night\u201c. Andere Serien drucken (neben dem Titel) auf dem Seitenrand Schlagworte ab wie \u201eWeird\u201c, \u201eFantastic\u201c, \u201eStrange\u201c, \u201eHorror\u201c oder \u201eMystery\u201c.<br \/>\nZum einen diente dies der besseren Erkennbarkeit am Kiosk, falls der Titel von anderen Heften \u00fcberdeckt war, zum anderen wollte man oft einfach <strong>m\u00f6glichst viele Reizworte<\/strong> unterbringen.<\/p>\n<p>Merke: das Cover muss nicht unbedingt etwas mit dem Inhalt zu tun haben!<br \/>\nEinige Titel sind reine \u201eteaser\u201c. Zum Beispiel Don Hecks legend\u00e4r sch\u00f6ne Titelbilder f\u00fcr die Serien \u201eHorrific\u201c und \u201eWeird Terror\u201c.<\/p>\n<p>Die <span style=\"color: #ff0000;\">Preisauszeichnung <\/span>findet sich jeweils im Kopfbereich des Titels, <strong>alle diese Hefte kosten 10 Cent<\/strong>. Sagenhaft preiswerte 10 Cent, der sogenannte \u201edime\u201c. Die Wertsteigerung der Hefte l\u00e4sst nicht nach, ein mittelpr\u00e4chtig erhaltenes Exemplar bringt heute gut und gerne 50 Dollar. Druckfrische oder von der Szene (des Inhaltes wegen) gehypte Einzelhefte sind das Vielfache wert.<\/p>\n<p>Die <span style=\"color: #ff0000;\">Struktur <\/span>eines Heftes ist meist diese: Vier Comic-Kurzgeschichten variierend zwischen 6 und 8 Seiten pro Story. Bei den EC Comics sehen alle Hefte so aus. EC verzichtete aber auch auf Fremdwerbung und brachte nur Werbung f\u00fcr eigene Produkte. Wenn im Heft noch t\u00fcchtig Werbung geschaltet ist, finden sich auch 5- oder 4-seitige Geschichten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Werbung <\/span>\u00fcbrigens gab es f\u00fcr alles M\u00f6gliche und Unm\u00f6gliche. Darunter Dinge, die man nie in einem Heft f\u00fcr heranwachsende Jungs erwarten w\u00fcrde. Hier eine Listung, was ich alles f\u00fcr <span style=\"color: #000000;\">Anzeigen <\/span>entdeckt habe:<br \/>\nBriefmarken, Spielzeugsoldaten, Zeichenkurse, Tanzkurse, Autoreparaturkurse, Haarwuchsmittel, Miederwaren (!), Hautpigmentierungsentferner, Fu\u00dfpilztinktur, Feuerwerksk\u00f6rper, Musikinstrumente, Rosenkr\u00e4nze (!), Star-Autogramme, Uhren, Ringe, Tabletten gegen Bettn\u00e4ssen, Schraubenzieher-Sets, Gewichtsreduktions-Kaugummis, Angelzubeh\u00f6r, Damenpyjamas, Scherzartikel, Fahrr\u00e4der, Ratgeberb\u00fccher und beinahe obligatorisch in fast jedem Heft \u2013 Bodybuilding! Oder, mit den Worten von Charles Atlas pers\u00f6nlich: \u201eI can make YOU a He-Man at home!\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_372\" style=\"width: 382px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-372\" class=\" wp-image-372     \" title=\"TerrorComes\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/TerrorComes.jpg\" width=\"372\" height=\"548\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/TerrorComes.jpg 620w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/TerrorComes-203x300.jpg 203w\" sizes=\"(max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><p id=\"caption-attachment-372\" class=\"wp-caption-text\">Typischer Splash mit Summary (die Schriftrolle oben rechts). Mit dem zweiten Bild setzt dann die Geschichte ein.<\/p><\/div>\n<p>Jeder 50er Jahre Comic enth\u00e4lt neben den gezeichneten auch eine <span style=\"color: #ff0000;\"> Textgeschichte <\/span>von einer oder zwei Seiten L\u00e4nge. Diese fungiert als reines Alibi. Kein literarisches Angebot, sondern ein Feigenblatt, um die \u201eMinderwertigkeit\u201c des Produktes zu verdecken. Das Vorweisen einer Textgeschichte gew\u00e4hrte den Verlegern postalische oder preistechnische Privilegien (bekomme es nicht genau erinnert, aber darum ging es).<\/p>\n<p>Jede Geschichte im Heft beginnt mit einem <span style=\"color: #ff0000;\">\u201esplash\u201c<\/span>. Dies ist der Fachausdruck f\u00fcr ein <strong>gro\u00dfformatiges Er\u00f6ffnungsbild<\/strong>. Dieses markiert den Beginn der Erz\u00e4hlung oder trumpft auf (meistens) mit dem dramatischen H\u00f6hepunkt \u2013 ein \u201eVorschau\u201c-Bild sozusagen.<\/p>\n<p>Oft findet sich daneben noch ein Textkasten, eine Art \u201esummary\u201c der Geschichte. Leser, die noch nie alte Comics in H\u00e4nden hielten, sind geneigt, den Splash samt Summary f\u00fcr ein \u201eWas bisher geschah\u2026\u201c zu halten.<br \/>\nWeit gefehlt. Es ist ein Teaser, ein Trailer, ein dramatischer Schrei nach Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Manche Serien bedienen sich eines oder mehrerer <span style=\"color: #ff0000;\">\u201ehosts\u201c<\/span>. Diese Gastgeber tauchen im Splash auf, liefern eine (meist ironische) \u201esummary\u201c und sprechen im Schlussbild der Geschichte oft noch ein <strong>moralisches Fazit<\/strong> aus.<br \/>\nDer wohl ber\u00fchmteste Host der Comicgeschichte ist der \u201eCrypt Keeper\u201c aus dem EC Verlag, der den Leser durch seine \u201eCrypt Of Terror\u201c in der Heftreihe \u201eTales From The Crypt\u201c f\u00fchrt (zu deutsch: \u201eGeschichten aus der Gruft\u201c). Der Crypt Keeper ist eine Mischung aus Totengr\u00e4ber und Leichenfledderer, der in den Katakomben und Mausoleen der Friedh\u00f6fe haust.<\/p>\n<div id=\"attachment_373\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-373\" class=\"size-full wp-image-373\" title=\"CryptKeeper\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/CryptKeeper.jpg\" width=\"180\" height=\"250\" \/><p id=\"caption-attachment-373\" class=\"wp-caption-text\">Der Crypt Keeper hei\u00dft seine Leserschaft willkommen.<\/p><\/div>\n<p>EC kreierte analog zum Crypt Keeper den Vault Keeper sowie die Old Witch. Alle drei Horrorserien dieses Hauses hatten somit eine durchg\u00e4ngige Identit\u00e4tsfigur. Andere Verlage sprangen auf diesen Zug auf, heraus kamen allerdings meist ungelenke und eher unfreiwillig komische Kopien wie der \u201eKeeper of the graveyard\u201c, \u201eDr. Graves\u201c, \u201eMister Mystery\u201c oder \u201eBaron Werewulf\u201c. Am markantesten ist noch \u201eThe Mummy\u201c aus dem Hause Fawcett, eine sardonisch grinsende Faltenvisage. Auf den Covern der Serie \u201eBeware! Terror Tales\u201c versucht sie den Leser ins Heft zu ziehen.<\/p>\n<p>Die meisten Geschichten enden mit einem <span style=\"color: #ff0000;\">\u201etwist\u201c<\/span>, einer <strong>unerwarteten Wendung<\/strong> im letzten Bild: Die totgeglaubte Person lebt noch, der M\u00f6rder tappt in die eigene Falle, das Monster wird von einem sich pl\u00f6tzlich demaskierenden zweiten Monster neutralisiert, der B\u00f6sewicht bezahlt seine Untaten mit Abdriften in den Wahnsinn.<br \/>\nTwists sind gerne ironischer Natur, die Comics von EC sind darauf spezialisiert. In der Tat macht (schwarzer) Humor die manchmal \u00e4u\u00dferst heftigen Vorkommnisse ertr\u00e4glicher. Ich m\u00f6chte behaupten: <strong>Eine gute Horrorgeschichte wird stets mit einem zwinkernden Auge pr\u00e4sentiert.<br \/>\n<\/strong>Alles andere ist Trash oder Pipifax oder Splatter.<\/p>\n<p><em>Weil es so sch\u00f6n ist, hier noch eine tolle (allerdings grausig kolorierte) Splashpage: <\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/GoddessMurder.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-374 alignnone\" title=\"GoddessMurder\" alt=\"\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/GoddessMurder.jpg\" width=\"620\" height=\"859\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/GoddessMurder.jpg 620w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2011\/04\/GoddessMurder-216x300.jpg 216w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeitgen\u00f6ssische Leserinnen und Leser stutzen wom\u00f6glich \u00fcber die Struktur eines alten Comicheftes. Wer nur europ\u00e4ische Comicalben wie \u201eAsterix\u201c oder die \u201eLustigen Taschenb\u00fccher\u201c kennt, mag befremdet sein vom US-amerikanischen Look. Deshalb hier ein paar Hinweise: Das Cover ist so rei\u00dferisch wie nur irgend m\u00f6glich. Am besten sogar rei\u00dferischer als es der gute Geschmack erlaubt. Ein Teil [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":3802,"parent":3594,"menu_order":5,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page-wissen.php","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3602"}],"collection":[{"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3602"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3602\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3594"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3802"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fifties-horror.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}