{"id":6143,"date":"2015-05-07T12:43:48","date_gmt":"2015-05-07T10:43:48","guid":{"rendered":"http:\/\/fifties-horror.de\/?page_id=6143"},"modified":"2016-03-17T12:20:18","modified_gmt":"2016-03-17T11:20:18","slug":"exzesse-auf-papier","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/fifties-horror.de\/?page_id=6143","title":{"rendered":"Exzesse auf Papier"},"content":{"rendered":"<p><b>Das US-Comicheft der 40er und 50er Jahre \u2013 ein Schnelldurchlauf<\/b><\/p>\n<p>Man muss Superman dankbar sein. Auch wenn es mir schnurzpiepegal ist, wie oft er die Welt gerettet hat, dann muss ich ihm doch danken, dass er mein Lieblings-Printmedium am Leben gehalten hat: das Comicheft!<\/p>\n<p>Denn in jenem Sommer 1938 ziert der Alien-Athlet vom Planeten Krypton das Titelbild der<br \/>\nACTION COMICS Nr. 1, jener \u201eMona Lisa\u201c der \u201ecomic books\u201c \u2013 grotesk teuer gehandelt auf dem heutigen Sammlermarkt. ACTION COMICS Nr. 1 ist in der Tat ein Meilenstein, denn es <b>begr\u00fcndet das Genre der Superheldencomics<\/b>, l\u00f6st eine Lawine weiterer Heldenheftchen aus, ist der Urknall eines Comiczeitalters (welches aus der Retrospektive als \u201eGolden Age\u201c bezeichnet werden wird), etabliert eine k\u00fcnstlerische Industrie \u2013 und h\u00e4lt diese bis heute am Laufen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe und kleine Zeichenstudios schie\u00dfen aus dem Boden, welche hunderte gro\u00dfer und kleiner Superhelden in den Himmel schleudern. Was nicht sofort wieder als lebensunf\u00e4higer Klon herunterf\u00e4llt oder von der Rechtsabteilung der DC Comics abgeschossen wird, fliegt zumindest ein paar Hefte lang und verschafft jungen Kunststudenten ihre erstverdienten Kr\u00f6ten.<\/p>\n<div id=\"attachment_6144\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Action2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6144\" class=\" wp-image-6144\" alt=\"Action2\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Action2.jpg\" width=\"280\" height=\"387\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Action2.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Action2-216x300.jpg 216w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6144\" class=\"wp-caption-text\">Kennt kein Schwein: ACTION COMICS Nr. 2<\/p><\/div>\n<p>Die bunten \u00dcbermenschen in ihren unpraktischen Kost\u00fcmen sorgen f\u00fcr soziale Gerechtigkeit, bek\u00e4mpfen Verbrechen und Korruption \u2013 und geben den arischen \u00dcbermenschen in Nazideutschland t\u00fcchtig eins auf die M\u00fctze. Der F\u00fchrer selbst wird Opfer von Superheldenselbstjustiz, oft genug trifft es jedoch nur einen Hitler-Doppelg\u00e4nger (hah!).<\/p>\n<p>Jede Mode geht vor\u00fcber, und so kommt es, dass die Comicindustrie sich auf die Suche begibt nach neuen M\u00e4rkten, Trends und Zielgruppen. Im Endresultat <b>wird alle paar Jahre eine neue Sau durchs Dorf getrieben<\/b> (ein sch\u00f6ner Vergleich ist die<br \/>\nKopier-Wut des deutschen Fernsehens \u2013 auf die Talkshow-Welle folgt die Game-Show-Welle folgt die Reality-TV-Welle folgt die Casting-Show-Welle etc.).<\/p>\n<p>Der Verlag Fiction House dr\u00e4ngt ab 1940 mit Abenteuercomics auf den Markt, die ihren Lesern <b>bunte Wundert\u00fcten vielf\u00e4ltigster Actionhelden<\/b> pr\u00e4sentieren. Boxer, Spione, Piraten, Flieger, Soldaten, Taucher und Entdecker paradieren superheldengleich durch die knalligen Seiten von FIGHT COMICS, RANGER COMICS und WINGS COMICS.<\/p>\n<p>Mit der Serie JUNGLE COMICS kopiert man gnadenlos Tarzan \u2013 und geht sogar noch einen (vermeintlich emanzipatorischen) Schritt weiter: Tarzans Jane wird mit der Erfindung der Dschungelamazone SHEENA selbst\u00e4ndig und darf eine Heldin sein! Eigentlich geht es den Verlegern aber mehr darum, Frauen im Bikini darstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass der f\u00fcr seinen \u201esleaze\u201c ber\u00fcchtigte Victor Fox solche Ware im Dutzend auflegt \u2013 und gerne auch ein bisschen \u201ebondage\u201c hinzumontiert. So verkommen Prachtweiber mit Phantasienamen wie Rulah, Zegra oder Nyoka zu blo\u00dfem \u201eeye candy\u201c. Gar nicht zu reden von der Fox-Ausgeburt PHANTOM LADY, die als Verbrechensbek\u00e4mpferin halbnackt durch die Stadt h\u00fcpfen darf. Hier gilt mein <b>\u201eMantra Nummer Eins\u201c: Comickultur ist Pin-Up-Kultur!<\/b><\/p>\n<div id=\"attachment_6145\" style=\"width: 262px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/DschungelBondage.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6145\" class=\" wp-image-6145 \" alt=\"DschungelBondage\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/DschungelBondage.jpg\" width=\"252\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/DschungelBondage.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/DschungelBondage-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6145\" class=\"wp-caption-text\">In der Wildnis werden Frauen oft in der Luft h\u00e4ngengelassen \u2013 Dschungelbondage<\/p><\/div>\n<p>1942 wagen es die Redakteure Charles Biro und Bob Wood, ein komplettes Comicheft nur mit Schilderungen von Verbrechen zu f\u00fcllen. Ging es zuvor in Comicstrips um kernige Detektive und wack\u2019re Kriminalkommissare, so stehen nun die <b>Gangster im Mittelpunkt<\/b>.<\/p>\n<p>Angeblich \u201ewahre Begebenheiten\u201c werden rei\u00dferisch ausgestellt, die darin vorkommende Gewalt wird gen\u00fcsslich zelebriert. Nat\u00fcrlich nur, um am Ende den B\u00f6sewicht nach haarstr\u00e4ubender Hatz mit Kugeln zu penetrieren oder grausam auf dem elektrischen Stuhl zu \u201ebraten\u201c \u2013 schlie\u00dflich hei\u00dft das Heft ja CRIME DOES NOT PAY.<\/p>\n<p>Auszahlen tut sich das Verbrechen allerdings f\u00fcr den Verleger, der sich bald mit Nachahmungst\u00e4tern im<br \/>\nDutzendbereich konfrontiert sieht.<br \/>\nPerfide Epigonen trumpfen auf mit Titeln wie CRIMES BY WOMEN, FAMOUS GANGSTERS oder LAWBREAKERS SUSPENSE STORIES.<\/p>\n<p>1947 transportieren Joe Simon und Jack Kirby romantische Liebesschnulzen in ein eigenes Heft. <b>Mit YOUNG ROMANCE ist das Genre der Liebescomics oder \u201eromance books\u201c geboren<\/b>.<br \/>\nDer h\u00f6chst einflussreiche Kirby hatte Jahre zuvor schon mit seinem Captain America den Superhelden-Boom mit angeheizt (und wird in Zukunft in diesem Genre noch weitere Akzente setzen).<\/p>\n<p>Comichefte haben nun auch gezielt weiblicher Leserschaft ein Angebot zu machen, das diese offenbar nicht ablehnen konnte. Denn in der Folge werden die Schlagworte \u201eLove\u201c und<br \/>\n\u201eRomance\u201c in allen nur denkbaren Kombinationen am Kiosk angeliefert: FIRST LOVE, DARLING ROMANCE, REAL LOVE, HIGH-SCHOOL ROMANCE, MY LOVE SECRET sowie sicherheitshalber die<br \/>\nTitel ROMANTIC LOVE bzw. LOVE ROMANCES.<\/p>\n<div id=\"attachment_6146\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Murder.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6146\" class=\" wp-image-6146\" alt=\"Murder\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Murder.jpg\" width=\"280\" height=\"401\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Murder.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Murder-209x300.jpg 209w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6146\" class=\"wp-caption-text\">Frauen und Kinder zuerst: MURDER INCORPORATED<\/p><\/div>\n<p>Dies ist wohlgemerkt nur ein winziger Auszug aus dem Titelregister. Wie ich auch nur vereinzelte Namen fallen lassen m\u00f6chte, wenn es nun um Westerncomics geht.<br \/>\nDer Fawcett-Verlag (der \u00fcbrigens mit seinem Captain Marvel die Verk\u00e4ufe von DCs Superman \u00fcbertraf und daf\u00fcr letztlich zu Tode prozessiert wurde) setzt fr\u00fch auf <b>Comicversionen von Kino-Cowboys<\/b> wie HOPALONG CASSIDY, GENE AUTRY und TOM MIX.<\/p>\n<p>Erst ab 1948 aber beobachten wir eine wahre Stampede sterngeschm\u00fcckter Scharfsch\u00fctzen \u2013 der wehrhafte Cowboy erweist sich als der realistischere Superheld.<br \/>\nEr kann zwar nicht fliegen, trifft jedoch mit jedem Schuss (und ist selber beinahe unempf\u00e4nglich f\u00fcr die Geschosse seiner Gegner).<br \/>\nDer Marvel-Verlag schwingt sich in den Sattel mit Serien wie KID COLT OUTLAW und WILD WESTERN, die Konkurrenz bei DC kontert mit ALL-STAR WESTERN und WESTERN COMICS. Besonders kuriose Ausgeburt ist das Heft KID COWBOY vom Kleinverlag Ziff-Davis, in welchem ein bewaffneter Teenager-Junge reihenweise die \u00fcbelsten \u201ebadmen of the West\u201c auf die Bretter schickt.<\/p>\n<p>1950 nimmt ein Genre Fahrt auf, welches seit Jahren mit subkutaner Virulenz vor sich hinbr\u00fctete: <b>Horrorcomics bahnen sich mit Ellbogen ihren Weg an die Spitze der Verkaufszahlen<\/b>. Der betuliche Verlag ACG (American Comics Group) liefert seit zwei Jahren gutm\u00fctige Gruselware im Titel ADVENTURES INTO THE UNKNOWN, doch nun rufen die Entertaining Comics (EC) unter Leitung des frechen Herausgebers Bill Gaines und seines kompetenten Chefredakteurs Al Feldstein ihren \u201eNew Trend\u201c aus.<\/p>\n<p>Sie modeln ihre bisherigen Serien belangloser Dutzendware gr\u00fcndlich um und klotzen vier Jahre lang derma\u00dfen qualit\u00e4tsbewusst rein, dass diese Comics noch heute als die besten Produkte ihrer Epoche gelten. TALES FROM THE CRYPT, VAULT OF HORROR und HAUNT OF FEAR befeuern die schlummernde Lust auf gewagte Experimente \u2013 sei es grafischer oder inhaltlicher Natur.<\/p>\n<div id=\"attachment_6147\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/KidCowboy.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6147\" class=\" wp-image-6147 \" alt=\"KidCowboy\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/KidCowboy.jpg\" width=\"280\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/KidCowboy.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/KidCowboy-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6147\" class=\"wp-caption-text\">Verhaltensauff\u00e4llige Jugendliche pr\u00fcgeln sich mit Knastbr\u00fcdern auf Zugd\u00e4chern: KID COWBOY<\/p><\/div>\n<p>Zeitgleich powert Marvel (unter dem Signet \u201eAtlas\u201c) einen sagenhaften Horror-Output in den Handel. Obwohl sie viermal so viel produzieren wie der n\u00e4chstgr\u00f6\u00dfte Player, gelingt es Stan Lee nicht die Monopolstellung zu erobern. Nahezu alle Verlage publizieren 1952 Horrortitel.<br \/>\n<b>Das Spektrum ist entsprechend atemberaubend: <\/b>Vom literarisch bem\u00fchten Szenario \u00fcber jenseitigen Trash und ironische \u201eQuickies\u201c bis hin zu dreisten Plagiaten und derben Schockern findet sich alles!<\/p>\n<p>Die Saat der Subversion (all diese Comics pflanzen Bilder in die K\u00f6pfe ihrer Leser, welche dem \u00f6ffentlich gelebten \u201eAmerican Way of Life\u201c diametral widersprechen) geht zu Beginn der 50er Jahre noch pr\u00e4chtiger auf.<\/p>\n<p>1952 kreiert Harvey Kurtzman bei ebenjenen schamlosen EC Comics <b>das erste Satire-<br \/>\nComicheft<\/b>, das landesweit Verbreitung findet: <b>MAD<\/b> ist da (und geht auch nicht mehr weg). Als sich nach f\u00fcnf Ausgaben tats\u00e4chlich ein gewaltiger Erfolg einstellt, versuchen auch hier Trittbrettfahrer mit Synomymtiteln wie CRAZY oder NUTS aufzuspringen. Die \u00fcberragende Qualit\u00e4t von MAD schickt alle Kopien in den Orkus, erst 1958 kann sich CRACKED als dauerhafte Nummer Zwei etablieren.<\/p>\n<p>Letztes neues Genre dieser Jahre ist der Kriegscomic. <b>Der Eintritt der USA in den Koreakrieg (1950-53) beschert der Comicindustrie das \u201ewar comic book\u201c.<\/b> War der Krieg zuvor lediglich Folie ist f\u00fcr fantastische Eskapaden jenseits jeder Realit\u00e4t (erlebt von Superhelden oder Meisterspionen), so r\u00fcckt mit Heften namens WARFRONT, G.I. JOE, COMBAT KELLY, MARINES IN BATTLE oder TRUE WAR EXPERIENCES der normale Soldat in den Mittelpunkt des Geschehens. Tapfere, unverdrossene K\u00e4mpfer mit dem Herz auf dem rechten Fleck meistern jede missliche Lage und metzeln sich durch Horden rotchinesischer Landser.<\/p>\n<div id=\"attachment_6148\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Mad.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6148\" class=\" wp-image-6148\" alt=\"Mad\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Mad.jpg\" width=\"280\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Mad.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Mad-206x300.jpg 206w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6148\" class=\"wp-caption-text\">Ab nun wird nichts mehr ernst genommen! MAD hat keine Angst vor King Kong<\/p><\/div>\n<p>Betont sei jedoch, dass Verlage wie Atlas oder EC (schon wieder) ein anderes Bild des Krieges malen. In den Jahren 1951-54 \u00fcberraschen und schockieren Serien wie TWO-FISTED TALES, BATTLEFIELD und FRONTLINE COMBAT nicht nur mit <b>ungesch\u00f6nten Darstellungen von der Schmutzigkeit und Sinnlosigkeit des Krieges<\/b>, sondern auch mit einf\u00fchlsamem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Opfer auf der Gegenseite. Der Feind ist weder Bestie noch namenlose Nummer, sondern ein verzweifeltes Individuum mit den gleichen \u00c4ngsten, N\u00f6ten und Sorgen wie sein amerikanischer Gegner.<\/p>\n<p><b>1952\/53 erlebt der Comic-Boom seinen H\u00f6hepunkt<\/b>: An amerikanischen Kiosken locken monatlich Dutzende von Titeln aller Genres mit waghalsigen Aufmachern. Wer hier nicht differenziert, in die Hefte hineinschaut (und wom\u00f6glich gutes Artwork oder knackige Kurzgeschichten entdeckt), der ist geneigt, <b>dieses \u00dcberangebot generell f\u00fcr \u201eTeufelszeug\u201c zu halten. <\/b><\/p>\n<p>Zumal wohlmeinende Pfarrer, Lehrer und Psychologen (darunter an vorderster Front der pressegeile Psychiater Dr. Wertham) stellvertretend f\u00fcr den US-B\u00fcrger zwar hineingeschaut, aber leider nicht verstanden haben, dass die w\u00fcsten <b>\u201ecomic books\u201c einen popkulturellen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft einleiten <\/b>(wie der zeitgleich aufkommende Rock\u2019n\u2019Roll, der Siegeszug des Fernsehens und die Ver\u00f6ffentlichung des \u201ePlayboy\u201c).<\/p>\n<p>Ehe eine staatliche Zensur niederh\u00e4mmern kann, zieht man in der Comicindustrie selbst die Notbremse und unterwirft sich einer (radikal ausgelegten) <b>freiwilligen Selbstkontrolle namens \u201eComics Code\u201c, die ab 1955 f\u00fcr alle 10-Cent-Produkte greift<\/b>. Das Resultat ist ein kastrierter, infantilisierter und sterilisierter Comicmarkt, der auf kindliche Leserschaft ausgerichtet wird und jeden denkenden Menschen nur absto\u00dfen kann.<\/p>\n<p>Horror verw\u00e4ssert zu Mystery, lustvoller Trash ger\u00e4t zu formelhaften Banalit\u00e4ten, Crime verliert sich in faden \u201eR\u00e4uber-und-Gendarm\u201c-Possen. Die wenigen \u00fcberlebenden Superhelden m\u00fcssen jetzt gegen Weltraum-Monster antreten, oder noch \u00e4rger: ringen mit ihrem Privatleben (zu dem nun auch Super-Haustiere geh\u00f6ren).<\/p>\n<div id=\"attachment_6149\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Lassie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6149\" class=\" wp-image-6149\" alt=\"Lassie\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Lassie.jpg\" width=\"280\" height=\"391\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Lassie.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/Lassie-214x300.jpg 214w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6149\" class=\"wp-caption-text\">Wovor sich Timmy und Lassie hier erschrecken? Bestimmt vor keinem Monster mehr\u2026<\/p><\/div>\n<p>EC l\u00e4sst (wie die meisten anderen kleinen H\u00e4user) die L\u00e4den runter, einige schaffen die <b>Umstellung auf Herausgabe von \u201efunny books\u201c<\/b> \u2013 und obenauf schwimmt der Verlag Dell, der seit dem Jahr 1940 (!) bestens von familienfreundlichen Disney-Lizenzen lebt. Hinzu kommen ab Mitte der 50er Jahre weitere erfolgreiche Fernsehcomics (LASSIE, RIN TIN TIN, I LOVE LUCY) sowie R\u00fcckbesinnung auf klassischen Abenteuerstoff wie brave Western, ZORRO und TUROK SON OF STONE.<\/p>\n<p><b>\u00dcberraschend gut schl\u00e4gt sich DC, wohingegen Atlas\/Marvel in die Krise trudelt<\/b>.<br \/>\nDie Insolvenz des hauseigenen Vertriebs zwingt Stan Lee 1957, sein Comicprogramm radikal auf eine Handvoll Titel zu verschlanken. Historiker mutma\u00dfen, dass diese Fokussierung auf Wesentliches die n\u00f6tigen Synergien freisetzt, damit Marvel zu Beginn der 60er Jahre wie Ph\u00f6nix aus der Asche steigen kann\u2026<\/p>\n<p>DC \u00fcbernimmt f\u00fcr den Rest der 50er Jahre das Superheldenbusiness und beweist den richtigen Riecher mit der Gr\u00fcndung eines neuen Heldenteams (JUSTICE LEAGUE OF AMERICA) und der zuvor erfolgten <b>Wiederbelebung der Helden GREEN LANTERN und FLASH<\/b>.<br \/>\nIm DC-Probierheft SHOWCASE vom Herbst 1956 wird der redesignte FLASH losgelassen, woran viele Comicliebhaber <b>die Geburt des<\/b> <b>\u201eSilver Age of Comics\u201c<\/b> festmachen. Es sei darauf hingewiesen, dass der zweite Auftritt des neuen FLASH erst acht Monate sp\u00e4ter erfolgt, der dritte sogar weitere zehn Monate nach dem zweiten (da befinden wir uns schon im Jahre 1958).<br \/>\nAn irgendwas muss man sich ja halten!<\/p>\n<div id=\"attachment_6150\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/FlashShowcase.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6150\" class=\" wp-image-6150\" alt=\"FlashShowcase\" src=\"http:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/FlashShowcase.jpg\" width=\"280\" height=\"401\" srcset=\"https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/FlashShowcase.jpg 400w, https:\/\/fifties-horror.de\/filecollection\/2015\/05\/FlashShowcase-209x300.jpg 209w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6150\" class=\"wp-caption-text\">Leichteste Finger\u00fcbung: zweiter Auftritt des neuen FLASH<\/p><\/div>\n<p>Deshalb will ich Ihnen zum Schluss mein <b>\u201eMantra Nummer Zwei\u201c<\/b> mit auf den Weg geben:<br \/>\n<b>Comics waren nie kreativer als in den fr\u00fchen 50er Jahren!<\/b><\/p>\n<p>Wer sich auf Entdeckungsfahrt begeben m\u00f6chte, dem kann ich w\u00e4rmstens die Internetseiten <a href=\"http:\/\/comicbookplus.com\/\" target=\"_blank\">COMIC BOOK PLUS <\/a>und <a href=\"http:\/\/digitalcomicmuseum.com\/index.php\" target=\"_blank\">DIGITAL COMIC MUSEUM <\/a>empfehlen. Ich bin dort Mitarbeiter und habe hunderte Hefte dieser Zeit gescannt und hochgeladen.<\/p>\n<p>COMIC BOOK PLUS verf\u00fcgt \u00fcber geniale Suchfunktionen \u2013 zum Beispiel nach Genre (\u201eCategories\u201c) oder nach Erscheinungsdatum (\u201eNewsstand\u201c).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das US-Comicheft der 40er und 50er Jahre \u2013 ein Schnelldurchlauf Man muss Superman dankbar sein. Auch wenn es mir schnurzpiepegal ist, wie oft er die Welt gerettet hat, dann muss ich ihm doch danken, dass er mein Lieblings-Printmedium am Leben gehalten hat: das Comicheft! 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