The Jellyfish

(aus “Vault Of Horror” Nr. 19, im Juni 1951 von EC Comics veröffentlicht)

Ein Pharma-Manager begeht Betrug in  großem Stil: Die Regierung bestellt bei ihm eine Million Dosen Insulin. Der Betrieb könnte aber nur die Hälfte liefern. Also verdünnt der Manger das Medikament und macht den Deal hinter dem Rücken seines Laborleiters. Der hatte den Schwindel aus ethischen Gründen verweigert und war deswegen als „rückgratlose Qualle“ beschimpft worden. Der Betrug hat tödliche Folgen. Überall im Land sterben Diabetes-Patienten, weil ihre Dosis falsch berechnet ist.

Die Regierung schreitet ein, macht dem Pharmakonzern den Prozess und verknastet den Laborleiter (der seine Unschuld nicht belegen kann) zu zehn Jahren Gefängnis. Während der mörderische Manager ein feines Leben in Freiheit führt, sinnt sein Opfer auf Rache. Er arbeitet seiner Qualifikationen wegen im Gefängniskrankenhaus und entwickelt eine spezielle Chemikalie.

Wieder in Freiheit, sucht er den Manager auf und bettelt um einen neuen Job. Der amüsiert sich königlich über sein rückgratloses Gegenüber. Dann nehmen sie einen Versöhnungs-Drink zu sich. In diesen jedoch hat der Laborleiter seine Chemikalie geschmuggelt. Diese löst Knochen auf. Der Manager fällt zu einem Haufen Fleisch auf dem Fußboden zusammen. Wer ist jetzt eine rückgratlose Qualle?!

Mit solchen Geschichten wurde EC zum Marktführer in Sachen Horror. Und völlig zu Recht. Eine wunderbare Racheparabel, originell angesiedelt im Pharma-Milieu, mit groteskem Finale und bissigen Kalauern des Crypt-Keepers (siehe letztes Bild: „… No hard feelings anymore… It was getting late, he had to step on it!“).

Natürlich ist diese Auflösung (im wahrsten Sinne des Wortes) fantastisch, aber gerade das ist der Zauber von EC! Der Leser ist gebeutelt zwischen Ekel, Faszination und Lachreiz. Ohne den Jux des Crypt Keepers käme diese Moral biblisch grausam daher. So aber ist es ein nachwirkendes Gedankenspiel, das sich im Hinterkopf festsetzt. Wieso sollte es NICHT eine solche Chemikalie geben können?!

Ebenfalls hier schön bei der Arbeit zu beobachten ist ECs Philosophie der „poetic justice“. Den bösen Manager ereilt eine ironisch rächende Strafe. Ein Medikament fügt ihm Schaden zu, wie er zuvor anderen Menschen mit Medikamenten Schaden zufügte. Der Topper ist dabei, dass es ihn zur Qualle mutieren lässt. Selbst seine verbalen Grausamkeiten werden ihm mit gleicher Münze heimgezahlt.

Übrigens eine der ersten zehn Geschichten, die Jack Davis für EC gestaltete. Sein Stil wird sich in den beiden nächsten Jahren noch enorm verfeinern.