The Fruit Of Death!

(aus “Chamber Of Chills” Nr. 12, im September 1952 von Harvey veröffentlicht)

Ein Farmer und seine Frau streiten sich um den Baum auf ihrem Grundstück. Er will ihn erhalten, weil er glaubt, dass er nochmal Früchte tragen wird. Sie will ihn fällen, um den Boden, auf welchem der Baum steht, neu zu bestellen. Der Streit wird handgreiflich, und am Ende geschieht ein grauiges Wunder.

Einfach nur großartig, wie Rudy Palais diese fünf Seiten gestaltet. Achten Sie in unserem Vollscan mal auf die Markenzeichen dieses Künstlers: sprudelnder Schweiß und wabernde Schwaden.

Das ist einfach nur trostlos und grausam. Schön.

Ich musste dabei an das ikonische „American Gothic“ von Grant Wood denken, das übrigens nur 20 Jahre vor Veröffentlichung des Comics gemalt wurde. Bei Betrachtung dieses Ölgemäldes kommt ja auch wenig Freude auf. Für mich ist „Fruit Of Death“ ein „sequel“ zu „American Gothic“ – 15 Jahre später. Das schmucke Farmhaus ist verfallen, die Ehe den Bach runtergegangen. Jetzt waltet Hysterie.

Auf der psychologischen Ebene lässt sich diese Geschichte als Kampf des weiblichen gegen das männliche Prinzip lesen. Der Frau geht es um die Urbarmachung des Bodens. Der Schoß der Erde soll neue Früchte tragen. Der Mann hingegen beharrt auf dem Status Quo und bastelt an der Optimierung der Strukturen.

Betachtet man den Baum als Phallussymbol, wird die Sache noch wilder: Die Frau will das nutzlos gewordene Ding weghaben, der Mann hofft auf ein Wieder-Erblühen. Aber wo findet man auf dem Land schon eine Sexualberatung?!


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